Geotechnik senkt CO2-Fußabdruck im Bauwesen
Neue Verfahren im Erdbau und beim Materialrecycling verringern die Emissionen im Tiefbau.
Die Geotechnik gewinnt im Kampf gegen den Klimawandel stark an Bedeutung. Durch technologische Innovationen und eine optimierte Kreislaufwirtschaft lassen sich die Treibhausgase bei großen Infrastrukturprojekten erheblich verringern. Bis zu 90 % des Bodenaushubes könnten heute technisch wiederverwertet werden.
Zudem ermöglichen Bodenverbesserungen anstelle eines kompletten Bodenaustauschs eine Reduktion der Kohlendioxid-Äquivalente bei Gründungsprojekten um bis zu 50 %. Ein weiterer großer Hebel liegt im Ersatz von klassischem Zement. Alternative Bindemittel wie Geopolymere oder kalzinierte Tone können bis zu 70 % der Emissionen einsparen, die üblicherweise bei der Zementherstellung entstehen.
Diese Lösungen sind mit bestehender Technik kompatibel und lassen sich leicht in der Praxis umsetzen. Um diese Potenziale voll auszuschöpfen, sind jedoch Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig. Helmut F. Schweiger, Präsident der Austrian Geotechnical Society, sieht den größten Hebel im Erdbau, der Bodenstabilisierung sowie in der Logistik. Derzeit wird ein Großteil des Bodenaushubs deponiert, da dieser rechtlich oft als Abfall und nicht als Wertstoff gilt. Eine Berücksichtigung des CO2-Fußabdrucks bei öffentlichen Vergabekriterien könnte hier rasch Abhilfe schaffen und Anreize für umweltschonende Verfahren setzen.
Wie eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft in der Praxis aussieht, zeigt der Bau des Brenner Basistunnels. Dort wird die Hälfte des Ausbruchsmaterials direkt vor Ort aufbereitet und als Baustoff wiederverwendet. Durch die Kombination von Materialkreisläufen und innovativen Bindemitteln erscheint eine Reduktion des baubezogenen CO2-Fußabdrucks um bis zu 40 % bis zum Jahr 2030 realistisch. Diese Entwicklungen standen auch im Mittelpunkt der internationalen Konferenz für Bodenmechanik und Geotechnik, der Icsmge, im Austria Center Vienna. Branchenexperten diskutierten dort über neue Lösungswege, um die ehrgeizigen Klimaziele im Bauwesen bis zum Jahr 2040 zu erreichen.
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