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Deutschlands größte Dachgärtnerei

Auf dem Berliner Gewerbehöfequartier GoWest entsteht Deutschlands größte Dachgärtnerei, bestückt mit Obst, Gemüse und PV.

Auf dem ehemaligen Reemtsma-Areal in Berlin-Schmargendorf entsteht mit GoWest eines der aktuell ambitioniertesten Gewerbequartiere Deutschlands. Besonders sichtbar wird der Anspruch an eine nachhaltige, klimaorientierte Stadtentwicklung auf den Flachdächern: Rund 15.000 m² Dachfläche sollen im Endausbau professionell landwirtschaftlich genutzt werden – als größte Dachgärtnerei Deutschlands. Die Grundlage dafür bilden begrünte Retentionsdächer, die Regenwasser zurückhalten und dauerhaft hohe Lasten aufnehmen müssen..

Das GoWest knüpft bewusst an die Tradition der Berliner Gewerbehöfe des 19. Jahrhunderts an und übersetzt deren Prinzip in ein modernes Stadtquartier, in dem Arbeiten, Handwerk, Kultur, Gastronomie und urbane Produktion gleichermaßen stattfinden. Statt eines monofunktionalen Bürostandorts soll ein lebendiger Stadtraum entstehen. „Wir wollten kein Büroviertel schaffen, das nach 18 Uhr verwaist ist“, sagt Architekt Christian Jörder, einer der Geschäftsführer des verantwortlichen Planungsbüros CKSA GmbH in Berlin. „Die Intention war ganz klar, ein Quartier zu entwickeln, in dem man sich auch nach Feierabend und am Wochenende gerne aufhält und das so zu einem Stück Heimat im besten Sinne wird.“

Das städtebauliche Konzept sieht zwölf Baufelder vor, die sich auf insgesamt 240.000 m2 Bruttogrundfläche summieren. Jeder Block ist in vier eigenständige Häuser gegliedert, die unterschiedliche Flächengrößen und flexible Nutzungseinheiten ermöglichen. Roter Klinker dient dabei als verbindendes Fassadenmotiv und verweist auf die industrielle Geschichte des Standorts. Für seinen Planungsansatz wurde das neue Gewerbehöfequartier bereits mehrfach ausgezeichnet. 2019 erhielt GoWest das DGNB-Vorzertifikat für Quartiere in Platin, 2024 folgte eine weitere DGNB-Vorzertifizierung in Platin für den ersten Bauabschnitt.

Dachflächen als produktiver Stadtraum

Was das GoWest von vielen anderen Quartiersentwicklungen unterscheidet, zeigt sich besonders auf den Dächern. Diese werden nicht nur begrünt, sondern als eigene Nutzungsebene geplant. Über alle Baufelder hinweg sollen rund 15.000 m² Dachfläche für urbane Landwirtschaft entstehen. „Und zwar nicht im Sinne von urbanem Freizeitgärtnern mit kleinen Hochbeeten, sondern in einer Dimension, die professionell von Landwirten betrieben wird“, erklärt Christian Jörder. Die Dachflächen sollen künftig Obst, Gemüse und sogar eigenen Bienenhonig liefern – direkt für die Nutzerinnen und Nutzer des Quartiers. Bienen wurden bereits 2018 auf dem Projektgelände angesiedelt. Ergänzt wird die landwirtschaftliche Nutzung durch aufgeständerte Photovoltaikanlagen. Eine sinnvolle Kombination, denn die Vegetation verbessert durch Verdunstungskühlung das Mikroklima auf den Dachflächen und beeinflusst damit auch die Effizienz der PV-Module positiv.

Retentionsdächer als Antwort auf die Schwammstadt

Eine zentrale Rolle spielt auch der Umgang mit Regenwasser. Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten ist die Kanalisation bei Starkregenereignissen schnell überlastet. In Berlin ist die Einleitung von Regenwasser zudem stark begrenzt. Für das GoWest wurde deshalb ein dezentrales Wassermanagement entwickelt, das dem Prinzip der Schwammstadt folgt. „Das funktioniert nur, indem wir Wasser auf dem Grundstück zurückhalten, verzögert abgeben oder direkt nutzen“, beschreibt Jörder die planerische Ausgangslage. Die Dachflächen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Sie speichern Niederschläge, verzögern den Abfluss, unterstützen durch Verdunstung die Kühlung des Quartiers und stellen zugleich Wasser für die Dachlandwirtschaft bereit. Ergänzt wird das System durch große Zisternen in den Untergeschossen. Damit entsteht eine Dachlandschaft, die mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt: Regenwassermanagement, Klimaanpassung, Förderung der Biodiversität, Energieerzeugung und produktive Landwirtschaft.

Hohe Lasten, hohe Anforderungen

Diese Mehrfachfunktion stellt außergewöhnlich hohe Anforderungen an den Dachaufbau, dessen Grundlage hier aus WU-Beton besteht. Darauf aufbauend werden die Flachdächer als Umkehrdächer ausgeführt. Dabei liegt die XPS-Wärmedämmung oberhalb der Abdichtungsebene und schützt diese vor mechanischen Einwirkungen, starken Temperaturschwankungen und Witterungsbeanspruchung. Gerade bei intensiv genutzten Retentions- und Gründachflächen ist dieser konstruktive Schutz ein wesentlicher Vorteil für die Lebensdauer der Abdichtung. Die Dimension des Aufbaus verdeutlicht die technische Herausforderung: „Wir realisieren einen Gesamtaufbau von rund einem Meter Höhe – bestehend aus 300 mm dicker, einlagiger XPS-Dämmung sowie etwa 700 mm Substrat und intensiver Begrünung“, erklärt Dachdeckermeister Lukas Plaschna von der Heinrich Dachtechnik GmbH aus Berlin. „Dadurch entstehen enorme Druckbelastungen bei gleichzeitig hohen Anforderungen an die Wärmedämmleistung.“

Die hohe Druckfestigkeit von Jackodur KF 300 Standard war daher ein entscheidendes Kriterium. Die XPS-Dämmplatten sind für dauerhaft hohe Belastungen optimal geeignet und verfügen über eine hohe Feuchtigkeitsunempfindlichkeit – wichtige Voraussetzungen bei begrünten und wasserführenden Umkehrdachkonstruktionen. Das GoWest zeigt damit eindrucksvoll, wie Flachdächer im verdichteten urbanen Raum zu multifunktionalen Nutzflächen werden: Sie speichern Wasser, kühlen das Mikroklima, erzeugen Energie, fördern Biodiversität und ermöglichen professionelle Landwirtschaft mitten in der Stadt.

GoWest in Zahlen

* Gesamtareal: ca. 7,4 Hektar
* Geplante Nutzfläche: ca. 240.000 m² Bruttogeschossfläche
* Struktur: 12 Baufelder mit jeweils ca. 25.000 m2
* Dachnutzung: ca. 15.000 m² Dachgärtnerei im Endausbau
* Dachaufbau: Umkehrdach mit JACKODUR® KF 300 Standard in 300 mm Dicke und ca. 700 mm Substrat/Begrünung
* Verlegte Jackodur Wärmedämmung: rund 8.000 m²
* Fertigstellung: geplant 2028
* Projektverantwortliche: Die Wohnkompanie Berlin und Gustav Zech Stiftung
* Entwurf/Gestaltung: CKSA GmbH, Berlin
* Ausführung Dach: Heinrich Dachtechnik GmbH, Berlin

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 26. Juni 2026 - zuletzt bearbeitet am 26. Juni 2026


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AutorRedaktion
Tags
Stadtentwicklung
Dachbegrünung
Jackodur
CKSA
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