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Badplanung zwischen Kunst und Handwerk

Interview: Borislav Kosanovic

Was braucht es, um einen „Badraum“ in einen „Badtraum“ zu verwandeln? Und wie hat sich der Markt entwickelt? Borislav Kosanovic, NFG Key Account Manager Ost, im Gespräch mit der Building Times.
Interview: Borislav Kosanovi

Building Times: Die Zeiten sind turbulent und herausfordernd wie selten zuvor, der Ukraine-Krieg, der Krieg im Nahen Osten, die wirtschaftliche Schieflage in Österreich, wie geht es dem NFG?


Borislav Kosanovic: Wir sind sehr positiv ins Jahr gestartet. Der Krieg am Persischen Golf ist ein schwerer Dämpfer. Es fühlt sich jetzt fast so an wie während der Corona-Zeiten, als wir laufend mit steigenden Preisen zu kämpfen hatten. Wir liegen aber trotzdem leicht über dem Vorjahr, ich bleibe optimistisch, der Neubau schwächelt weiterhin, aber die Sanierung ist da.

BT: Konzentrieren wir uns auf den Sanitärbereich, wie ist das Jahr 2025 für das NFG verlaufen?

Kosanovic: Wir haben mit einem leichten Plus abgeschlossen. Dieses Wachstum resultiert fast nur aus der Sanierung. Ein großer Hebel waren Armaturen und Keramik, dazugekommen sind außerdem Duschverglasungen.

BT: Gilt das für den Objektbereich wie auch für den privaten?

Kosanovic: Im Privatbereich, bei Einfamilienhäusern, liegt großes Potenzial, wir haben letztes Jahr aber auch sehr schöne, hochwertige Projekte realisiert. Gerade das Premium-Segment entwickelt sich gut. Das freut uns, andererseits muss man dazu „leider“ sagen. Die Schere zwischen der Nachfrage nach Einstiegssortimenten und den gehobenen Sortimenten klafft immer weiter auf. Die Mittelschicht ist sehr, sehr dünn und bröckelt weiter ab.

BT: Und wenn Sie auf die Hotellerie schauen?

Kosanovic: 2026 ist die Nachfrage deutlich geringer, wie ich auch von Kollegen aus dem Westen weiß, die in den klassischen Tourismusgebieten tätig sind. Die Hoteliers stehen auf der Kostenbremse, sie haben extrem zu kämpfen und sparen, sparen, sparen.

BT: Wenn Sie an die einzelnen Produktbereiche denken, gibt es neben den bereits erwähnten Armaturen und der Sanitärkeramik weitere Sparten, die sich besonders gut entwickeln?

Kosanovic: Dusch-WCs sind das Thema, bei Privaten wie auch bei Projekten, wo sie oft schon standardmäßig verbaut werden. Es gibt heute bereits Einstiegsmodelle ab 1.000.- Euro, dieser Bereich entwickelt sich quer durch, bis hin zu den Top-Modellen, sehr gut.

BT: Gibt es weitere Trends?

Kosanovic: Farbe ist ein Riesenthema, sie ist gekommen, um zu bleiben. Bei den Armaturen sind das zum Beispiel Kupfer oder Champagne. Schwarz ist nicht mehr wegzudenken. Farbe geht immer und die Auswahl wird immer größer. Eine Trendfarbe kann ich für 2026 allerdings nicht erkennen. Ein weiterhin sehr wichtiges Thema ist Barrierefreiheit. Und stark nachgefragt sind Wandpaneele. Es ist bei der Sanierung heute nicht mehr nötig, Fliesen herauszureißen, sie verschwinden einfach hinter den Paneelen, das geht schnell, ist sauber und günstig.

BT: Ihr Aufgabengebiet beim NFG liegt in der Betreuung von Planer:innen und Architekt:innen. Inwieweit unterscheiden sich diese Kundengruppen?

Kosanovic: Im Projektgeschäft geht es darum, dem Planer gut und kostengünstig anzubieten, Preis-Leistung ist hier entscheidend. Im klassischen Wohnbau nehmen die Planer nahezu immer dieselben Produkte in die Ausschreibung. Architekten haben ganz andere Ansprüche, da geht es oft fast schon ins Künstlerische. Das Bad ist Teil eines großen Ganzen, das in sich stimmig sein muss. Wir unterstützen durch Bemusterung und erstellen in unseren Schauräumen individuelle Planungskonzepte. Unsere wichtigste Kundengruppe sind aber die Installateure, mit ihnen generieren wir den meisten Umsatz. Ich sehe mich als Schnittstelle – versuche die Vorstellungen von Planern, Architekten und Installateuren unter einen Hut zu bringen und dann die perfekte Lösung zu entwickeln.

BT: Wenn Sie an Planer:innen und Architekt:innen denken, welchen Tipp können Sie geben?

Kosanovic: Es ist essenziell, im Vorfeld alle technischen Fragen abzuklären, der Experte ist der Installateur, auf den man hören muss. Die Zusammenarbeit zwischen Installateuren und Architekten kann herausfordernd sein, sie sprechen unterschiedliche Sprachen. Ich sehe mich da als Mittler, wenn es einmal hakt.

BT: Inwieweit haben sich Badezimmer in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren generell verändert?

Kosanovic: Im Privatbereich werden die Häuser und Bäder immer größer. Zwei bis drei Bäder in der Größe von oft bis zu 12 Quadratmetern in einem Haus sind keine Seltenheit. 2017 ging es bei den Armaturen mit der Farbe los, ich dachte dieser Trend wäre nach zwei, drei Jahren wieder vorbei – er ist aber geblieben.

BT: Und wenn Sie an den Markt im Allgemeinen denken?

Kosanovic: Komplettanbieter sind klar auf dem Vormarsch, vor 15 Jahren waren sie noch die Ausnahme, da gab es Spezialisten für Armaturen, für Keramiken, etc. Das ist eine positive Entwicklung, diese Weiterentwicklung von Seiten der Industrie musste sein. Ein Hersteller stattet das komplette Bad aus, die Elemente harmonieren miteinander, es gibt nur einen Ansprechpartner. Je mehr Hersteller alles abdecken, desto besser. Mit unserem Exklusivlieferanten Vigour spielen wir stark mit.

BT: Besteht dadurch nicht früher oder später die Gefahr der Marktkonzentration auf einige wenige große Global-Player? Bleiben Vielfalt und Individualität nicht auf der Strecke?

Kosanovic: Es ist genug Platz am Markt, auch für Spezialisten, die aber – ganz klar – ihre Nische finden müssen, zum Beispiel in Hinblick auf Design und Qualität, wie zum Beispiel Gessi.

BT: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Netzwerk für Gebäudetechnik (NFG) unterstützt in allen Bereichen der Gebäudetechnik und richtet sich mit seinen Leistungen an Architekt:innen, Planer:innen oder Entscheider:innen in der Bau- und Wohnungswirtschaft.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 13. Mai 2026 - zuletzt bearbeitet am 13. Mai 2026


BF
AutorBarbara Fürst
Tags
armaturen
Sanierung
Bad
Gebäudetechnik
Markt
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