Wasserstoff-Test im Zementwerk
In Gmunden erprobt Rohrdorfer grünen Wasserstoff für eine CO2-freie Zementklinkerproduktion.
Bei der Erzeugung von Zementklinker, dem primären Bindemittelbestandteil für den Hoch- und Tiefbau, erfordern die Klinkerofenanlagen Betriebstemperaturen von rund 1.450 °C. Um fossile Brennstoffe nachhaltig zu substituieren, führte das Net Zero Emission-Team des Baustoffherstellers Rohrdorfer Anfang Juli 2026 am oberösterreichischen Standort Gmunden den ersten Wasserstoff-Feuerungsversuch in einer österreichischen Zementklinker-Ofenanlage durch. Die temporäre Zufeuerung von grünem Wasserstoff unterstreicht das technische Potenzial, den CO₂-Ausstoß bei der Klinkersynthese prozessual drastisch zu reduzieren, da bei der H₂-Verbrennung im Gegensatz zu konventionellen Energieträgern kein Kohlendioxid freigesetzt wird.
An zwei aufeinanderfolgenden Versuchstagen deckte das Projektteam die erforderliche Wärmeleistung der Ofenanlage teilweise durch die Einspeisung des gasförmigen Energieträgers ab. Die detaillierte Auswertung der Versuchsdaten pointiert die grundsätzlich hohe Eignung von Wasserstoff für den anspruchsvollen Brennprozess in der Klinkerproduktion. Für die Bereitstellung des Wasserstoffes mittels Lkw-Trailern kooperierte das Unternehmen mit dem Industriegase- und Engineering-Konzern Linde, der für diesen Versuch speziell eine mobile Gas-Entladestation entwickelte. „Wir wollen mit dem Versuch zeigen, dass der Einsatz von sogenanntem grünem Wasserstoff eine mögliche dekarbonisierte Alternative im Brennstoffmix der Zukunft ist“, erklärt Florian Wesenauer, Projektleiter des H₂-Versuchs bei Rohrdorfer.
Trotz des gelungenen technischen Machbarkeitsnachweises stehen dem dauerhaften Einsatz in der industriellen Praxis derzeit noch erhebliche ökonomische Barrieren entgegen. Die Marktpreise für aus erneuerbaren Quellen gewonnenen Wasserstoff verharren weiterhin auf einem Niveau, das eine wirtschaftliche Nutzung in energieintensiven Produktionsprozessen verhindert. „Ein wirtschaftlicher Einsatz ist jedoch momentan nicht absehbar, die Kosten für diesen Wasserstoff sind derzeit noch um ein Vielfaches zu hoch“, stellt Projektleiter Florian Wesenauer im Hinblick auf die derzeitigen Marktbedingungen fest. Wann sich die Beschaffungskosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau einpendeln, bleibt aufgrund externer Marktfaktoren unvorhersehbar.
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