Digitaler Bau: Kultur schlägt Technik
Eine Studie der ZAB zeigt: Der Erfolg digitaler Bauprojektmanagement-Software liegt im Faktor Mensch
Die Bauproduktivität hinkt der übrigen Industrie seit Jahren hinterher, nicht zuletzt aufgrund ausgeprägter Systembrüche an den Schnittstellen beteiligter Partner:innen. Eine aktuelle Untersuchung der ZAB Zukunftsagentur Bau belegt nun, dass das Scheitern digitaler Tools in kleinen und mittleren Baubetrieben selten technischen Unzulänglichkeiten geschuldet ist. Vielmehr entscheidet die Unternehmenskultur darüber, wie eine neue Bauprojektmanagement-Software in bestehende Arbeitsabläufe eingebunden wird. Werden digitale Anwendungen lediglich auf veraltete Prozesse aufgesetzt, verfehlen sie ihre Wirkung.
Schnittstelle zwischen Baustelle und Bauleitung
In kleinen und mittleren Unternehmen treffen meist wenige Entscheidungsträger:innen die Wahl für ein System, während die operative Umsetzung alle Mitarbeiter:innen betrifft. Genau an dieser Nahtstelle zwischen Polier auf der Baustelle und Bauleitung im Büro entscheidet sich die tatsächliche Akzeptanz. „Wir wollten wissen, warum digitale Tools am Bau oft schon an der Einführung scheitern, obwohl die Technik längst ausgereift ist“, erklärt Harald Kopececk, Geschäftsführer der ZAB Zukunftsagentur Bau und der BAUAkademie OÖ. Die Antwort liege selten in der Software selbst, sondern darin, wie Betriebe mit Veränderung umgehen; digitale Kompetenz gehöre daher bereits in die Ausbildung.
Mitarbeiter:innen frühzeitig einbinden
Für eine gelungene Transformation nennt die Untersuchung, für die das Beratungshaus 42consulting Experteninterviews sowie Co-Creation-Workshops durchführte, konkrete Hebel: Eine fundierte Prozessanalyse vor der Implementierung, der Wechsel von der Bringschuld zur Holschuld bei Daten sowie feste Ansprechpartner:innen. Dennoch überwiegen psychologische Aspekte. „Die Interviews haben gezeigt, dass Widerstand gegen neue Software nur selten reiner Technikskepsis entspringt“, betont Karina Breitwieser von 42consulting, Mitautorin der Studie. Wer an der Entwicklung eines Tools mitwirken dürfe, verzeihe Fehler leichter und identifiziere sich stärker mit dem Ergebnis.
Führungsaufgabe statt reiner IT-Agenden
Anfängliche Produktivitätsverluste in der Umstellungsphase signalisieren laut den Studienergebnissen kein Scheitern, sondern stellen eine notwendige Investition dar, die Führungskräfte transparent einplanen müssen. „Ein Programm, das von oben verordnet werde, verstaube in der Bauhütte genauso schnell wie ein ungelesenes Rundschreiben“, pointiert Norbert Hartl, Bundesinnungsmeister-Stellvertreter Bau.
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