buildingTIMES
Markt & MacherPolitik, Recht & Rahmenbuildingtimes.at
 / Lesezeit 3 min

PV-Branche fordert politische Reaktion auf Krieg

Photovoltaik mit Gegenwind: 2025 wurden um 22 Prozent weniger PV-Leistung installiert als 2024

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben Österreichs Energiemarkt fest im Griff. Der Bundesverband Photovoltaic Austria (PV Austria) und der Energieexperte Christoph Dolna-Gruber (Österreichische Energie Agentur) stellen klar: Öl- und Gaskrisen sind keine einmaligen Ereignisse, sondern systemisch. Auch kleine Länder wie Österreich hätten zahlreiche Hebel in der Hand, um hier vorzusorgen. Allen voran: Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien wie der Photovoltaik (PV). 

Was es aus Sicht von PV Austria braucht:

• ElWG mit Leben füllen – rasche Umsetzung der notwendigen Begleitverordnungen der E-Control, damit die neuen Möglichkeiten des ElWG schnell und umfassend genutzt werden können.
• Umgehender Beschluss des EABG – Abbau bürokratischer Hürden bei PV-Anlagen und Batteriespeichersystemen sowie Vereinheitlichung der Genehmigungsvorschriften in ganz Österreich.
• Speicheroffensive starten – mit klarem Ausbaupfad, gezielten Anreizen und Abbau regulatorischer Hürden, um Photovoltaik und Stromspeicherung optimal miteinander zu verzahnen.

Rückläufiger PV-Ausbau 

Trotz unsicherer Rahmenbedingungen ist der PV-Ausbau nicht zum Erliegen gekommen: So wurden im vergangen Jahr österreichweit 62.300 neue PV-Anlagen in Betrieb genommen, was einer zusätzlichen Gesamtleistung von 1,6 Gigawatt entspricht. Nach den Rekordausbaujahren bedeutet dies jedoch einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt werden jährlich rund 9,8 Terrawattstunden (TWh) Strom von PV-Anlagen erzeugt – das entspricht 15 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs.

Zubauziele wären erreichbar

Die Zubauziele von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 gemäß Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) sind ambitioniert, aber eindeutig erreichbar – vorausgesetzt, die notwendigen Rahmenbedingungen würden konsequent geschaffen. Die intelligente Kombination aus PV und Stromspeicherung ermöglicht eine unabhängige und kostengünstigere Stromversorgung, stärkt die unmittelbare Bürgerbeteiligung und führt zu direkten Entlastungen bei den Stromkosten. Durch die zunehmende Elektrifizierung trägt sie zudem zur Entlastung der Stromnetze bei. Entscheidend ist, Stromverbrauch und -erzeugung besser aufeinander abzustimmen: „Die Kombination aus PV-Anlage und Stromspeicher ist unschlagbar.“ schlussfolgert Immitzer. „Photovoltaik leistet seit 30 Jahren ihren Beitrag zur Versorgungsicherheit in Österreich. Um dies auch weiterhin erfüllen zu können, braucht es jetzt angepasste Rahmenbedingungen. Die PV-Branche ist bereit dieses Kapitel im Schulterschluss mit der Politik zu begehen.“

Keine Unabhängigkeit ohne PV- und Speicher

Die Österreichische Energieagentur stuft die Bedeutung von PV und Stromspeicherung als unverzichtbar für eine umgehende Reduktion ausländischer Abhängigkeiten ein. „Öl, Kohle, Gas – Wir haben uns in der Vergangenheit angewöhnt, unsere Energieversorgung an andere Länder auszulagern. Wir haben damit auch die Kontrolle abgegeben, das bekommen wir aktuell wieder zu spüren“, fasst Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur die aktuelle Situation zusammen.
Die wirtschaftliche Komponente der PV und Stromspeicherung in der Energieversorgung ist weitreichend:
• Ist eine PV-Anlage erst mal installiert, stellt sie die Versorgung über Jahrzehnte sicher.
• Photovoltaik wirkt wie ein direkter Dämpfer auf den Strompreis am Großhandelsmarkt.

Jetzt geht es um das nächste Level – eine Systemperspektive und die Verschränkung von Stromproduktion mit Stromspeicherung, Wärme und Mobilität. „Wenn man es einfach sagen möchte: Wer ein Elektroauto hat, ist unabhängig von den Treibstoffpreisen. Wer ein Elektroauto und eine PV-Anlage hat, dem gehen zu einem großen Teil auch Strompreisentwicklungen nicht nahe“, so Dolna-Gruber.

Flexibilität als Systemstandard

An PV und Stromspeichern als integrierte Systemlösung führt kein Weg vorbei: „Photovoltaik ist ausschlaggebend für Unabhängigkeit bei Strom, Wärme und Mobilität. Dazu brauchen wir jetzt eine echte Speicheroffensive, die PV die notwendige Flexibilität für das Energiesystem verleiht und gleichzeitig die Effizienz des Stromnetzes deutlich steigert“, so Christoph Mair, seit Februar Vorstandsmitglied von PV Austria und Bereichsleiter MEA Solar bei eww Anlagentechnik GmbH. Österreich brauche eine Strommarkt- und Netzlogik, die flexible Erzeugung und Nutzung belohnt. Neben der direkten Nutzung und Speicherung von PV-Strom an Ort und Stelle geht es auch darum, Strom gezielt einzuspeisen und entnehmen zu können, wenn das Stromnetz dies erfordert. Dafür müssen entsprechend flexible Strom- und Netztarife angeboten werden.
Genau hier setzen moderne Stromspeicher als zentraler Baustein an: „Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem Stromspeicher gebaut“, berichtet Mair. Speicher wirken auf allen Einsatzebenen und machen den zuvor beschriebenen Systemansatz greifbar.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 26. März 2026 - zuletzt bearbeitet am 26. März 2026


FA
AutorFranz Artner
Tags
Photovoltaik
PV-Anlage
Markt
buildingTIMES
Informiert bleiben.

Treffen Sie eine Selektion unserer Newsletter zu buildingTIMES, immoflash, Immobilien Magazin, immo7news, immojobs, immotermin oder dem Morgenjournal

Jetzt anmelden

© Cachalot Media House GmbH - Alle Rechte vorbehalten