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Dem Wasser auf der Spur
Wasser Marsch
Brücken, Kraftwerke, Netze: Die Architekturtage 2026 machten mit einem vielfältigen Programm das erlebbar, was uns im Alltag verbindet. Die Building Times war dabei dem Wiener Wasser auf der Spur: Wasser als Lebensmittel Nummer 1, Wasser als Grundlage zukunftsweisender Forschung.
Die Architekturtage – Festival für Baukultur und Ingenieurtechnik starteten 2026 in die 13. Ausgabe. Ende Mai öffneten Infrastrukturbauten von Vorarlberg bis ins Burgenland ihre Türen. Zehn Architekturinstitutionen luden österreichweit zu Exkursionen, Bus- und Fahrradtouren, Ausstellungen, Open Studios u.v.m.
Wasser: Lebensmittel Nummer 1
Wien wird flächendeckend mit bestem Trinkwasser versorgt und das bereits seit mehr als hundert Jahren. Schon im Jahr 1864 fasste der Wiener Gemeinderat den Beschluss zum Bau der I. Wiener Hochquellenleitung. Treibende Kraft war der Geologe und Politiker Eduard Suess, der als Schöpfer des Projektes gilt. 1869 bis 1873 wurde ein 90 km langer Leitungskanal von der Kaiserbrunnquelle auf der Rax zu den Verteilungsrohrnetzen in Wien gebaut. Das Quellwasser fließt in einem Freispiegelkanal, teilweise in bergmännischen oder gemauerten Stollen. Talquerungen wurden mittels Aquädukten überwunden. Heute ist die I. Hochquellenleitung 150 km lang. Die Lieferleistung konnte von ursprünglich 138.000 m³ Wasser pro Tag auf 220.000 m³ gesteigert werden.
Das rasante Ansteigen der Bevölkerungszahlen in Wien nach 1890 machte es notwendig, neue Wasserreserven zu erschließen. Im Jahr 1900 beschloss der Wiener Gemeinderat auf Initiative von Bürgermeister Karl Lueger, eine zweite Hochquellenleitung zu errichten. 100 Aquädukte und 19 Düker mit Längen bis zu 1,7 km mussten zur Über- bzw. Unterquerung von Flüssen und Tälern errichtet werden, um das Wasser vom Hochschwabgebiet nach Wien zu bringen. Die II. Hochquellenleitung liefert heute über eine Entfernung von 180 km in ca. 36 Stunden täglich bis zu 217.000 m³ Wasser nach Wien.
Ein Speicher als Wahrzeichen
Von den Endpunkten der Hochquellenleitungen gelangt das Wasser zu insgesamt 30 Wasserbehältern, einer davon befindet sich im 10. Wiener Gemeindebezirk. Die Architekturtage 2026 boten die Gelegenheit zur Besichtigung des modernen Speichers, genauso wie des historischen Wasserturms, der als Wahrzeichen am Wienerberg weit sichtbar ist. Der Wasserbehälter am Wienerberg versorgt den 1., 4., 5., 6. und 9. Bezirk sowie Teile des 7. und 8. Bezirks mit Hochquellwasser aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen. Der ursprüngliche Wasserbehälter Wienerberg wurde 1873 fertig gestellt und bis 1895 erweitert. Seine Speicherkapazität betrug 33 Millionen Liter. Seit der Sanierung, die 2010 abgeschlossen wurde, hat der Wasserbehälter ein Fassungsvermögen von über 42 Millionen Litern. Der Neubau des Wasserbehälters Wienerberg erfolgte unter laufendem Betrieb. Potyka & Partner zeichneten für die konstruktive Planung verantwortlich. Die alte Konstruktion der Wasserbehälter, bestehend aus gemauerten Kreuzgratgewölben, die auf Stützen lagerten, musste abgebrochen werden und wurde durch eine moderne Stahlbetonkonstruktion in „Weißer-Wanne“ Qualität ersetzt. Dadurch konnte das Fassungsvermögen von bisher ca. 30.000 m³ auf 41.500 m³ erhöht werden. Die neue Konstruktion erfüllt alle Anforderungen hinsichtlich Dichtigkeit und Hygiene und ermöglicht es, den hohen Standard der Trinkwasserversorgung in Wien auch in den kommenden Jahrzehnten aufrechtzuerhalten. Die Errichtung der zwei neuen Wasserkammern erfolgte nacheinander. Während der Errichtung der ersten Kammer blieben Teile der bestehenden Kammern in Betrieb, um die Trinkwasserversorgung für die Wiener Haushalte auch während der Bauzeit sicherzustellen. Nach Fertigstellung der ersten Wasserkammer wurde die Wasserversorgung auf die neue Kammer umgestellt und die zweite Kammer nach Abbruch des Bestandes errichtet. Zwischen den beiden Wasserkammern wurde eine Schiebekammer errichtet. Im Endzustand wurden die beiden Wasserbehälter mit Erde von ca. 1,5 m Höhe überschüttet und die Oberfläche als Wasserpark gestaltet.
Die Lebensgrundlage Wasser in der Forschung
Wien gilt für viele Städte nicht nur in Hinsicht auf seine Trinkwasserqualität als beispielgebend. Auch als Zentrum für zukunftsweisende Forschung macht sich die Stadt einen Namen. Bestes Beispiel dafür ist das Wasserbaulabor der BOKU in Wien Nussdorf, das im Rahmen der Architekturtage 2026 besichtigt werden konnte. Herzstück des Labors ist der unter dem Wasserspiegel liegende „Main Channel“. Durch die 90 Meter lange, 25 Meter breite und 14 Meter hohe Halle können bis zu 10.000 Liter Donauwasser pro Sekunde geleitet werden. Modellversuche im Maßstab bis zu 1:1 bringen das Verständnis für die Nutzung und den Schutz von Flüssen erheblich voran. Die Einrichtung ermöglicht sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung. Die Forschungsthemen umfassen die Bewegung von Wasser und Sedimenten, die Ökologie und Nutzung von Fließgewässern (Maßnahmen), das Hochwasserrisikomanagement (von Überflutungsflächen bis hin zu mobilem Hochwasserschutz), den Fluss(rück)bau mit einem Schwerpunkt auf dem Feststoffhaushalt, erneuerbare Energien (nachhaltige Wasserkraft), die Wasserstraßenforschung sowie das Niederwassermanagement bei Trockenheit im Kontext des Klimawandels. Der Wasserspiegelunterschied von drei Metern zwischen der Donau und dem Donaukanal ermöglicht es, das Wasser ohne den Einsatz von Pumpen und somit ohne Fremdenergie durch das Labor zu leiten. Auf einer Gesamtfläche von 12.300 m² vereint das Gebäude Lehre und Forschung in vielfältigen Nutzungsbereichen: ein Hörsaal und ein Seminarraum für rund 200 Studierende, zwei Großlaborflächen (Main Channel und River Lab) mit insgesamt 3.500 m², ein Public Lab mit 400 m², ein Outdoor Lab, Speziallabore, Sitzungsräume und eine Bibliothek. Darüber hinaus bietet der Bürotrakt auf drei Stockwerken Arbeitsplätze für 100 Personen.
Innovatives Tiefbaukonzept
ATP architekten ingenieure zeichnet in ARGE mit iC Consulenten für die Planung des Projektes verantwortlich. Eine besondere Herausforderung war der Spezialtiefbau des teilweise unterirdischen Labors. Aufgrund des Wassergewichts, der Masse an Sedimenten und des lockeren Untergrunds waren zahlreiche Maßnahmen wie Schlitzwände, Niederdruckinjektionen zur Bodenstabilisierung sowie Wasserhaltungsmaßnahmen notwendig. Ein komplexes System aus Stahlbeton sowie konstruktivem Stahl- und Holzbau trägt nun das Gebäude. Über energieaktivierte Bohrpfähle und über die Betonkernaktivierung in den Schlitzwänden wird über das Tragwerk Erdwärme für Heizung und Kühlung genutzt.
Wasser: Lebensmittel Nummer 1
Wien wird flächendeckend mit bestem Trinkwasser versorgt und das bereits seit mehr als hundert Jahren. Schon im Jahr 1864 fasste der Wiener Gemeinderat den Beschluss zum Bau der I. Wiener Hochquellenleitung. Treibende Kraft war der Geologe und Politiker Eduard Suess, der als Schöpfer des Projektes gilt. 1869 bis 1873 wurde ein 90 km langer Leitungskanal von der Kaiserbrunnquelle auf der Rax zu den Verteilungsrohrnetzen in Wien gebaut. Das Quellwasser fließt in einem Freispiegelkanal, teilweise in bergmännischen oder gemauerten Stollen. Talquerungen wurden mittels Aquädukten überwunden. Heute ist die I. Hochquellenleitung 150 km lang. Die Lieferleistung konnte von ursprünglich 138.000 m³ Wasser pro Tag auf 220.000 m³ gesteigert werden.
Das rasante Ansteigen der Bevölkerungszahlen in Wien nach 1890 machte es notwendig, neue Wasserreserven zu erschließen. Im Jahr 1900 beschloss der Wiener Gemeinderat auf Initiative von Bürgermeister Karl Lueger, eine zweite Hochquellenleitung zu errichten. 100 Aquädukte und 19 Düker mit Längen bis zu 1,7 km mussten zur Über- bzw. Unterquerung von Flüssen und Tälern errichtet werden, um das Wasser vom Hochschwabgebiet nach Wien zu bringen. Die II. Hochquellenleitung liefert heute über eine Entfernung von 180 km in ca. 36 Stunden täglich bis zu 217.000 m³ Wasser nach Wien.
Ein Speicher als Wahrzeichen
Von den Endpunkten der Hochquellenleitungen gelangt das Wasser zu insgesamt 30 Wasserbehältern, einer davon befindet sich im 10. Wiener Gemeindebezirk. Die Architekturtage 2026 boten die Gelegenheit zur Besichtigung des modernen Speichers, genauso wie des historischen Wasserturms, der als Wahrzeichen am Wienerberg weit sichtbar ist. Der Wasserbehälter am Wienerberg versorgt den 1., 4., 5., 6. und 9. Bezirk sowie Teile des 7. und 8. Bezirks mit Hochquellwasser aus den niederösterreichischen und steirischen Alpen. Der ursprüngliche Wasserbehälter Wienerberg wurde 1873 fertig gestellt und bis 1895 erweitert. Seine Speicherkapazität betrug 33 Millionen Liter. Seit der Sanierung, die 2010 abgeschlossen wurde, hat der Wasserbehälter ein Fassungsvermögen von über 42 Millionen Litern. Der Neubau des Wasserbehälters Wienerberg erfolgte unter laufendem Betrieb. Potyka & Partner zeichneten für die konstruktive Planung verantwortlich. Die alte Konstruktion der Wasserbehälter, bestehend aus gemauerten Kreuzgratgewölben, die auf Stützen lagerten, musste abgebrochen werden und wurde durch eine moderne Stahlbetonkonstruktion in „Weißer-Wanne“ Qualität ersetzt. Dadurch konnte das Fassungsvermögen von bisher ca. 30.000 m³ auf 41.500 m³ erhöht werden. Die neue Konstruktion erfüllt alle Anforderungen hinsichtlich Dichtigkeit und Hygiene und ermöglicht es, den hohen Standard der Trinkwasserversorgung in Wien auch in den kommenden Jahrzehnten aufrechtzuerhalten. Die Errichtung der zwei neuen Wasserkammern erfolgte nacheinander. Während der Errichtung der ersten Kammer blieben Teile der bestehenden Kammern in Betrieb, um die Trinkwasserversorgung für die Wiener Haushalte auch während der Bauzeit sicherzustellen. Nach Fertigstellung der ersten Wasserkammer wurde die Wasserversorgung auf die neue Kammer umgestellt und die zweite Kammer nach Abbruch des Bestandes errichtet. Zwischen den beiden Wasserkammern wurde eine Schiebekammer errichtet. Im Endzustand wurden die beiden Wasserbehälter mit Erde von ca. 1,5 m Höhe überschüttet und die Oberfläche als Wasserpark gestaltet.
Die Lebensgrundlage Wasser in der Forschung
Wien gilt für viele Städte nicht nur in Hinsicht auf seine Trinkwasserqualität als beispielgebend. Auch als Zentrum für zukunftsweisende Forschung macht sich die Stadt einen Namen. Bestes Beispiel dafür ist das Wasserbaulabor der BOKU in Wien Nussdorf, das im Rahmen der Architekturtage 2026 besichtigt werden konnte. Herzstück des Labors ist der unter dem Wasserspiegel liegende „Main Channel“. Durch die 90 Meter lange, 25 Meter breite und 14 Meter hohe Halle können bis zu 10.000 Liter Donauwasser pro Sekunde geleitet werden. Modellversuche im Maßstab bis zu 1:1 bringen das Verständnis für die Nutzung und den Schutz von Flüssen erheblich voran. Die Einrichtung ermöglicht sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung. Die Forschungsthemen umfassen die Bewegung von Wasser und Sedimenten, die Ökologie und Nutzung von Fließgewässern (Maßnahmen), das Hochwasserrisikomanagement (von Überflutungsflächen bis hin zu mobilem Hochwasserschutz), den Fluss(rück)bau mit einem Schwerpunkt auf dem Feststoffhaushalt, erneuerbare Energien (nachhaltige Wasserkraft), die Wasserstraßenforschung sowie das Niederwassermanagement bei Trockenheit im Kontext des Klimawandels. Der Wasserspiegelunterschied von drei Metern zwischen der Donau und dem Donaukanal ermöglicht es, das Wasser ohne den Einsatz von Pumpen und somit ohne Fremdenergie durch das Labor zu leiten. Auf einer Gesamtfläche von 12.300 m² vereint das Gebäude Lehre und Forschung in vielfältigen Nutzungsbereichen: ein Hörsaal und ein Seminarraum für rund 200 Studierende, zwei Großlaborflächen (Main Channel und River Lab) mit insgesamt 3.500 m², ein Public Lab mit 400 m², ein Outdoor Lab, Speziallabore, Sitzungsräume und eine Bibliothek. Darüber hinaus bietet der Bürotrakt auf drei Stockwerken Arbeitsplätze für 100 Personen.
Innovatives Tiefbaukonzept
ATP architekten ingenieure zeichnet in ARGE mit iC Consulenten für die Planung des Projektes verantwortlich. Eine besondere Herausforderung war der Spezialtiefbau des teilweise unterirdischen Labors. Aufgrund des Wassergewichts, der Masse an Sedimenten und des lockeren Untergrunds waren zahlreiche Maßnahmen wie Schlitzwände, Niederdruckinjektionen zur Bodenstabilisierung sowie Wasserhaltungsmaßnahmen notwendig. Ein komplexes System aus Stahlbeton sowie konstruktivem Stahl- und Holzbau trägt nun das Gebäude. Über energieaktivierte Bohrpfähle und über die Betonkernaktivierung in den Schlitzwänden wird über das Tragwerk Erdwärme für Heizung und Kühlung genutzt.
BF
AutorBarbara Fürst
Tags
Wasser
Wienerberg
Wassertechnik
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