Erdaushub für Ziegelproduktion
Die Porr führt tonhaltigen Aushub aus Großbaustellen direkt der Ziegelindustrie zu.
Erdaushub macht mit 57 Prozent den größten Anteil des gesamten Abfallaufkommens in Österreich aus. Bislang wird das mineralische Material überwiegend auf Deponien verbracht oder für einfache Geländeschüttungen und Bankette herangezogen. Der Baukonzern Porr forciert nun Verfahren, um tonhaltige Bodenschichten aus städtischen Großbauvorhaben systematisch im Kreislauf zu halten. „Noch wird zu wenig gemacht, um den Erdaushub, der grundsätzlich ein großes Potenzial in sich birgt, wieder in den Kreislauf zu integrieren“, erklärt Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr.
Zwei Millionen Wandziegel aus Favoritner Ton
Wie die industrielle Weiterverwertung in der Praxis greift, demonstrierte die Konzerntochter Koller Erdbau bei der Zentralen Notaufnahme der Klinik Favoriten. Im Auftrag des Wiener Gesundheitsverbundes hob das Unternehmen eine 10.500 Quadratmeter große Baugrube aus und sicherte bis Ende August 14.275 Tonnen tonreiches Material. Rund 13.300 Tonnen davon übernahm der Baustoffhersteller Wienerberger für sein Werk Hennersdorf zur Fertigung von rund zwei Millionen Wandziegeln. Weitere 975 Tonnen wurden zur Weiterverarbeitung an das Ziegelwerk Lizzi im niederösterreichischen Bad Erlach geliefert.
Fünfstellige Tonnagen beim Wiener U-Bahn-Ausbau
Parallel dazu erschloss das Unternehmen den Ausbau des Wiener U-Bahn-Netzes als verlässliche Rohstoffquelle für die Ziegelproduktion. Nach eingehenden Laboranalysen und materialtechnischen Produktionsversuchen konnte auch hier tonreiches Aushubmaterial in die Werksfertigung von Wienerberger und Lizzi eingeschleust werden. Das Projekt überführte eine fünfstellige Tonnage an Aushubmassen in marktfähige Ziegelprodukte. Für Auftraggeber und Planer verringern solche Schließungen von Stoffströmen spürbar den Deponiebedarf und entlasten zugleich die Entsorgungsbudgets.
Systematische Materialtrennung direkt vor Ort
Die Initiative ist Teil der Zirkularitätsstrategie 2030, mit der die Porr Primärrohstoffe einsparen und Entsorgungsvolumina minimieren will. „Hier setzen wir an, um systematisch dafür zu sorgen, dass aus Aushub ein Wertstoff wird“, bekräftigt Strauss die Ausrichtung. Dies erfordere jedoch eine lückenlose Qualitätskontrolle bereits im Aushubstadium. „Wir wollen gerade bei Großprojekten eine Systematik einführen, damit das Recycling von Abbruchmaterial und Erdaushub zur Norm statt zur Ausnahme wird“, pointiert der Porr-CEO.
Schlüsselrolle für die Baustellenlogistik
Das Zusammenspiel von Aushub, Logistik und Verwertung bündelt die Porr Umwelttechnik mit spezialisierten Einheiten über den gesamten Entsorgungsweg hinweg. Abhängig von den bodenphysikalischen Parametern dient der mineralische Aushub als Dichtungsmaterial, Recyclingbaustoff, Betonzuschlag oder keramischer Rohstoff. Für Planer und Bauherren markiert diese integrierte Baustellenlogistik einen zukunftsweisenden Standard, um den CO2-Fußabdruck großer Infrastrukturmaßnahmen nachweisbar zu reduzieren.
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