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Wohnhaussanierung: Mehr Fördergeld, weniger umfassende Sanierungen

Analyse der Wohnhaussanierung zeigt klare Verschiebung zur Teilsanierung.

Mit dem von Verbänden der Bauprodukteindustrie beauftragten „Monitoring-System zu Sanierungsmaßnahmen“ liegt mittlerweile die vierte Ausgabe einer systematischen Beobachtung der Wohnhaussanierung in Österreich vor. Das Instrument, entwickelt und weitergeführt vom IIBW und dem Umweltbundesamt, liefert langfristige Zeitreihen zu Sanierungsaktivitäten und -raten – regional differenziert und nach Gebäudesegmenten aufgeschlüsselt.

Die Rahmenbedingungen für Sanierungen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Steigende Baupreise nach der Covid-Pandemie, Energie- und Rohstoffpreisschocks infolge des Ukrainekriegs, hohe Inflation und deutlich gestiegene Finanzierungskosten dämpften die Investitionsbereitschaft. Gleichzeitig erreichten die Fördermittel 2024 ein historisches Hoch. Budgetbedingte Einschnitte führten jedoch später zu einem Förderstopp; eine 2026 neu aufgelegte Bundesförderung war rasch zu zwei Dritteln ausgeschöpft.

Rekordförderungen – vor allem für Heizungen

Während Bund und Länder Anfang der 2010er Jahre rund 800 Mio. Euro jährlich für Sanierungsförderungen aufwendeten, lag das Volumen in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts bei etwa 500 Mio. Euro. Ab 2021 kam es zu einem starken Anstieg: 2024 belief sich die Bundesförderung auf rund 1,45 Mrd. Euro, gemeinsam mit den Ländern sogar auf etwa 2,1 Mrd. Euro.

Der Schwerpunkt lag klar auf dem Austausch fossiler Heizsysteme. Rund zwei Drittel der Bundesmittel flossen in Heizungsumstellungen auf erneuerbare Energien. Die Zahl der geförderten Heizungstausche stieg von gut 10.000 Wohnungen im Jahr 2017 auf fast 90.000 im Jahr 2024. Insgesamt wurde 2024 in rund 120.000 Wohnungen – etwa 2,8 % des Bestands – das Heizsystem umgestellt.

Rückgang umfassender Sanierungen

Trotz der hohen Fördervolumina ging die Zahl umfassender thermisch-energetischer Sanierungen zurück. Nach einem Höhepunkt 2009 mit rund 55.000 sanierten Wohneinheiten liegt das Niveau seit Ende der 2010er Jahre bei kaum mehr als 20.000 pro Jahr. Auch ungeförderte Sanierungen sind stark zurückgegangen.
Als Gründe gelten die hohe Komplexität solcher Projekte, Kosten in der Nähe eines Neubaus sowie wirtschaftliche Risiken für Bauunternehmen. Hinzu kommen organisatorische Hürden für Eigentümer:innen und die Erwartung zukünftiger Förderverbesserungen.

Sanierungsrate steigt durch Einzelmaßnahmen

Im Jahr 2024 lag die gesamte Sanierungsrate bei etwas über 1,6 % des Wohnungsbestands. Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist fast ausschließlich auf Heizungsumstellungen zurückzuführen. Einzelmaßnahmen tragen rund 1,2 Prozentpunkte bei, umfassende Sanierungen nur 0,4.
Besonders problematisch sei der Rückgang der thermischen Sanierungsrate der Gebäudehülle, so die Analysten. Sie sank von fast 1,8 % Anfang der 2010er Jahre auf zuletzt etwa 0,9 %. Ohne Verbesserungen der energetischen Gebäudequalität könnten zentrale Energie- und Klimaziele jedoch kaum erreicht werden.

Regionale Unterschiede

Langfristig zeigen Kärnten, Oberösterreich und Tirol überdurchschnittliche Sanierungsraten, während Burgenland und Salzburg darunter liegen. Insgesamt wird im Eigentumssegment deutlich häufiger saniert: Eigentumswohnungen und Eigenheime erreichen im Durchschnitt eine Rate von rund 1,8 %, Mietwohnungen lediglich etwa 1,1 %.

Klimaziele erfordern höhere Sanierungsrate

Die Treibhausgasemissionen des Gebäudesektors sind zwar seit 2021 deutlich gesunken – auch dank des massiven Heizungstauschprogramms. Langfristig reicht dies jedoch nicht aus. Österreich strebt Klimaneutralität im Gebäudesektor bis 2040 an.
Simulationen zeigen, dass dafür eine rasche Verdoppelung der Sanierungsrate notwendig wäre: auf rund 3 % des Wohnungsbestands jährlich. Neben Förderungen werden dafür auch ordnungs- und wohnrechtliche Maßnahmen erforderlich sein – insbesondere für Mietwohnungen, Gemeindebauten und den großen Bestand an Eigenheimen.
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© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 10. März 2026 - zuletzt bearbeitet am 17. März 2026


FA
AutorFranz Artner
Tags
Wohnungen
Gebäudesanierung
Heizungstuasch
IIBW
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