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Studie zeigt großes Potenzial der Erneuerbaren

Österreich könnte viel tun in Sachen der erneuerbarer Energien

Eine umfassende Studie zu den erneuerbaren Energiepotenzialen zeigt: Österreich verfügt über erhebliche Ausbaupotenziale in allen relevanten Technologien und könnte seine Klimaziele bis 2040 bei konsequenter Umsetzung erreichen. Die im Auftrag des Klima- und Energiefonds im Rahmen seines Jahresprogrammes 2022 beauftragte Analyse liefert erstmals eine methodisch einheitliche und räumlich hochauflösende Bewertung der realisierbaren Potenziale erneuerbarer Energien für die Jahre 2030 und 2040.

Deutliches Ausbaupotenzial aller Technologien 

Die Studie zeigt, dass Österreich bis 2030 und 2040 über erhebliche realisierbare Potenziale bei erneuerbaren Energien verfügt. Die Mobilisierung dieser Potenziale ist weniger durch technische Grenzen als durch Rahmenbedingungen wie Energieinfrastruktur, Flächenverfügbarkeit und Akzeptanz bestimmt.
Im Strombereich weisen Photovoltaik und Windenergie die größten zusätzlichen Ausbaupotenziale auf.

Photovoltaik kann bis 2040 einen Beitrag von bis zu rund 50 TWh pro Jahr leisten, mit einem klaren Schwerpunkt auf Gebäuden und bereits versiegelten Flächen.

Die Windenergie erreicht je nach Entwicklungspfad bis zu rund 42 TWh pro Jahr. Die Wasserkraft bleibt eine tragende Säule der Stromversorgung; zusätzliche Beiträge ergeben sich vor allem durch die Optimierung bestehender Anlagen und liegen insgesamt bei bis zu rund 10 TWh pro Jahr.

Die Bioenergie weist 2040 ein realisierbares Potenzial von rund 59 – 72 TWh/a, abhängig von den jeweiligen Entwicklungspfaden und konkurrierenden Nutzungsansprüchen der unterschiedlichen Biomasseströme.

Für die tiefe Geothermie konnte aufgrund der unzureichenden Datenlage kein belast bares realisierbares Potenzial quantifiziert werden. Expert*innen schätzen jedoch, dass
im Jahr 2030 etwa 1,5 TWh/a geothermische Wärme erschlossen werden könnten.

Solarthermie zeigt für das Jahr 2040 ein realisierbares Potenzial von bis zu 13 TWh/a. Dieses wird weniger durch verfügbare Flächen limitiert, sondern vielmehr durch ökono
mische, infrastrukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen.

Umweltwärme und Abwärme leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende. Besonders hohe Potenziale zeigen Luftwärme und oberflächennahe Geothermie – je
weils bis zu 20 TWh/a, ergänzt durch Abwärme und Aquathermie. Deren Erschließung hängt stark vom technologischen Fortschritt, der Entwicklung der Wärmenachfrage, der
Gebäudesanierung sowie von der Integration in Wärme- und Strominfrastrukturen ab. 

Geothermie und Umgebungswärme

Im Wärmesektor identifiziert die Studie besonders große und systemisch zentrale Potenziale bei Umwelt- und Umgebungswärme sowie bei der oberflächennahen Geothermie. Diese Quellen können – vor allem in Kombination mit Wärmepumpen – jeweils realisierbare erneuerbare Beiträge von bis zu rund 20 TWh pro Jahr leisten und zählen damit zu den wichtigsten Bausteinen einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Ergänzend tragen Abwärme, Solarthermie und – standortabhängig – tiefe Geothermie zur Wärmewende bei.
Bioenergie ist bereits heute ein zentraler Pfeiler der österreichischen Energieversorgung. Das realisierbare Gesamtpotenzial liegt im Jahr 2040 bei rund 59 bis 72 TWh pro Jahr, wobei die untere Bandbreite in etwa dem heutigen energetischen Nutzungsniveau entspricht. Eine Ausweitung der Gesamtmenge ist möglich, eine veränderte Nutzung erscheint hingegen aus systemischer Sicht sinnvoll wie zum Beispiel ein Fokus auf die Nutzung von Prozesswärme.

Gebäude und Energieinfrastruktur als Schlüssel für die Energiewende

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Schlüsselrolle von Gebäuden und bestehender Infrastruktur für den Ausbau erneuerbarer Energien. Insbesondere bei der Photovoltaik liegt der Großteil der realisierbaren Potenziale auf Dächern, Fassaden sowie auf bereits versiegelten oder vorbelasteten Flächen wie Betriebsarealen, Parkplätzen und Infrastrukturanlagen. Diese flächenschonende Nutzung ermöglicht einen substanziellen Ausbau bei vergleichsweise hoher Akzeptanz und geringeren Nutzungskonflikten. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der weitere Ausbau von Photovoltaik und Windenergie zwingend mit einem konsequenten Ausbau und einer Weiterentwicklung der Stromnetze sowie mit zusätzlichen Speicher- und Flexibilitätsoptionen verknüpft sein muss, um die fluktuierende Erzeugung systemverträglich integrieren zu können.

Auch im Wärmesektor kommt Gebäuden und Infrastruktur eine zentrale Rolle zu: Die Nutzung von Umwelt- und Abwärme, oberflächennaher Geothermie sowie weiterer erneuerbarer Wärmequellen hängt wesentlich vom Sanierungsstand der Gebäude, von niedrigen Systemtemperaturen und vom gezielten Ausbau effizienter Nah- und Fernwärmenetze ab. Eine integrierte Planung von Gebäuden, Energie- und Netzinfrastruktur ist damit ein zentraler Hebel für eine effiziente und sozial verträgliche Energiewende.

Unterschiedliche Entwicklungspfade

Die Studie weist Bandbreiten bei den realisierbaren Potenzialen für 2030 und 2040 aus, von „Low“ über „Medium“ bis „High“. Diese kennzeichnen unterschiedliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, welche in entsprechenden Storylines beschrieben werden. Während gemäß der unteren Bandbreite zentrale Klimaziele verfehlt werden, zeigt die obere Bandbreite, dass eine nahezu vollständige erneuerbare Energieversorgung bis 2040 erreichbar ist.

Über die Studie

Die Studie „Erneuerbare Energiepotenziale in Österreich für 2030 und 2040“ wurde unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit dem Umweltbundesamt, der TU Wien, AEE INTEC und der Energiewerkstatt im Auftrag des Klima- und Energiefonds durchgeführt. Ziel war es, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Energiepolitik, Raumplanung und Investitionen zu schaffen. 

Zur Studie geht es hier

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 21. April 2026 - zuletzt bearbeitet am 22. April 2026


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AutorRedaktion
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Studie
Photovoltaik
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