Fehlender Elektrifizierungskurs
Vertreter:innen von Climate Business Circle fordern die Politik in Sachen Elektrifizierung zum Handeln auf.
Strom ist ein Standortfaktor und es braucht Klarheit für eine sichere Energieversorgung - das ist die zentrale Botschaft des Climate Business Circle (CBC). Österreich dürfe die Energiefrage nicht auf die lange Bank schieben, sondern müsse rasch eine gesamthafte Strategie schaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, so Angela Bachmann, CEO von Holcim Österreich. Sie wünscht sich Klarheit für eine sichere Energieversorgung. „Zement ist ein langfristiges Business, wir müssen in neue Technologien und Produkte investieren, dafür brauchen wir Planungssicherheit“, betont sie. Gibt es keine klaren Vorgaben würden hierzulande Investitionen verschoben, anderswo aber nicht, so die Managerin. Wenn die Zementindustrie ihre CO2-Emissionen senken will, muss vermehrt Strom zum Einsatz kommen, denn auch die geplante Einspeicherung von CO2 braucht viel elektrische Energie, wie Bachmann erklärt. Es braucht also neue Stromerzeugungsanlagen, Speicher und die Ertüchtigung der Netze für den Stromtransport.
Gute Basis, träge Dynamik
Österreich hat durch die Wasserkraft traditionell einen sehr hohen Anteil an erneuerbarem Strom, läuft aber Gefahr bei der weiteren Dekarbonisierung im Vergleich zu anderen Ländern den Anschluss zu verlieren, so Christiane Brunner, Initiatorin des CBC. „China bewegt sich massiv, auch in Indien herrscht eine hohe Dynamik, Europa startete zwar von einer vergleichsweise guten Ausgangsposition, die Dynamik fehlt jedoch, so Brunner. 2019 betrug der Elektrifizierungsgrad in China 13 Prozent, im Jahr 2000 lag dieser bei 28 Prozent, 2024 bei 34 Prozent. In der EU stieg der Grad der Elektrifizierung im selben Zeitraum von 20 % im Jahr 2019 auf 24 Prozent im Jahr 2024. Österreich, das sich selbst gerne als Umweltmusterland betrachtet, liegt mit 22,6 Prozent unter dem EU-Schnitt und 11 Prozent hinter dem EU-Spitzreiter Schweden. „Hier ist mehr Tempo erforderlich, wir haben den Zug zum Tor ein wenig verschlafen“, betont Karl Sagmeister, CEO von Schneider Electric Österreich. Er sieht in der Steigerung der Effizienz einen großen Hebel. „Die Messung von Energieströmen ist einfach geworden, wir können mit Automatisierung viel bewirken“, ist er überzeugt. „Elektrifizierung und Digitalisierung ermöglichen mehr Wertschöpfung aus jeder eingesetzten Kilowattstund2“, betont Sagmeister
Gesamtstrategie notwendig
Einig sind sich die drei CBC-Vertreter , dass es wichtig sei für das Land eine Gesamtstrategie auszuarbeiten, bei der neben neuen Erzeugungskapazitäten auch die Speicher ein zentrales Element darstellen müssten. „Es kann nicht sein, dass wir weiterhin über jedes einzelne Windrad Abstimmungen abhalten“, betont Brunner. Es müsse rasch geklärt werden, wo Batteriespeicher sinnvoll sind, wo nutzbare industrielle Abwärmepotenziale vorhanden sind und wo die Akzeptanz für die Errichtung von Kraftwerken gegeben ist.
Dass elektrischer Strom durch die anstehenden Rechenzentren knapp und teuer werden könnte, glaubt Sagmeister übrigens nicht. „Es ist genug Strom im Netz, es gilt ihn intelligent und sinnvoll einzusetzen“, sagt er. Sagmeister sieht Rechenzentren als Teil einer gesamthaften Versorgungskette, wenn die dort generierte Abwärme genutzt wird.
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