buildingTIMES
Bau & Innovationbuildingtimes.at
 / Lesezeit 4 min

Die Wirkung von Gebäudebegrünung

Forschung bringt neue Erkenntnisse zur Wirkung von Gebäudebegrünung in Städten.

Dach- und Fassadenbegrünungen sind ein wichtiger Baustein zukunftsfähiger, nachhaltiger und energieeffiziente Städte. Sie wirken durch Verdunstungskühlung, Verschattung und ein verbessertes Mikroklima und ergänzen klassische bauliche und haustechnische Maßnahmen, insbesondere im Kontext des Klimawandels mit steigenden Temperaturen und vermehrten Starkregenereignissen. Bisher fehlten jedoch geeignete Grundlagen, um diese Effekte quantitativ zu erfassen und auch in Planungsinstrumenten wie dem Energieausweis abzubilden.

Hier setzte das Forschungsprojekt "Margret" an. Ziel war es, die Wirkung von Gebäudebegrünung messtechnisch zu erfassen und daraus Ansätze für die Weiterentwicklung von Berechnungsmodellen und Normen abzuleiten. Dafür wurden im Labor der AEE Intec umfangreiche Messungen unter realen Witterungsbedingungen durchgeführt: An der Fassadenprüfbox wurden begrünte und unbegrünte Fassaden direkt verglichen. Dafür wurden mobile Grünfassaden errichtet, auf denen die gängigen Kletterpflanzen Wisteria sinensis (Blauregen) beziehungsweise Parthenocissus quinquefolia (Wildem Wein) kultiviert wurden. Auch eine Living Wall mit LivingPanels von Naturebase wurde errichtet und vermessen. Für den Vergleich der Effekte von Gründächern gegenüber Kiesdächern wurden eigene beheizte bzw. gekühlte Teststände entwickelt und auf unserem Labordach errichtet, die eine detaillierte Wirkungserfassung ermöglichen.

Reduzierter Hitzestress

Die Ergebnisse verdeutlichen die Wirkmechanismen von Begrünungssystemen: Bei Fassadenbegrünungen liegt der größte energetische Effekt in der Verschattung von Glasflächen – bei einer Reduktion des solaren Strahlungseintrags um rund 77–80 %. Doch vitale Grünfassaden können noch mehr. Die Pflanzen wandeln über 50 % der eingestrahlten Sonnenenergie durch Verdunstung und Photosynthese aktiv um. (s. Abbildung 1). In Kombination mit der geringeren Albedo von Grünfassaden – also dem reduzierten Rückstrahlvermögen für Sonnenlicht – werden somit Blendung und Hitzestress im Straßenraum deutlich reduziert und der sogenannte Urban Heat Island Effekt (die stärkere Aufheizung von Städten im Vergleich zum Umland) gemindert.

Geringere Oberflächentemperaturen

Auch die untersuchte reduziert-intensive Dachbegrünung mit Sedum, Kräutern und Gräsern zeigte signifikante Effekte: Durch Beschattung und Absorption solarer Strahlung durch die Vegetation wurden maximale Oberflächentemperaturen im Sommer regelmäßig um 16°C gesenkt. Zirkadiane 24h-Temperaturschwankungen (Temperatur Unterschiede zwischen Tag und Nacht) wurden ebenfalls stark von Median 36 Grad beim Kiesdach auf Median 19 Grad beim Gründach verringert, was die These der Lebensdauerverlängerung von Abdichtungsfolien durch Dachbegrünung weiter untermauert. Der erhöhte Wärmedurchgangswiderstand und die thermische Trägheit minderten Wärmeströme ins Gebäude auch bei modernem Dämmstandard deutlich messbar. Hier eröffnet sich perspektivisch Potenzial zur Reduktion konventioneller Dämmstoffe. Vitale, normgerechte Gründächer vermindern die urbane Überwärmung und leisten zusätzlich einen wesentlichen Beitrag zur Regenwasserrückhaltung.

Die gewonnenen Daten werden aktuell in der öffentlich zugänglichen Datenplattform Zenodo zusammengeführt und sind ab 08.05.2026 verfügbar. Sie bilden eine fundierte Grundlage für die Integration von Gebäudebegrünung in Normen, Energieausweise und Gebäudesimulationen. Offene Fragestellungen werden aktuell im Folgeprojekt „Margret Bioshade“ weiter vertieft, um das Potenzial von Dach- und Fassadenbegrünungen noch umfassender nutzbar zu machen. Bei diesem Projekt übernimmt AEE Intec neben den gesamten Labormessungen nun auch die Konsortialführung.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 30. April 2026 - zuletzt bearbeitet am 30. April 2026


R
AutorRedaktion
Tags
Dachbegrünung
Klimakrise
Kühlung

Weitere Artikel

buildingTIMES
Informiert bleiben.

Treffen Sie eine Selektion unserer Newsletter zu buildingTIMES, immoflash, Immobilien Magazin, immo7news, immojobs, immotermin oder dem Morgenjournal

Jetzt anmelden

© Cachalot Media House GmbH - Alle Rechte vorbehalten