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Das klimafitte WELLNESSHOTEL

Gebäude & Technik

Das Hotel Guglwald im Mühlviertel wird seit 2024 fossilfrei betrieben. Ergänzend zur Umstellung auf Biomasse und Ökostrom wurden die Energieflüsse im Komplex optimiert, was die Effizienz des Hauses deutlich erhöht hat.
Rund eine Autostunde nördlich von Linz in der Marktgemeinde Vorderweißenbach liegt der kleine Ort Guglwald. Das dortige 4-Stern-Superior-Wellnesshotel heißt auch Guglwald und bietet mit seinen 70 Zimmern und Suiten mehr Betten als der Ort Einwohner:innen zählt. Das Hotel ist ein besonderer Ort, an dem gehobene Gastlichkeit, Ruhe und Entspannung mit Wellness und Natur kombiniert werden. Die Gegend lädt zum Wandern, Durchatmen und Radfahren ein, der Slogan des Hauses selbst lautet „Slow Wellness“.

Begonnen hat die Geschichte des Hotels 1963. Damals wurde auf einem Bauernhof ein Grenzgasthaus eröffnet. Später kamen Zimmer hinzu, und im Lauf der Jahrzehnte wuchs die Anlage durch Zubauten zu dem, was sie heute ist. Die letzte größere Erweiterung fand 2019 statt. Damals wurde auch der Wellnessbereich auf nunmehr 4.200 m² Fläche erweitert, womit auch das hauseigene Biomasse-Heizkraftwerk an seine Grenzen gekommen war.

Der erhöhte Wärmebedarf wurde damals mit einem Ölkessel gedeckt, was sich als ineffizient und teuer herausstellte. „Mit dem Ölkessel haben wir Energie produziert, die wir nicht gebraucht haben“, erklärt der Chef des Hauses, Alexander Pilsl. Nur wenige Jahre später wurde deshalb das Heizhaus mit einem zweiten Biomassekessel ausgestattet. Der Biomasse-Brennstoff kommt von einem lokalen Lieferanten, womit man nicht den Launen des Weltmarktes ausgeliefert sei, wie Pilsl betont. Seit dem Umstieg werden pro Jahr rund 25.000 Liter Heizöl gespart, womit der Hotelbetrieb nun fossilfrei erfolgt. Die elektrische Energie kommt von einem Ökostromanbieter und teilweise aus der hauseigenen Photovoltaikanlage.

Energiefluss-Update

Auf Anregung eines Gastes wurde die Gebäudetechnik einem Update unterzogen. An dieser Stelle kommt Belimo ins Spiel. Techniker des Herstellers haben zu Beginn die Energieströme im gesamten Ensemble gemessen und die hydraulischen Schwachstellen im System eruiert. Danach wurde in Absprache mit dem Kunden und der langjährigen Haustechnikfirma der Energiefluss durch die Installation von neun Energy Valves optimiert. Diese Optimierung ermöglichte im Anschluss die Außerbetriebsetzung des Ölkessels. „Die Heizung ist wie ein menschlicher Körper: Wenn die Pumpen die Energie dorthin transportieren, wo sie gebraucht wird, gibt es keinen Engpass“, so Harald Kreuter. Er ist Projekt- und Planerbetreuer bei der Belimo Automation Handelsgesellschaft m.b.H und kennt die Anlage im Hotel inzwischen recht gut. Die Energy Valves messen den Durchfluss im Hotel mithilfe von Ultraschall inzwischen seit 13 Monaten. Um Anlagen dieser Größe zu optimieren, braucht es mehrere Zyklen. „Ein System ist dann perfekt eingestellt, wenn es keinen Mangel und keinen Überfluss gibt“, betont Kreuter. Derzeit betragen die Energieeinsparungen im Hotel Guglwald 12 Prozent, eine weitere Steigerung sei absehbar, so der Experte. Extrem kurz sei die Amortisationszeit der Installation, die bei weniger als einem Jahr liege, wie Kreuter betont.

Rundum zufrieden ist auch der vor Ort verantwortliche Haustechniker Walter Simader. Er ist seit der Installation der Energy Valves in der Lage, die Anlage digital über eine Gebäudeleittechnik-Zentrale von Caverion zu überwachen, und muss nicht in die Haustechnikräume gehen, um den Zustand der Anlage zu überprüfen. Neben dem Komfort für die Gäste ist also auch sein Wohlbefinden gestiegen.

Wichtig ist in einem gehobenen Hotel, dass der Gast nichts merkt und der Komfort uneingeschränkt geboten wird. Das war auch der Grund, warum der Hoteleigentümer zu Beginn des Prozesses skeptisch war, was die prognostizierten Einsparungen betrifft. „Deshalb haben wir mit unserem Tool normenbasiert dargelegt, dass es Einsparungen gibt. Die sind dann auch eingetreten“, betont der Belimo-Vertriebsleiter Jürgen Obmauer. Er möchte andere Hoteliers dazu animieren, ihre Anlagen ebenfalls einer Analyse zu unterziehen. „Das Gold liegt in den Heizzentralen. Wir haben uns die Potenziale in einigen Hotels angesehen. 20 Prozent Einsparungen auf der Heizungsseite sind so gut wie überall möglich“.

Der Hotelier Pilsl kann sich diesem Appell nur anschließen. Sein Haus habe mit dem Umstieg auf Biomasse und dem Update mit Technik von Belimo einen entscheidenden Schritt in Sachen Nachhaltigkeit getan, betont er.

„Heizung ist Herzstück“
Guglwald-Geschäftsführer Alexander Pilsl über Komfort, Nachhaltigkeit und die Zukunft im Hotelbetrieb.

Interview | Alexander Pilsl

Building Times: Was bedeutet Komfort für Ihre Gäste – und für Sie persönlich?

Alexander Pilsl: Komfort ist sehr vielseitig. Einerseits betrifft er die Ausstattung – also Zimmer, Interior und den Wellnessbereich. Andererseits geht es um den Wohlfühlfaktor: die Stimmung im Haus, die Freundlichkeit der Mitarbeitenden und die Atmosphäre. Vieles davon kann man nicht kaufen, man muss es spüren.

BT: Was dürfen Gäste in Bezug auf Komfort auf keinen Fall bemerken?

Pilsl: Den Aufwand im Hintergrund. Ein Hotel muss immer top in Schuss sein. Wir investieren laufend und oft früher, als es der Gast erwarten würde. Idealerweise merkt er gar nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt.

BT: Wie sieht ein typischer Alltag im Hotel aus?

Pilsl: Der Betrieb läuft praktisch rund um die Uhr. Während die Gäste noch schlafen, beginnen Reinigung und Vorbereitung. Küche, Service und Rezeption greifen ineinander. Viel passiert im Hintergrund, sodass der Gast davon möglichst wenig mitbekommt. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf unser „Slow Wellness“-Konzept – also Ruhe und Entschleunigung.

BT: Welche Rolle spielen Energiekosten bei der Preisgestaltung?

Pilsl: Eine sehr große. Früher waren sie stabiler, heute schwanken sie stark. Deshalb arbeiten wir mit dynamischer Preisgestaltung und achten gleichzeitig darauf, unsere Preise fair zu halten.

BT: Wie haben Sie auf steigende Energiekosten reagiert?

Pilsl: Wir haben früh begonnen, auf nachhaltige Lösungen umzusteigen. Seit 2024 verzichten wir komplett auf fossile Brennstoffe und setzen auf Hackschnitzel. Dadurch sparen wir jährlich rund 25.000 Liter Heizöl.

BT: Welche Vorteile bringt diese Umstellung?

Pilsl: Vor allem Planungssicherheit und Unabhängigkeit. Wir sind weniger von globalen Märkten abhängig und können unsere Kosten besser kontrollieren. Gleichzeitig sparen wir aktuell rund 12 Prozent Energie – mit weiterem Potenzial nach oben.

BT: Wie lief die technische Optimierung Ihres Hauses ab?

Pilsl: Gemeinsam mit externen Partnern haben wir unseren Betrieb analysiert und Optimierungspotenziale identifiziert. Moderne Systeme messen Energieflüsse und helfen, den Verbrauch zu steuern – ohne Komfortverlust für die Gäste.

BT: Hat sich Ihr persönliches Sicherheitsgefühl durch die Umstellung verändert?

Pilsl: Ja, definitiv. Wir fühlen uns unabhängiger und können besser planen. Das gibt Sicherheit – und erlaubt uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: unsere Gäste.

BT: Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Ihre Gäste?

Pilsl: Sie wird immer wichtiger, ist aber meist nicht der alleinige Entscheidungsgrund. Entscheidend ist das Gesamtpaket. Wir zeigen unseren Gästen aber aktiv, dass wir nachhaltig arbeiten – das passt auch perfekt zu unserem Slow-Wellness-Konzept.

BT: Was würden Sie anderen Hoteliers raten?

Pilsl: Unbedingt externe Expert:innen hinzuziehen. Ein Blick von außen zeigt oft Potenziale, die man selbst übersieht. Wichtig ist auch: lieber optimieren als komplett sanieren.

BT: Wie würden Sie Ihre Philosophie in wenigen Sätzen zusammenfassen?

Pilsl: Die Gäste sehen den Komfort – nicht die Technik dahinter. Eine moderne Heizungsanlage ist das Herzstück eines Hotels. Und: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit schließen sich nicht aus. Gerade in unsicheren Zeiten ist es entscheidend, unabhängig und zukunftssicher zu sein.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 26. Mai 2026 - zuletzt bearbeitet am 26. Mai 2026


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AutorFranz Artner
Tags
Hotel
Anlage
Nachhaltigkeit
energie
Markt
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