Klimaschutz scheitert am Handeln
Beim KliNa Tag in Wien forderten Experten mehr Tempo und verlässliche politische Regeln.
Rund 120 Fachleute aus Planung, Forschung und Baupraxis versammelten sich am 30. September im TUtheSky der TU Wien zum KliNa Tag 2026. Unter dem Leitthema „Just Do It Green“ analysierten die Teilnehmer wirksame Hebel für Gebäude und Infrastrukturen sowie die notwendigen politischen Leitplanken. Für Planer und Bauherren zeigte sich dabei eine klare Prämisse: Die technischen Instrumente für die Transformation sind längst vorhanden, ihre flächendeckende Skalierung erfolgt jedoch weiterhin zu zögerlich.
Wirtschaftlicher Nutzen statt Rechtfertigungsdruck
Günther Achs, Geschäftsführer von FCP.VCE und Vorsitzender der KliNa-Initiative, thematisierte zum Auftakt den wachsenden Gegenwind für ökologische Maßnahmen. „Der Klimaschutz steht nicht mehr nur unter Rechtfertigungsdruck, er wird in vielen Diskussionen sogar verleugnet“, mahnte Achs. Maßnahmen würden in der Praxis häufig fälschlicherweise als reine Kostenfaktoren statt als zukunftsfähige Investitionen bewertet. „Alle Maßnahmen, die wir nicht jetzt setzen, sondern in die Zukunft verschieben, steigern die Kosten erheblich“, unterstrich der FCP.VCE-Geschäftsführer.
Politische Rahmenbedingungen fordern
Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb nahm in ihrer Keynote die gesetzgeberischen Rahmenbedingungen in die Pflicht und kritisierte kontraproduktive Markteingriffe wie die Spritpreisbremse, die notwendige Transformationsanreize dämpfe. „Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Es braucht verlässliche Regeln, die klimafreundliches Handeln erleichtern, statt Veränderungen durch kurzfristige Eingriffe abzuschwächen“, pointierte Kromp-Kolb. Die Forscherin forderte verbindliche Vorgaben für die Wirtschaft und warnte davor, Technologien wie Carbon Capture and Storage als Vorwand für verzögerte Emissionsreduktionen zu instrumentalisieren. Neben regenerativer Energieerzeugung müssten Suffizienz, gesteigerte Energieeffizienz und absolute Verbrauchssenkungen das Fundament der Planung bilden.
Gesamtstrategie schlägt Einzelmaßnahmen
Die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes veranschaulichte Kromp-Kolb anhand isolierter Gebäudebegrünungen. Zwar schaffen begrünte Fassaden mikroklimatische Kühleffekte im urbanen Raum, sie stoßen jedoch ohne integriertes Wassermanagement in extremen Hitzeperioden rasch an funktionale Grenzen. Für Ingenieure und Architekten verdeutlichte die Fachtagung praxisorientierte Systemlösungen, die vom klimafit gestalteten Brückenbau und Erdwärmekonzepten über fundierte Klimarisikoanalysen bis zu resilienten Entwässerungssystemen reichen. Einzelne bauliche Details entfalten ihre Wirkung demnach erst im Zusammenspiel einer konsequent durchdachten Gesamtstrategie.
Alltagstauglichkeit gegen Routinen
Warum fundiertes Fachwissen dennoch häufig an der praktischen Umsetzung scheitert, beleuchtete die Psychologin Maria Resch. Zeitdruck, etablierte Gewohnheiten und starre Prozesse begünstigen oft das Beharren auf konventionellen Mustern. „Klimaschutz kann nicht davon abhängen, dass Menschen ideale Bedingungen vorfinden – das wären bloße Laborbedingungen“, betonte Resch. Nachhaltige Entscheidungen müssen daher unkompliziert, normiert und ohne bürokratische Hürden in die alltäglichen Planungs- und Bauabläufe integriert werden.
Handlungskompetenz in der Praxis etablieren
In der abschließenden, von Martin Brandner moderierten Podiumsdiskussion festigte sich der Konsens, dass weder singuläre Gesetze noch isolierte bauliche Details die Klimakrise bewältigen können. Notwendig bleibt ein aufeinander abgestimmtes Bündel aus regulatorischer Klarheit, ingenieurtechnischer Innovation und verbindlicher Verantwortungsübernahme. Für die Bau- und Immobilienwirtschaft markiert die Initiative von FCP.VCE damit die Aufforderung, vorhandene Fachkompetenzen unmittelbar in zukunftsfähige Bauprojekte zu überführen.
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