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zt:Kammer: Wohnen neu gedacht

Recht & Rahmen

Leistbares Wohnen zählt zu den drängendsten gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Welche Beiträge Ziviltechniker dazu leisten können, diese Frage stand im Mittelpunkt des Symposiums „Leistbar in die Zukunft“.
Leistbares und zukunftsfittes Wohnen ist eine grundlegende Voraussetzung für Lebensqualität, auf individueller wie auch gesamtgesellschaftlicher Ebene. Wohnungspolitik, Wohnungswirtschaft und Planung müssen eng zusammenspiele. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei die Ziviltechniker:innen ein – sie agieren an der Schnittstelle von Entwurf, technischer Umsetzung, rechtlicher Vorgaben und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wie sehr man sich dieser Verantwortung bewusst ist, wurde beim Symposium der Kammer der Ziviltechniker:innen für Wien, Niederösterreich und Burgenland, kurz zt:Kammer, Anfang Mai in der Wiener Urania unterstrichen. Anlass des Symposiums war die Präsentation des Positionspapiers „Leistbar in die Zukunft“, das der 2023 gegründete Ausschuss „Wohnbau und Leistbarkeit“ während der letzten drei Jahre erarbeitet hat. Architektin Ulrike Schartner, Vorsitzende dieses Ausschusses erklärte in ihren Eröffnungsworten die Hintergründe: „Wien blickt auf eine hundertjährige Tradition im sozialen Wohnbau zurück und wird oft als Vorbild genommen. Diese Errungenschaft ist durch die Krisen unter Druck geraten. Energiekrise, Klimakrise, Leerstand – der Wohnbau kam fast vollständig zum Erliegen, insbesondere die Schaffung von Leistbarem Wohnbau.“ Leistbarkeit ist nach dem Verständnis der zt:Kammer dann gegeben, wenn für Miete oder Kreditkosten inklusive Betriebs- und Heizkosten nicht mehr als 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens aufgewendet werden müssen. Sie ist davon überzeugt, dass Ziviltechniker:innen einen maßgeblichen Beitrag leisten können, um leistbares und ressourcenschonendes Wohnen Realität werden zu lassen. Im Wege stehen derzeit die restriktiven baulichen Vorgaben, genauso wie das geltende Mietrechtsgesetz und weitere bürokratische Hürden.

Das Positionspapier gliedert sich in drei Teile: die Analyse der Ausgangslage, die vom zunehmenden Druck auf den leistbaren Wohnbau geprägt ist. Darauf aufbauend erörtert der zweite Teil den Handlungsraum der Ziviltechniker:innen bei der Schaffung von leistbarem und zukunftsfähigem Wohnraum. Im dritten Teil geht es um die Umsetzung von qualitätsvollen und zugleich leistbaren Lösungen. „Voraussetzungen dafür sind Bodenpolitik, Stadtentwicklung, Miet- und Baurecht und die Verwaltungspraxis“, betonte Schartner.

Ein kritischer Blick aus der Praxis
Architekt Richard Scheich, feld72 Architekten, präsentierte im Anschluss einige Projekte in Wien, die als Role Model für leistbares Wohnen stehen. In der Lepoldau wurde das Projekt „Leo“ realisiert, das für junges Wohnen steht. Es wurde in Sandwichbauweise umgesetzt – in nur zwei Containern lässt sich ein gesamtes Geschoß transportieren. „Leo“ überzeugt durch großzügige Stiegenhäuser und sogenannte „Pluszonen“, die die Gemeinschaft fördern.

Im Village im Dritten wurde 2025 das Projekt Vis-à-Vis realisiert. Erstmals wurde dabei im geförderten Wohnbau eine Baugruppe integriert. Nachhaltigkeit steht bei diesem achtgeschoßigen Holzbau klar im Fokus. Die Mehrkosten für den Holzbau betrugen rund 10 Prozent, der CO2-Foodprint liegt um 40 Prozent unter jenen eines Betonbaus. Als weitere Beispiele führte er einen aktuellen sozialen Wohnbau im Wiener Sonnwendviertel an, der sich dem Thema Clusterwohnen verschrieben hat und die Südtirolersiedlung 2.0 in Bregenz, in der es um den Erhalt des Bestands geht.

Planung als Schlüssel zur Leistbarkeit
Die Architekten Jutta Wörtl-Gössler, Alexander Loebus und Michael Simhandl stellten das klar formulierte Positionspapier der zt:Kammer vor.

Der Planungsphase einen deutlich höheren Stellenwert einräumen, um das Potenzial qualitätsvoller Planung konsequent auszuschöpfen
Kostensteuerung und unabhängige Planung eng miteinander verschränken
Anreize für mehr Kostentransparenz durch gewerkeweise, konstruktive Ausschreibungen ersetzen
Mittel der Wohnbauförderung gezielt für die Wohnbauforschung im Sinne des forschenden Bauens einsetzen
Die Leistbarkeit im Bestand durch Berücksichtigung der CO2-Bilanz sichern
Sanierungen und kreislauffähiges Bauen gezielt fördern
Baulandreserven konsequent für soziale Zwecke sichern
Synergien durch städtebauliche Planung und koordinierte Quartiersentwicklung nutzen
Eine einheitliche Definition von Leerstand als Voraussetzung für wirksame wohnungspolitische Maßnahmen formulieren
Im Mietrecht sozial ausgewogene Anreize für Sanierungen schaffen
Bestandsnutzung, Nachverdichtung und Quartierslösungen durch verbesserte baurechtliche Rahmenbedingungen forcieren
Bauverfahren durch eine verbindliche Vorabklärung baurechtlicher und bautechnischer Fragen beschleunigen

In der anschließenden Podiumsdiskussion, in der Beatrix Rauscher, Gruppenleiterin der Stadtbaudirektion Wien, Michael Gehbauer, Geschäftsführer der WBV-GPA und Obmann des GBV, Nicole Kirchberger, Abteilungsleiterin im Klima- und Energiefonds, Richard Scheich, feld72 Architekten und Jutta Wörtl-Gössler, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Wohnbau und Leistbarkeit zu Wort kamen, war man sich einig, dass es eines Umdenkens bedarf, um auch in Zukunft leistbares, qualitätsvolles Wohnen ermöglichen zu können. Mit dem Positionspapier seien die dafür wesentlichen Aspekte klar definiert. Die Aufgaben und Herausforderungen sind komplex, Voraussetzung zur Umsetzung ist der offene Dialog aller Akteur:innen, von Politik, Verwaltung, Planer:innen bis hin zu Investor:innen und Bauherr:innen.

Einen Blick über die Grenzen Österreichs bot der letzte Programmpunkt des Wiener Symposiums der zt:Kammer mit den Vorträgen von Architektin Jelica Jovanovic „Neu-Belgrad: Kontextualisierung einer Utopie“ und Daniela Bachner, Energieexpertin in der Abteilung für Umweltberatung der EIB, die zum Thema „Task Force Affordable Housing. EU-Strategie in Österreich“ referierte. Einer Podiumsdiskussion folgte die Einladung zum Netzwerken und Gedankenaustausch – bei spannenden Gesprächen fand das erfolgreiche Symposium seinen Ausklang.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. Juli 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. Juli 2026


FA
AutorFranz Artner
Tags
wohnbau
Ziviltechniker:innen
Leistbarkeit
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