Steigender Kühlbedarf verändert Gebäudesektor
Daikin-Studie zeigt: Hitzephasen machen energieeffiziente Kühllösungen zur baulichen Notwendigkeit.
Der Klimawandel beeinflusst die europäische Bau- und Wohnrealität in einem bisher ungekannten Tempo, wobei Europa zu den sich am schnellsten erwärmenden Kontinenten weltweit zählt. Eine aktuelle repräsentative Erhebung des Marktleitungsinstituts Marketagent im Auftrag von Daikin Österreich unterstreicht nun, dass Klimaanlagen hierzulande den Status eines reinen Luxusguts endgültig verloren haben. Für Architekten, Fachplaner und Bauträger signalisiert diese Entwicklung ein grundlegendes Umdenken bei der Konzeption moderner Wohn- und Gewerbeimmobilien. Bereits jede:r fünfte Immobilienbesitzer:in in Österreich verfügt über eine eigene Kühllösung, und knapp jede sechste Person plant eine entsprechende Anschaffung innerhalb der kommenden fünf Jahre. Die Transformation der Wohnansprüche wird maßgeblich durch den rasanten Anstieg von Hitzetagen und Tropennächten vorangetrieben.
Starke Nachfrage im urbanen Raum
Die Ergebnisse der Erhebung im Frühjahr 2026 verdeutlichen den signifikanten Stellenwert des Raumklimas für die Lebensqualität. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) definiert einen gesteigerten Komfort an heißen Tagen als primären Anschaffungsgrund, gefolgt von dem Wunsch nach einer verbesserten Schlafqualität während intensiver Hitzeperioden. Demgegenüber nennen 44 % die zunehmenden Hitzewellen als wesentlichen Treiber dieser Entwicklung. Für Fachplaner und Bauherren besonders relevant ist die spürbar gestiegene gesellschaftliche Akzeptanz: 43 % der österreichischen Bevölkerung stehen Klimatisierungslösungen positiv gegenüber, weitere 37 % verhalten sich neutral. „Die Art und Weise, wie in Österreich geheizt und gekühlt wird, verändert sich grundlegend. Was früher als Komfort galt, wird zunehmend zur Voraussetzung für Lebensqualität – insbesondere in urbanen Regionen mit immer mehr Hitzetagen“, pointiert Alexander Springler, General Manager von Daikin Österreich, den strukturellen Wandel.
Effizienz versus Betriebskosten-Mythos
Trotz der dynamischen Marktentwicklung identifiziert die Studie erhebliche Informationsdefizite innerhalb der Bevölkerung. Nur knapp 23 % der Befragten stufen sich selbst als gut bis sehr gut über moderne Klimasysteme informiert ein. Ein zentrales Hemmnis bildet der weit verbreitete Irrtum bezüglich eines vermeintlich exzessiven Stromverbrauchs, den jeder zweite Teilnehmer spontan mit Klimageräten assoziiert. In der Praxis stehen diesem Vorbehalt jedoch hocheffiziente Technologien mit moderaten Betriebskosten gegenüber. Der monatliche Stromverbrauch eines modernen Multisplit-Systems mit einem Außengerät und drei angeschlossenen Innengeräten bewegt sich, je nach individueller Nutzung, typischerweise zwischen lediglich 120 und 360 kWh pro Sommermonat. Bei einem klassischen Netzstrombezug entspricht dies Kühlkosten von etwa 330 Euro pro Jahr – ein Wert, der sich durch die systemische Kombination mit einer Photovoltaikanlage bis auf nahezu null laufende Energiekosten reduzieren lässt.
Kaufkriterien im technischen Fokus
Für Ingenieure und Facility Manager liefert die Erhebung präzise Anhaltspunkte bezüglich der gefragtesten Geräteeigenschaften. Als wichtigster Entscheidungsfaktor gilt für 37 % der Befragten ein leiser Betrieb der Anlage, dicht gefolgt von einer einfachen Installation und einem geringen baulichen Aufwand bei der Nachrüstung (35 %). Niedrige Anschaffungskosten sowie eine integrierte Heizfunktion für die Übergangszeit spielen für 30 % beziehungsweise 21 % eine entscheidende Rolle. Abgerundet wird das Anforderungsprofil durch ein unauffälliges Design im Wohnraum (17 %), den Einsatz klimafreundlicher Kältemittel (17 %) sowie intelligente Steuerungsmöglichkeiten via App (15 %). Branchenakteure verzeichnen infolgedessen Rekordwerte: Allein im vergangenen Jahr wurden auf dem österreichischen Markt mehr als 20.000 Split-Klima-Außengeräte abgesetzt. „Die Entwicklung zeigt, dass moderne Klimasysteme heute nicht nur technologisch ausgereifter und energieeffizienter sind, sondern auch das Vertrauen der Konsument:innen kontinuierlich steigt“, ergänzt Almir Karagic, Sales Manager Residential bei Daikin Österreich, und verweist zeitgleich auf den immensen Aufklärungsbedarf der Endkund:innen.
Kühlbedarf als kritischer Wirtschaftsfaktor
Der steigende Kühlbedarf betrifft längst nicht mehr nur den privaten Wohnbau, sondern transformiert den gewerblichen Sektor zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor. Unternehmen investieren verstärkt in integrierte Klimalösungen, da hohe Sommertemperaturen sowohl die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden als auch die technische Infrastruktur massiv belasten. Ein überdurchschnittliches Nachfragewachstum verzeichnen derzeit Hotels, Büroimmobilien, Handelsflächen sowie Logistik- und Rechenzentren. Letztere zählen aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung und rechenintensiver KI-Anwendungen zu den dynamischsten Wachstumsmärkten im Kühlbereich. Laut aktuellen Berechnungen der BOKU Wien wird sich der energetische Kühlbedarf in Österreich bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln, während die Anzahl der Kühlgradtage um über 40 % zunimmt. Gleichzeitig bietet dieser Wandel erhebliche Dekarbonisierungspotenziale für Gewerbe und Industrie durch den Einsatz kombinierter Systeme für Heizung, Kühlung, Lüftung und Warmwasserbereitung.
Vorausschauende Fachplanung sichert Projekterfolg
Für Branchenentscheidungsträger:innen und Partner:innen im Anlagebau resultiert aus dieser Markt- und Klimadynamik eine klare operative Notwendigkeit zur Antizyklizität. Da die Nachfrage in den heißen Sommermonaten erfahrungsgemäß sprunghaft ansteigt, stoßen sowohl die Geräteverfügbarkeiten als auch die Installationskapazitäten der ausführenden Fachbetriebe in der Hauptsaison regelmäßig an personelle und logistische Grenzen. Eine vorausschauende Projektierung und frühzeitige Bestellung in der Nebensaison gelten daher als kritische Erfolgsfaktoren, um Bauzeitenpläne verlässlich einzuhalten. Gerhard Perschy, General Manager Commercial bei Daikin Österreich, fasst die künftige Herausforderung für die Gebäudetechnik prägnant zusammen: „Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Gebäude, Mitarbeitenden und technische Infrastruktur wirksam vor steigenden Temperaturen zu schützen und gleichzeitig höchste Energieeffizienz sicherzustellen. Entsprechend wächst die Nachfrage nach intelligenten, integrierten Kühllösungen deutlich.“
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