Strom: PV federt schwache Wasserkraft ab
APG-Factbox: Trockenheit schwächt Österreichs Wasserkraft, während Solarstrom zulegt und Importe steigen.
Die anhaltende Trockenheit hat Österreichs Stromwirtschaft im September stark unter Druck gesetzt. Die erneuerbare Gesamterzeugung sank im Vorjahresvergleich um 21 Prozent, maßgeblich verursacht durch einen Einbruch der Wasserkraft um 37 Prozent. Insgesamt deckten erneuerbare Energieträger nur 69 Prozent der heimischen Stromnachfrage, nachdem im Vorjahresmonat noch 87 Prozent erreicht wurden. Für Netzbetreiber und Energieplaner unterstreicht diese Entwicklung die hohe Anfälligkeit klimasensibler Erzeugungsstrukturen.
Einbruch bei Wasserkraft treibt Importquote
Um das massive Defizit auszugleichen, blieb Österreich durchgehend auf Energieimporte angewiesen. Mit einem Importsaldo von 1.158 GWh in der Regelzone verzeichnete das Land mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreswert von 511 GWh. An keinem einzigen Tag im September konnte bilanziell Strom in die Nachbarländer exportiert werden. Der Anteil der Nettoimporte am gesamten Stromverbrauch kletterte damit sprunghaft von 11 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 26 Prozent.
Photovoltaik kompensiert Erzeugungslücke nur teilweise
Dem Einbruch bei der Wasserkraft stand ein deutlicher Zuwachs der Sonnenenergie gegenüber. Die Photovoltaik steigerte ihre Erzeugung im Vorjahresvergleich um 41 Prozent und trug 15 Prozent zur Deckung des öffentlichen Netzverbrauchs bei. Die Windkraft verharrte mit einem leichten Plus von einem Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Im erneuerbaren Erzeugungsmix kletterte der Anteil der Solarenergie dadurch von 12 auf 21 Prozent, während die Wasserkraft von 70 auf 55 Prozent nachgab.
„Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Umbau unseres Energiesystems. Die Photovoltaik entwickelt sich von einer ergänzenden Technologie hin zu einem wesentlichen Baustein der Stromversorgung“, erklärt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG). Mit einer installierten Gesamtleistung von mittlerweile rund 11.500 MW treibe der Solarausbau die Dekarbonisierung voran, benötige aber zwingend die entsprechenden Netzinfrastrukturen.
Netzengpässe erzwingen häufigere Eingriffe
Trotz des Importbedarfs stieß die Übertragungsinfrastruktur regional an physikalische Grenzen. Von Jänner bis Ende September fielen an 29 Tagen mehr Redispatch-Einsätze an als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im September mussten 1.099 MWh aus Laufwasser und Windkraft gezielt abgeregelt werden, um Überlastungen im Leitungsnetz abzuwenden. Für Bauträger und Fachplaner unterstreicht dieser Überschuss zur Mittagszeit die wachsende Bedeutung von dezentralen Großbatterien und Quartierspeichern.
„Damit sich das Potenzial der Photovoltaik voll entfalten kann, braucht es Netze und Speicher – so kann der zur Mittagszeit produzierte Strom in die Abendstunden verlagert werden und preisdämpfend wirken“, betont Christiner. Der forcierte Netzausbau und die systemische Verknüpfung von Erzeugung, Speicherung und Lastmanagement bleiben die entscheidenden Hebel für die künftige Versorgungssicherheit.
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