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Geothermie ohne Wärmepumpe

Ein geschlossenes System bringt tiefe Erdwärme ohne Wärmepumpen direkt an die Oberfläche.

An der Forschungsanlage des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Groß Schönebeck hat das dänische Unternehmen Green Therma seine geschlossene Tiefengeothermie-Technologie erstmals unter realen Bedingungen in Betrieb genommen. Bei dem Test zirkuliert Wasser durch ein versiegeltes System, das Erdwärme aus mehr als drei Kilometern Tiefe an die Oberfläche befördert. Die dabei erreichten Temperaturen erlauben eine direkte Nutzung der Wärmeenergie.

Das Verfahren nutzt eine spezielle Vakuumisolierung, um Temperaturverluste beim Aufstieg zu minimieren. Anders als bei herkömmlichen Geothermie-Anlagen ist kein natürliches Heißwasservorkommen im Untergrund erforderlich. Es wird weder Tiefenwasser gefördert noch wieder verpresst, da das Prozesswasser vollständig in einem geschlossenen Kreislauf verbleibt.

Damit lässt sich Tiefengeothermie künftig auch an Standorten realisieren, die bisher geologisch ungeeignet schienen. Das Potenzial liegt vor allem in einer stabilen Grundlastversorgung für Ballungsräume und Industriegebiete. Jørgen Peter Rasmussen, Gründer und Unternehmenschef von Green Therma, betonte, dass die Wärme direkt unter den Füßen liege und nun rund um die Uhr bei sehr geringem Stromverbrauch sowie ohne den Einsatz zusätzlicher Wärmepumpen nutzbar gemacht werden könne. In Groß Schönebeck sollen die laufenden Tests weitere Daten zur Langzeitstabilität und Wärmeausbeute unter variierenden Betriebsbedingungen liefern.

Hannes Hofmann vom GFZ erklärte, die Zirkulation im Realmaßstab liefere essenzielle Daten zur Beurteilung geschlossener Systeme. Auch Ingo Sass, Leiter der Sektion Geoenergie am GFZ, sieht in den Messungen die Grundlage, um theoretische Modelle zu überprüfen und neue Geothermie-Konzepte zur Anwendungsreife zu führen. Der kommerzielle Einsatz der Technologie ist bereits in Vorbereitung. Gemeinsam mit dem dänischen Versorger Aalborg Forsyning plant Green Therma die Einspeisung gewonnener Tiefenwärme in ein städtisches Fernwärmenetz. Die Bohrarbeiten für das auf 30 Jahre ausgelegte Großprojekt sollen Anfang 2027 anlaufen.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. September 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. September 2026


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