Masterplan vereint Stromnetz und E-Mobilität
Smatrics präsentiert den Masterplan 2.0 für die Verknüpfung von E-Mobilität und Energiesystem.
Vier Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Strategie zur Förderung der Elektromobilität zieht die Branche Bilanz und richtet den Fokus auf die Vernetzung von Fahrzeugen und Stromnetzen. Bis 2030 wird der Bestand an rein elektrisch betriebenen Personenkraftwagen in Österreich voraussichtlich auf rund eine Million Fahrzeuge ansteigen. Während der Ausbau der öffentlichen Ladepunkte sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen in den vergangen Jahren erhebliche Fortschritte verzeichneten, rückt nun die systemische Integration der Ladeinfrastruktur in das Stromnetz in den Mittelpunkt. E-Fahrzeuge sollen künftig als mobile Speicher und Flexibilitätsanbieter fungieren, um das Gesamtsystem zu stabilisieren.
Für Fachplaner:innen, Bauträger und Facility Manager verändern sich damit die Anforderungen an die Dimensionierung und Einbindung von Ladeinfrastruktur signifikant. Die reine Verfügbarkeit von Ladepunkten reicht für den künftigen Betrieb nicht mehr aus; entscheidend werden die barrierefreie Nutzung sowie die wirtschaftliche Einbindung in die Objekt- und Arealversorgung. Der vom Betreiber Smatrics vorgelegte Masterplan 2.0 definiert vor diesem Hintergrund fünf zentrale Handlungsfelder für die kommende Entwicklungsstufe. Dazu zählen unter anderem der rund um die Uhr gewährleistete Zugang ohne Einschränkungen durch Gewerbeordnungen, die Berücksichtigung von Barrierefreiheit im Rahmen von Richtlinienanpassungen sowie gezielte wirtschaftliche Anreize für Gewerbe- und Schwerverkehrslösungen.
Netzanschluss als Nadelöhr der Infrastrukturentwicklung
Eine wesentliche Hürde beim Ausbau bleibt das Schnittstellenmanagement zum Stromnetz. Während die Hardware-Infrastruktur rasch skalierbar ist, verzögern langwierige Genehmigungsprozesse, uneinheitliche Abläufe und mangelnde Digitalisierung bei den Netzanschlüssen die Umsetzung von Projekten. Für Ingenieure und Bauherren bedeutet dies, dass Netzverfügbarkeiten und Kapazitätsreserven bereits in der frühesten Planungsphase detailliert geprüft werden müssen.
Bidirektionales Laden als Schlüssel zur Systemflexibilität
Besondere Bedeutung kommt künftig Technologien wie Vehicle-to-X (V2X) und dem bidirektionalen Laden zu, die als Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit des Energiesystems gelten. Um diese Potenziale im Gebäudesektor und im Quartiersmanagement nutzbar zu machen, bedarf es jedoch noch klarer technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Standards. „Für eine erfolgreiche Mobilitäts- und Energiewende braucht es ein intelligentes Gesamtsystem. Anstatt in isolierten Maßnahmen zu denken, müssen Mobilität und Energie endlich als Teamplayer agieren“, unterstreicht Hauke Hinrichs, Chief Executive Officer von Smatrics.
Spezifische Anforderungen durch den elektrischen Schwerverkehr
Der bevorstehende Hochlauf elektrisch betriebener Lastkraftwagen erfordert zudem angepasste Konzepte für Ladeleistung und Flächenbedarf, die über herkömmliche PKW-Lösungen weit hinausgehen. Branchenentscheidungsträger:innen stehen hier vor der Aufgabe, Ladeinfrastruktur mit hohen Anschlussleistungen in bestehende Logistik- und Gewerbeimmobilien zu integrieren. „Die beste Ladeinfrastruktur ist jene, über die man nicht nachdenken muss und die auch keine Sperrstunde hat. Verlässlichkeit und Transparenz sind für E-Mobilist:innen längst keine Extras, sondern Selbstverständlichkeit“, pointiert Hinrichs die Erwartungen der Anwender:innen.
Systemische Kopplung entscheidet über den Erfolg
Die finale Bewertung der Transformation hängt folglich nicht mehr allein an der Quantität installierter Ladepunkte ab, sondern an der Qualität der Kopplung von Fahrzeugen, Infrastruktur und Verteilnetzen. Für Planungs- und Errichtungsfachleute signalisiert diese Entwicklung die Notwendigkeit, Mobilitätskonzepte stets als integralen Bestandteil der technischen Gebäudeausrüstung und des betrieblichen Energiemanagements zu verstehen. „Um in dieser zweiten Phase das volle Potenzial gut zu nutzen, müssen wir die beiden Säulen Mobilität und Energie von einem Nebeneinander zu einem Miteinander überleiten“, ergänzt Hinrichs mit Blick auf die bevorstehenden Aufgaben der Branche.
Weitere Artikel

