buildingTIMES
Eventsbuildingtimes.at
 / Lesezeit 2 min

BAU 2027 hat Klimaanpassung im Fokus

Extremwetter fordert die Bauwirtschaft zur Sanierung bestehender Gebäude heraus. Die BAU München reagiert.

Die Transformation des Gebäudebestands entwickelt sich zum zentralen Handlungsfeld für die europäische Bauwirtschaft. Bis 2035 erfordert die Anpassung an veränderte Klimabedingungen in Deutschland laut der Prognos-Studie „Klimaangepasstes Bauen“ Investitionen zwischen 137 und 237 Milliarden Euro. Im Basisszenario entfallen dabei 86 Prozent des Volumens auf bestehende Gebäude. Für Fachplaner und Bauträger verknüpft sich die Dekarbonisierung unweigerlich mit baulichen Schutzmaßnahmen gegen Hitze und Starkregen.

Bestandssanierung als primärer Hebel

Der Hebel für wirksame Maßnahmen liegt primär in den gewachsenen Strukturen, da lediglich 7,7 Prozent der knapp 20 Millionen deutschen Wohngebäude nach 2010 errichtet wurden. Mehr als drei Viertel dieser Einheiten werden weiterhin mit fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl beheizt. Die zwingend erforderliche Wärmewende trifft somit auf eine Bausubstanz, die simultan gegen klimatische Extremereignisse ertüchtigt werden muss. Für Planer bedeutet dies: Reine Energieeffizienz genügt nicht mehr, bauliche Resilienz wird zum unverzichtbaren Standard bei Sanierungskonzepten.

Mikroklima definiert den sommerlichen Wärmeschutz

Die Dringlichkeit unterstreicht die Messreihe des Deutschen Wetterdienstes vom Juni 2026, bei der 467 von 488 Stationen neue Temperaturrekorde registrierten. Für Architekten und Ingenieure wird die Beherrschung des Mikroklimas dadurch zur zentralen Entwurfsaufgabe im urbanen Kontext. Neben der reinen Lufttemperatur bestimmen Stadtmorphologie, Verschattungsgrade, Speichermassen und Windkorridore das thermische Verhalten von Quartieren. Passive bauliche Maßnahmen wie Nachtauskühlung und Sonnenschutz minimieren hierbei den Bedarf an energieintensiver technischer Kühlung.

„Was die Wettervorhersage sagt, hat erst einmal nichts mit der Bebauung zu tun. Was tatsächlich im Straßenraum passiert, hängt sehr stark von der Geometrie der Stadt ab, von der Verschattung, vom Wind und von den Materialien“, pointiert Prof. Dr. Daniele Santucci von der RWTH Aachen.

Multifunktionale Flächen gegen Starkregenrisiken

Parallel zur thermischen Belastung verlangt das Starkregenmanagement integrierte Entwässerungsstrategien für Gebäude und Freiraum. Da Überflutungen abseits von Gewässern auftreten können, geraten Keller, Tiefgaragen und Erdgeschosse zunehmend unter Druck. Internationale Referenzen wie der Kopenhagener „Skybrudsplan“ demonstrieren, wie Retentionsflächen im Normalbetrieb als multifunktionale Grün- und Erholungsräume dienen können. Auf Gebäudeebene übernehmen Retentionsdächer in Verbindung mit Photovoltaikanlagen eine doppelte Funktion, indem sie Niederschlag puffern, durch Verdunstung kühlen und sauberen Strom liefern.

Frühzeitige Fachkoordination vermeidet Folgekosten

Um Fehlallokationen zu vermeiden, müssen Klimadaten bereits in den ersten Entwurfsphasen verbindlich einfließen. Nachträgliche Anpassungen führen regelmäßig zu baulichen Nutzungskonflikten zwischen Versickerungsmulden, Leitungsführungen und erforderlichen Feuerwehrzufahrten. Digitale Starkregengefahrenkarten und mikroklimatische Simulationen ermöglichen es den Planungsteams, Retentionsräume und Frischluftschneisen frühzeitig geometrisch festzuschreiben. Dies verlangt eine enge interdisziplinäre Verzahnung von Architektur, Landschaftsarchitektur, Wasserwirtschaft und TGA.

„Wenn wir allein beim Neubau die Klimaanpassung frühzeitig mitdenken, lassen sich langfristig Kosten sparen“, betont Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Er ergänzt: „Klimaanpassung ist mehr als ein reaktives Schutzkonzept – sie ist ein wirtschaftlicher Motor für die gesamte Bauwertschöpfungskette, eröffnet neue Märkte, Geschäftsmodelle und Beschäftigungschancen.“

Wachstumsmärkte und Fachkräftebedarf

Mit einem jährlichen Investitionsbedarf von 12,5 bis 21,5 Milliarden Euro eröffnet die Klimaanpassung signifikante Marktpotenziale für die gesamte Branche. Prognos beziffert den zusätzlichen Arbeitskräftebedarf zur Umsetzung der baulichen Maßnahmen auf 7.700 bis 15.300 Vollzeitkräfte bis 2035. Für ausführende Betriebe und Systemhersteller verschieben sich die Schwerpunkte hin zu kombinierten Schutzlösungen für Hülle, Technik und Regenwassermanagement. Einen Marktüberblick über konstruktive Lösungen und digitale Werkzeuge bietet die Fachmesse BAU 2027 vom 11. bis 15. Januar 2027 in München.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 15. Oktober 2026 - zuletzt bearbeitet am 15. Oktober 2026


R
AutorRedaktion
Tags
Bauwirtschaft
Messe
München
Klimawandel
Bestandsgebäude
buildingTIMES
Informiert bleiben.

Treffen Sie eine Selektion unserer Newsletter zu buildingTIMES, immoflash, Immobilien Magazin, immo7news, immojobs, immotermin oder dem Morgenjournal

Jetzt anmelden

© Cachalot Media House GmbH - Alle Rechte vorbehalten