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Aufbruch zu neuen Arbeitswelten

Markt & Macher

Mit Sophie Blaha ist beim Büromöbel-Hersteller Blaha Office die dritte Generation am Zug. Der Zeitgeist stellt die Weichen.
Sophie Blaha ist weitgereist, weltoffen und führt seit 2024 gemeinsam mit ihrem Vater das mittelständische Familienunternehmen Blaha Office mit Sitz in Korneuburg. Das Unternehmen hat eine lange Geschichte, die 1931 mit einem Lebensmittelgeschäft in Wien begann. Bereits 1950 startete Blaha die Produktion von Gartenmöbeln, zwanzig Jahre danach begann die Fertigung von Büromöbeln. Seither sind beide Sparten in separate Firmen getrennt. Blaha Büromöbel beschäftigt insgesamt 115 Mitarbeiter:innen, die zuletzt einen Umsatz von rund 17 Millionen Euro erwirtschafteten. Das Portfolio umfasst inzwischen viel mehr als Tisch und Drehstuhl. Die Palette reicht von Stauraum, Akustik über Sitzlandschaften bis hin zu Trennwänden und dem Raumzonierungssystem Casoni. Gemeinsam haben die Produkte, dass sie an einem einzigen Standort gefertigt werden. Die eigene Metall- und Holzverarbeitung und die Polsterei ermöglichen es dem Unternehmen, Standard-Aufträge innerhalb von neun Werktagen zu liefern.

Sophie Blaha ist Anfang 30, hat in Wien Unternehmensführung studiert und sich danach in New York das Rüstzeug für Interior Design geholt. Sie tritt in der dritten Generation in große Fußstapfen, denn ihr Vater Friedrich Blaha hat das Unternehmen seit 1980 geführt und geprägt und widmet sich auch heute noch der Firma. „Der Übergabeprozess ist nicht abgeschlossen, aber die Verantwortung für die unterschiedlichen Bereiche sind inzwischen klarer aufgeteilt“, wie die Unternehmerin sagt. In vielen Dingen sei man sich sehr ähnlich, in anderen wiederum komplett unterschiedlich – und genau das sei eigentlich das Gute daran, weil man voneinander lernen könne. Der Vater bringt jahrzehntelange Erfahrung mit, sie selbst wiederum andere Blickwinkel und auch neue Zugänge. „Die Nachfolge ist kein Stab, den man einfach übergibt. Es ist ein emotionaler Seiltanz zwischen Loslassen, Vertrauen und Verantwortung“, schreibt Blaha aktuell nach einem Next-Generation Workshop auf LinkedIn.

Unumstritten und klar sind für Sophie Blaha das Bekenntnis zu Qualität und zu den vom Vater gelegten Fundamenten des Gedanken-Austauschs. Im hauseigenen Forum 21 werden seit vielen Jahren die Themen Büro, Organisation, Management und Persönlichkeitsbildung unter ganzheitlichen Aspekten diskutiert.

Weiters ist für Blaha klar, dass sich die Arbeitswelt verändert hat. Corona hat ganze Bürotürme leergefegt und Beschäftigte ins Home-Office gepusht. Was für viele Individuen bequem ist, kann Organisationen fordern, weil das Büro ein Ort der wertvollen Kommunikation ist. Um die Mitarbeiter:innen wieder ins Office zu bringen, investieren viele Firmen in ihre Infrastruktur. „Es geht nicht mehr nur um Tisch und Sessel, sondern um Räume, in denen Menschen sich wohlfühlen, kreativ arbeiten und sich austauschen können“, betont Blaha. Die Küche nimmt für sie in diesem Kontext eine zentrale Rolle ein, weshalb das Unternehmen demnächst ein neue Küchenserie lanciert.

Was Sophie Blaha über die Veränderungen in der Arbeitswelt, die damit einhergehende Nachjustierung des Portfolios und den Wandel im eigenen Unternehmen denkt, lesen Sie im Building Times-Interview.

Building Times: Frau Blaha, Sie sind seit einiger Zeit Geschäftsführerin. Welche Veränderungen waren Ihnen im Zuge der Übernahme besonders wichtig?

Sophie Blaha: Für mich ist das ein laufender Prozess. Besonders wichtig ist mir das Thema Anpassungsfähigkeit, also die Fähigkeit von Organisationen, sich schnell an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Das halte ich heute für essenziell. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, wirtschaftliche Unsicherheiten – all das verändert sich enorm schnell. Da muss man flexibel bleiben und offen für neue Strategien sein.

BT: Flexibilität klingt gut, sie produzieren aber Möbel, ist eine Modernisierung da nicht schwierig?

Blaha: Natürlich sind viele unserer Investitionen langfristig ausgelegt. Wenn wir große Maschinen anschaffen, gehen wir davon aus, dass diese viele Jahre im Einsatz bleiben. Die grundlegende Verarbeitungstechnologie verändert sich aktuell nicht radikal. Spannender sind derzeit eher die Themen Software, Digitalisierung und KI: Wie können wir künstliche Intelligenz in Produktionsprozesse integrieren, schneller und ressourcenschonender arbeiten? Außerdem beschäftigen uns neue Materialitäten sehr stark – etwa nachwachsende oder natürliche Materialien. Die Frage ist immer: Was ist technisch möglich und was lässt sich wirtschaftlich sinnvoll in die Industrie bringen?

BT: Werden solche nachhaltigen Materialien bereits stärker nachgefragt?

Blaha: Nachhaltigkeit ist definitiv ein großes Thema. Wir legen darauf schon seit vielen Jahren Wert und sind seit 2014 als einziger österreichischer Büromöbelhersteller EMAS-zertifiziert. Unsere Vision war immer, natürliche und nachwachsende Materialien einzusetzen. Menschen verbringen unglaublich viel Zeit in Arbeitswelten – oft mehr als zu Hause. Deshalb glauben wir, dass diese Umgebungen gesund und angenehm sein sollten.

Allerdings sehen wir auch: Wenn es am Ende konkret wird, entscheidet oft doch der Preis. Die Bereitschaft, für nachhaltige Materialien mehr zu bezahlen, ist noch nicht so breit vorhanden, wie wir uns das wünschen würden.

BT: Sie stehen im Wettbewerb mit deutlich größeren Unternehmen. Was macht Sie trotzdem erfolgreich?

Blaha: Wir sind bewusst ein regionales Unternehmen mit Fokus auf Wien, Niederösterreich und Burgenland. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass wir sehr viel selbst machen. Unsere gesamte Wertschöpfungskette liegt bei uns im Haus: Holz, Metall, Textil, Logistik, Montage – alles aus einer Hand. Das macht uns flexibel und schnell. Gleichzeitig bringt das natürlich auch Grenzen mit sich. Wir wollen gar nicht unbedingt unbegrenzt wachsen, unsere Stärke liegt gerade darin, ein Familienunternehmen geblieben zu sein. Das ist in unserer Branche inzwischen eine Seltenheit.

BT: Wie wichtig ist Ihnen Wachstum?

Blaha: Für uns geht es nicht um maximales Wachstum, sondern um nachhaltiges Wirtschaften über Generationen hinweg.

BT: Wie schwierig waren die vergangenen Jahre wirtschaftlich?

Blaha: Corona war anfangs natürlich eine große Unsicherheit, wirtschaftlich haben wir diese Zeit aber gut gemeistert. Herausfordernder ist eigentlich die aktuelle Situation: wirtschaftliche Unsicherheiten, Bürokratie, steigender Kostendruck. Trotzdem bleiben wir optimistisch. Als Familienunternehmen denken wir langfristig – nicht in kurzfristigen Wachstumszahlen.

BT: Ihr Unternehmen ist bekannt für die Lieferzeit von neun Werktagen. Braucht man das wirklich?

Blaha: Wir glauben schon. Unser gesamter Produktionsprozess ist darauf ausgelegt. Unabhängig von der Auftragsgröße können wir innerhalb von neun Werktagen liefern. Das sorgt intern für klare Abläufe und gibt den Kund:innen enorme Sicherheit und Flexibilität. Natürlich braucht nicht jeder Auftrag diese Geschwindigkeit. Aber entscheidend ist: Wir können fixe Termine garantieren.

BT: Corona hat die Arbeitswelt stark verändert. Geht der Trend wieder zurück ins Büro?

Blaha: Ja, das sehen wir durchaus. Viele Unternehmen merken, dass Homeoffice zwar funktioniert, aber persönlicher Austausch und Unternehmenskultur darunter leiden können. Diese informellen Gespräche – an der Kaffeemaschine oder zwischendurch – sind unglaublich wichtig. Gleichzeitig verändert sich das Büro selbst. Arbeitswelten werden wohnlicher, flexibler und vielfältiger.

BT: Also werden wohnlichere Büros stärker nachgefragt?

Blaha: Absolut. Es geht nicht mehr nur um Tisch und Sessel, sondern um Räume, in denen Menschen sich wohlfühlen, kreativ arbeiten und sich austauschen können und wir sehen ganz klar, dass Unternehmen heute stärker auf Atmosphäre, Materialien und unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten achten. Es braucht Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten genauso wie offene Bereiche für Austausch und Kreativität.

BT: Und welcher Bereich ist die Domäne von Blaha?

Blaha: Wir verstehen uns als Komplettanbieter für Arbeitswelten. Wir planen und gestalten Räume ganzheitlich: Akustik, Beleuchtung, Medientechnik und Möbel werden bei uns zu einem stimmigen Ganzen zusammengeführt. Viele Kund:innen möchten heute bewusst nur noch eine Ansprechperson haben, statt mehrere Gewerke koordinieren zu müssen.

BT: Wie handhaben Sie selbst das Thema Homeoffice?

Blaha: In der Produktion ist Homeoffice natürlich nicht möglich. In Bereichen wie Vertrieb oder Planung gibt es einen Tag Homeoffice pro Woche. Grundsätzlich versuchen wir aber bewusst, den persönlichen Austausch zu fördern – auch, weil wir genau diese Arbeitswelten ja selbst gestalten und verkaufen.

BT: Wer sind Ihre typischen Kund:innen?

Blaha: Hauptsächlich mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Wir arbeiten aber genauso für kleine Kanzleien wie für große Büroprojekte. Unser Produktionssystem erlaubt uns Losgröße eins genauso wie große Stückzahlen.

BT: Würden Sie sich als Premium-Anbieter bezeichnen?

Blaha: Hochwertig auf jeden Fall, aber „Premium“ klingt oft zu exklusiv. Wir sehen uns eher im qualitativ guten Mittelfeld – deutlich hochwertiger als klassische Massenanbieter, aber nicht in einer Luxusnische.

BT: Ihre Firmenzentrale gilt als Vorreiterin im Holzbau. Ist sie auch funktional?

Blaha: Ja, das Gebäude wurde Anfang der 2000er gebaut und war damals tatsächlich eines der ersten großen Hybridgebäude aus Holz und Beton. Mein Vater hatte damals die Vision, einen Ort zu schaffen, an dem man moderne Arbeitswelten erleben kann. Heute ist dieser Schauraum eines unserer wichtigsten Aushängeschilder.

BT: Ihr Vater hat einiges für die Nachhaltigkeit am Standort gemacht. Gibt es da noch Potenzial?

Blaha: Absolut. Unsere Photovoltaikanlage deckt inzwischen rund 60 Prozent unseres Jahresstromverbrauchs. Aber es gibt immer neue Möglichkeiten – von Energieeffizienz über Kreislaufwirtschaft bis hin zu neuen Materialien.

BT: Stichwort Kreislaufwirtschaft – funktioniert das bei Büromöbeln wirtschaftlich?

Blaha: Im Moment noch schwierig. Viele glauben, aufgearbeitete Möbel müssten automatisch günstiger sein. Tatsächlich ist der Aufwand oft größer als bei Neuproduktion. Trotzdem wird das Thema wichtiger werden – vor allem durch neue regulatorische Vorgaben und steigendes Umweltbewusstsein.

BT: Wie wichtig sind Veranstaltungen und Events für Blaha?

Blaha: Sehr wichtig. Unser Forum 21 ist seit vielen Jahren eine Plattform für Austausch und Wissenstransfer. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt – zu Themen wie Leadership, Akustik oder New Work. Es geht dabei weniger um Verkauf als um Austausch und Vernetzung.

BT: Sie sprechen oft von Gemeinschaft und Austausch. Ist das eine Gegenbewegung zur Vereinzelung?

Blaha: Ja, definitiv. Wir sehen immer stärker, dass Menschen Orte suchen, an denen sie zusammenkommen können. Früher lebten oft mehrere Generationen gemeinsam, heute dominieren Single-Haushalte. Gleichzeitig arbeiten viele alleine im Homeoffice. Deshalb entstehen heute hybride Orte – Fitnessstudios mit Co-Working, Restaurants mit Arbeitsbereichen oder wohnliche Büros. Menschen wollen Gemeinschaft.

BT: Testen Sie neue Möbel eigentlich selbst?

Blaha: Natürlich. Das gehört unbedingt dazu. Wir entwickeln unsere Produkte direkt im Haus, das sind dann nur ein paar Schritt in die Produktion. Da wird ausprobiert, getestet und natürlich auch probegesessen.

BT: Ihr Vater ist noch immer im Unternehmen. Wie funktioniert die Übergabe?

Blaha: Wirklich sehr gut. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Familienunternehmen schaffen den Übergang in die nächste Generation nicht. Ich habe großes Glück, dass mein Vater sehr großzügig loslassen kann. Er hat mir früh Verantwortung übertragen und unterstützt mich gleichzeitig weiterhin mit seiner Erfahrung.

BT: Sie haben in New York studiert?

Blaha: Ja, zuerst Unternehmensführung in Wien und danach Interior Design in New York. Dort habe ich auch in einem Architekturbüro gearbeitet. Diese Kombination aus wirtschaftlicher und gestalterischer Perspektive hilft mir heute enorm.

BT: Gibt es neue Produktlinien, an denen Sie gerade arbeiten?

Blaha: Ja, sogar zwei. Einerseits eine neue Küchenserie – vom kleinen Office-Küchenmodul bis zu größeren Konzepten. Andererseits eine neue Soft-Seating-Serie.

BT: Warum gerade Küchen?

Blaha: Weil gemeinsames Essen und Zusammenkommen unglaublich verbindend sind. Früher war das Lagerfeuer der Treffpunkt, heute ist es oft die Küche. Gerade in Zeiten von KI und Digitalisierung wird das Menschliche wichtiger. Räume, in denen Menschen zusammenkommen, werden daher künftig noch bedeutender werden.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 28. Juli 2026 - zuletzt bearbeitet am 28. Juli 2026


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AutorFranz Artner
Tags
Unternehmen
Menschen
Homeoffice
Wien
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