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Bioenergie überholt erstmals Erdgas
Heimische Holzenergie gewinnt im Vergleich zu fossilen Quellen in Österreich massiv an Bedeutung.
Die Bioenergie hat in Österreich laut den Daten der vorläufigen Energiebilanz 2025 erstmals das fossile Erdgas überholt. Der regional verfügbare Energieträger deckt mittlerweile rund 21% des Bruttoinlandsverbrauchs ab, was einen historischen Wendepunkt in der nationalen Energieversorgung signalisiert. Für Architekten, Fachplaner und Bauträger unterstreicht diese Entwicklung die zunehmend systemrelevante Rolle biogener Brennstoffe im Energiesystem. Die Erreichung der gesteckten Energie- und Klimaziele erfordert in den kommenden Jahren jedoch einen strategischen Fokus auf die effiziente Verwertung dieser Ressourcen.
Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes, pointiert die anstehenden Aufgaben für die Branche deutlich: „Jetzt gilt es: die Wälder klimafit machen, das anfallende Holz für den raschen Ausstieg aus Öl und Gas nutzen und gleichzeitig fossile Materialien durch Holz ersetzen." Zudem verweist er auf das langfristige Potenzial einer Kopplung des Energieträgers mit technischen Lösungen: „Langfristig werden klimafitte Wälder wieder mehr Kohlenstoff aufnehmen und durch negative Emissionen aus Bioenergie und Kohlenstoffabscheidung samt Pflanzenkohle ergänzt werden".
Wärmesektor als primärer Hebel der Defossilisierung
Eine aktuelle Detailanalyse der Österreichischen Energieagentur beleuchtet speziell den Wärmesektor, da dieser aufgrund massiver saisonaler Lastspitzen den größten Hebel zur Transformation darstellt. Der Niedertemperatur-Wärmemarkt zur Beheizung von Gebäuden und Bereitstellung von Warmwasser fungiert hierbei als zentraler Grundpfeiler. Daten der Studienautoren verdeutlichen, dass der saisonale Energiebedarf im Wärmebereich das Fünffache des Stromsektors ausmacht und die maximalen Spitzenlasten bis zu 63 GW erreichen. Für Ingenieure und Facility Manager bedeutet dies, dass die direkte Nutzung von Pellets, Hackgut oder Brennholz insbesondere im Winter unverzichtbar bleibt, um signifikante Erzeugungslücken zu schließen.
Lorenz Strimitzer, Head of Center Renewable Materials & Resources bei der Österreichischen Energieagentur, ergänzt bezüglich der Studienergebnisse: „Wir müssen die Erneuerbaren im Wärmebereich massiv ausbauen, um die Erzeugungslücke - vor allem im Winter - zu schließen". Die Berechnungen zeigen zudem auf, dass ein vollständiger Ersatz aller Ölkessel durch erneuerbare Systeme bis zum Jahr 2040 bei einer Forcierung des Kesseltauschs technologisch und wirtschaftlich machbar ist. Der Ausstieg aus fossilen Heizungen setzt zudem wertvolle biogene Rohstoffe frei, die in schwer zu defossilisierenden Branchen wie dem Flugtreibstoffsektor hocheffizient genutzt werden können
Szenarien zur Biomasse-Mobilisierung bis 2040
Die Modellierungen der Experten prognostizieren, dass der Anteil der Biomasse am Endenergieverbrauch bis 2040 durch ambitionierte Mobilisierungsmaßnahmen von aktuell rund 250 PJ auf 300 bis 350 PJ gesteigert werden kann. Je nach gewähltem Entwicklungspfad prognostiziert die Biomassestrategie für das Jahr 2040 einen Anteil der Bioenergie von 30 bis 50% an der gesamten österreichischen Energieversorgung. Branchenentscheidungsträger:innen erhalten damit Planungssicherheit für Investitionen in regionale Nah- und Fernwärmenetze sowie in hocheffiziente dezentrale Erzeugungsanlagen. Diese Transformation sichert nicht nur die heimische Wertschöpfung, sondern stärkt nachweislich die Krisenresilienz der Gebäudeinfrastruktur.
R
AutorRedaktion
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