Energiegemeinschaften scheitern an fehlender Klarheit

Qualitative Workshops in fünf europäischen Regionen zeigen ein klares Bild: Viele potenzielle Teilnehmer:innen von Energiegemeinschaften scheitern nicht an mangelndem Interesse, sondern an fehlender Klarheit.

Unverständliche Abläufe, geringe Transparenz und Unsicherheit über den konkreten Nutzen erweisen sich als größere Hürden als finanzielle Aspekte. Eine zentrale Erkenntnis aus Forschung und Praxis lautet daher: Verständlichkeit, Vertrauen und transparente Prozesse sind entscheidender für die Beteiligung als monetäre Vorteile allein.

Diese Ergebnisse stammen aus dem europäischen Forschungsprojekt RENvolveIT, das Energiegemeinschaften als wichtigen Baustein der Energiewende untersucht. Trotz ihres Potenzials bleibt die Beteiligung vielerorts hinter den Erwartungen zurück – nicht, weil Menschen ablehnen, sondern weil sie zu wenig Orientierung erhalten.

Problem auch in Österreich erkennbar

In Österreich bestätigt sich dieses Bild deutlich. Die PowerSolution Energieberatung GmbH begleitet den Aufbau und Betrieb von mehr als 35 Energiegemeinschaften in Österreich und ist nationaler Umsetzungspartner von RENvolveIT. Geschäftsführer Roland Kuras beobachtet in der täglichen Praxis einen klaren Engpass: „Viele Menschen stehen Energiegemeinschaften grundsätzlich positiv gegenüber. Gleichzeitig merken wir in Gesprächen immer wieder, dass unklar ist, was eine Energiegemeinschaft konkret ist, wie sie funktioniert und was sie im Alltag tatsächlich verändert“, so Kuras. „Oft müssen wir ganz grundlegende Fragen klären – etwa, dass bestehende Stromlieferverträge nicht gekündigt werden müssen oder dass Energieteilung kein technisches Projekt, sondern ein organisatorisches Modell ist.“ Sein Fazit aus fast fünf Jahren praktischer Umsetzung: „Aufklärung ist kein Begleitfaktor, sondern die zentrale Voraussetzung dafür, dass aus Interesse auch Teilnahme wird.“