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Dialogforum gegen bürokratische Hürden

Austrian Standards will mit einem Dialogforum unnötige Bürokratie abbauen.

Wie lassen sich Standards in der Praxis einfacher, wirkungsorientierter und anwenderfreundlicher gestalten? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat die österreichische Standardisierungsorganisation Austrian Standards das Dialogforum „Gemeinsam vereinfachen“ ins Leben gerufen, das am 24. September offiziell in seine operative Arbeitsphase gestartet ist. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Analyse konkreter Belastungen aus dem Alltag von Unternehmen und Institutionen. Ziel ist es, Ursachen unnötiger Komplexität zu identifizieren und dort praxisnahe Lösungen zu entwickeln, wo tatsächlicher Handlungsspielraum besteht. Rückendeckung erhält das Vorhaben von der Politik. Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus, hob die Relevanz klarer Regeln für den Standort hervor: „Ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort braucht einfache, verständliche und treffsichere Rahmenbedingungen. Vereinfachung und Deregulierungen gelingen dort am besten, wo konkrete Probleme aus der Praxis auf den Tisch kommen und gemeinsam mit den Betroffenen an Lösungen gearbeitet wird.“ Das Dialogforum bringe Wirtschaft, Verwaltung und weitere zentrale Akteure zusammen, um Potenziale zu heben und umsetzbare Schritte abzuleiten. Solche Initiativen verdienten daher volle Unterstützung.

Auf Basis zahlreicher Rückmeldungen von Stakeholdern wurden für den Prozess vier konkrete Arbeitsschwerpunkte festgelegt. Eine erste Arbeitsgruppe widmet sich dem generellen Bedarf, Nutzen und der Wirkung von Normung unter dem Leitsatz: Nicht mehr Standards, sondern die richtigen – effizient, wirkungsorientiert und zum passenden Zeitpunkt.
Der zweite Schwerpunkt analysiert Verweistechniken, Schutzziele und Gleichwertigkeit, um rechtssichere Spielräume für alternative, gleichwertige Lösungen zu schaffen. Eine dritte Gruppe nimmt die praktische Anwendung unter die Lupe, um Widersprüche zu benachbarten Regelwerken aufzulösen und die Verhältnismäßigkeit zu sichern. Das vierte Handlungsfeld zielt auf einen verbesserten Zugang zu Standards, zielgerichtete Services sowie die Stärkung von Normenkompetenz ab, die bereits in der Ausbildung verankert werden soll. Für Valerie Höllinger, CEO von Austrian Standards, steht eine ehrliche und ergebnisoffene Herangehensweise im Vordergrund. „Wenn wir wirklich vereinfachen wollen, müssen wir genau hinschauen: Wo entsteht unnötige Komplexität, wo stehen Aufwand und Nutzen nicht mehr im richtigen Verhältnis – und wer kann tatsächlich etwas verändern? Dabei nehmen wir ausdrücklich auch Austrian Standards selbst in den Blick“, betont Höllinger. Erfolg bemesse sich nicht daran, wie viele Standards gestrichen werden, sondern ob konkrete Probleme gelöst werden. Standardisierung lebe genau davon, dass Menschen unterschiedlichster Fachbereiche ihr Wissen einbringen, um tragfähige Lösungen zu schaffen. Ein zentrales Ergebnis der ersten Beratungen ist die nötige Differenzierung der Belastungsursachen. Denn nicht jede wahrgenommene Vorgabe ist ein technischer Standard. Häufig rühren bürokratische Hürden vielmehr aus Gesetzen, Verordnungen, OIB-Richtlinien, Förderauflagen oder vertraglichen Klauseln her. Je nach Ursprung müssen daher unterschiedliche Hebel angesetzt werden: Liegt ein Problem im Bereich nationaler Standards, fließen die Ergebnisse in die zuständigen Fachkomitees ein. Betrifft es den Zugang oder die Dienstleistungen, nutzt Austrian Standards die Impulse direkt für den laufenden eigenen Transformationsprozess zur nutzerorientierten Neuausrichtung. Liegen die Ursachen außerhalb des Normungswesens, sollen die zuständigen Stellen und Reformoptionen klar benannt werden.

Die Arbeitsgruppen werden die Themen in den kommenden zwölf Monaten intensiv vertiefen und bei Bedarf zusätzliche Fachleute hinzuziehen. Das nächste Plenum, bei dem Erkenntnisse und weitere Umsetzungsschritte vorgestellt werden sollen, ist für Ende 2026 angesetzt. Die ökonomische Bedeutung von Standards für Österreich ist erheblich: Rund 20 Prozent des realen heimischen BIP-Wachstums – rund eine Milliarde Euro pro Jahr – lassen sich auf Standardisierungen zurückführen. Zudem tragen Standards zu etwa 30 Prozent des Arbeitsproduktivitätswachstums bei und generieren ein Beschäftigungswachstum von jährlich rund 1.500 Vollzeitäquivalenten.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. September 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. September 2026


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