36 Verbände bündeln Kräfte für Sanierung
Branchenakteure wollen Sanierungen des Gebäudebestands mit Daten, Know-how und Regeln beschleunigen.
Beim Sanierungsgipfel 2026 rückt die Bau- und Immobilienwirtschaft Kooperationen als zentrale Voraussetzung in den Mittelpunkt, um die Transformation des Gebäudebestands umzusetzen. Auf Initiative von Renowave.at und IG Lebenszyklus Bau erarbeiteten 36 Verbände und Organisationen Ansätze, wie Sanierung und Bestandsoptimierung über Disziplingrenzen hinweg in die Umsetzung kommen können.
Ein Schwerpunkt ist ein erstmals formulierter Schulterschluss entlang der Wertschöpfungskette zwischen Wirtschaftskammer Wien, Landesinnung Bau, Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Fachverband der Ingenieurbüros und Bundeskammer der Ziviltechniker:innen. Ziel ist abgestimmtes Handeln zwischen Planung, Ausführung und Betrieb, um Projekte schneller und konsistenter realisieren zu können. Aus Sicht der Wirtschaft wird Bestandsoptimierung als standortrelevantes Thema beschrieben.
Kooperation als Schlüssel zur Transformation
Conrad Bauer von der Wirtschaftskammer Wien verweist darauf, dass rund 110.000 Wiener Betriebe direkt oder indirekt mit dem Gebäudebestand befasst sind, was der Größenordnung nach nahezu jedem zweiten Unternehmen in der Stadt entspreche. Auf Planungsseite betont Daniel Fügenschuh von der Bundeskammer der Ziviltechniker:innen die Bedeutung des Gebäudesektors für Energieverbrauch und Klimaziele und sieht die Zukunft des Bauens im Weiterbauen, Umbauen und Aktivieren vorhandener Strukturen. Inhaltlich soll der Gipfel weniger Probleme wiederholen, sondern nächste Schritte definieren.
Wirtschaftliche Relevanz und strategische Ziele
Aufbauend auf dem Prozess seit dem ersten Sanierungsgipfel 2025 wurden vier Handlungsfelder weiterbearbeitet. Dazu zählen die Positionierung von Sanierung als Werttreiber von Immobilien, transparente und vergleichbare Bewertungsansätze für den Bestand, neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle sowie eine stärkere Rolle von Hausverwaltungen und Facility Management in der Umsetzung. Als Hebel für Beschleunigung gelten tragfähige Finanzierungsmodelle, insbesondere für Gemeinden, die künftig zusätzliche Energieeinsparverpflichtungen erfüllen müssen. Zudem wurde ein besserer Zugang zu Energieausweis-Daten als wesentliches Anliegen herausgestellt. Diskutiert wird eine nationale Bundes-Energieausweis-Datenbank, um Daten strukturierter verfügbar zu machen und für Portfolioentscheidungen, Eigentümer:innen und Forschung besser auswerten zu können. Beim Know-how setzen die Beteiligten auf eine bessere Sichtbarkeit und Bündelung bestehender Aus- und Weiterbildungsangebote, etwa aus dem Umfeld von klimaaktiv.
Zentrale Handlungsfelder für die Umsetzung
Ergänzend sollen neue Weiterbildungsmodule zur Sanierung entwickelt und in einem Roundtable mit relevanten Stakeholdern konkretisiert werden. Als strukturelles Hindernis wird die Komplexität durch neun unterschiedliche Bauordnungen, unterschiedliche Förderlandschaften und diverse rechtliche Rahmenbedingungen genannt. Der Bedarf an Harmonisierung betrifft Bauvorschriften und Förderungen ebenso wie angrenzende Rechtsmaterien, darunter das Mietrecht. Vorgesehen sind Gespräche mit zuständigen Stellen, die stärkere Einbindung juristischer Expertise und abgestimmte Positionen, um praxistaugliche Rahmenbedingungen für Sanierungsprojekte zu erreichen. Mehrere Stimmen aus den beteiligten Organisationen verbinden die Kooperationslinie mit konkreten Erwartungen. Walter Seemann von der Landesinnung Bau fordert ein gemeinsames Vorgehen über Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Finanzierung und Betriebe hinweg, um Zuständigkeits- und Abstimmungsprobleme zu reduzieren.
Harmonisierung und rechtliche Rahmenbedingungen
Rainer Gagstädter vom Fachverband Ingenieurbüros sieht die frühzeitige Einbindung technischer Expertise als Voraussetzung für genehmigungsfähige und langfristig tragfähige Sanierungskonzepte, insbesondere für die Dekarbonisierung. Hans Jörg Ulreich aus dem Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder verknüpft Sanierung im urbanen Bestand mit zusätzlicher Wohnraumschaffung durch Verdichtung und Erhöhung. Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, Generalsanierungen energetisch auf Neubauniveau im Mietrecht Neubauten gleichzustellen. Ulla Unzeitig von Renowave betont, dass für die Umsetzung vorhandener technischer Lösungen rechtliche und finanzielle Voraussetzungen, darunter verlässliche Förderungen, angepasst werden müssten. Die Verbände und Organisationen wollen die angestoßenen Initiativen weiter begleiten und Fortschritte sowie Erkenntnisse in den kommenden Monaten sichtbar machen. Der Sanierungsgipfel 2026 setzt damit auf eine verbindlichere Zusammenarbeit, um Sanierung als gesamtwirtschaftliche Aufgabe mit Datenbasis, Qualifizierung und vereinfachten Rahmenbedingungen zu skalieren.
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