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Wachstumstreiber Sanierung

Kälte, Klima, Lüftung

Der österreichische Markt für Klima-, Kälte- und Lüftungstechnik befindet sich in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderung. Die bT hat sich in der Branche umgehört.
Während konjunkturelle Unsicherheiten, Förderbedingungen und geopolitische Rahmenbedingungen kurzfristig in den Branchen für Zurückhaltung sorgen, zeigen sich die langfristigen Wachstumstreiber umso klarer: Dekarbonisierung des Gebäudebestands, steigende Energieeffizienzanforderungen, zunehmende Bedeutung von Innenraumluftqualität sowie die technologische Transformation hin zu vernetzten Gesamtsystemen.

Das Kühlpotenzial ausschöpfen
Im Bereich der Klima- und Wärmepumpentechnik wird das langfristige Marktpotenzial sehr deutlich beschrieben. Roland Kerschbaum, Vertriebsleiter Österreich & Schweiz Panasonic, skizziert die Ausgangslage mit klaren Zahlen: „Aktuell heizen rund 1.3 Millionen Haushalte mit Öl oder Gas, 65 Prozent der Hotels und, grob geschätzt, auch über 60 Prozent der Gewerbebetriebe. Aus verschiedenen Gründen werden zunehmend Menschen als auch Unternehmen versuchen, Abhängigkeiten zu reduzieren und Betriebskosten zu senken.“ Gleichzeitig verweist er auf das noch unausgeschöpfte Kühlpotenzial: „Nur rund 13 Prozent der Privathaushalte sind bereits klimatisiert und nur 7 Prozent der Beherbergungsbetriebe.“ Vor diesem Hintergrund ergibt sich für ihn ein deutliches Wachstumsszenario: „Betrachte ich also das Marktpotenzial und die äußeren Einflussfaktoren wie Öl- und Gaspreis, ESG, ETS-2, etc. erwarte ich ein deutliches Wachstum.“

Auch innerhalb der Technologie selbst findet eine klare Verschiebung statt. Während klassische Systeme weiterhin eine wichtige Rolle spielen – „Splitgeräte spielen in der Klimabranche nach wie vor eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Nachrüstung, in urbanen Gebieten, sowie bei kleineren und mittleren Anwendungen im privaten und gewerblichen Bereich“, erklärt Kerschbaum – steigt gleichzeitig der Bedarf an integrierten Lösungen. „Gleichzeitig sehen wir eine zunehmende Nachfrage nach systemisch gedachten Lösungen, bei denen Klimatisierung und Wärmebereitstellung kombiniert werden.“ Das Jahr 2025 war in der gesamten Branche von Zurückhaltung geprägt, gleichzeitig aber auch von strategischer Anpassung. Kerschbaum beschreibt es als „ein anspruchsvolles, aber strategisch wichtiges Jahr“. Besonders der Wärmepumpenmarkt sei durch Unsicherheiten beeinflusst gewesen: „Der Wärmepumpenmarkt war von Zurückhaltung geprägt, insbesondere durch Unsicherheiten bei Förderungen und Investitionsentscheidungen.“ Dennoch habe sich der Markt nicht nur stabilisiert, sondern auch strukturell weiterentwickelt: „Panasonic ist es gelungen, Marktanteile zu sichern und sich insbesondere im hochwertigen, technisch anspruchsvollen Segment weiter zu positionieren.“ Für 2026 zeigt sich die Branche vorsichtig optimistisch. „Wir sind mit realistischem Optimismus in das Jahr 2026 gestartet“, so Kerschbaum. Entscheidend sei dabei nicht die kurzfristige Stückzahlentwicklung, sondern nachhaltige Qualität: „Nicht kurzfristige Stückzahlen stehen im Vordergrund, sondern nachhaltige Projekte, die technisch sauber geplant und langfristig wirtschaftlich betrieben werden können.“ Das größte Potenzial sieht er klar im Bestand: „Das größte Potenzial sehen wir derzeit eindeutig in der Sanierung des Gebäudebestands.“

„Nur rund 13 % der Privathaushalte und nur 7 % der Beherbergungsbetriebe sind bereits klimatisiert.“ - Roland Kerschbaum, Vertriebsleiter Panasonic Ö & CH

Dynamische Entwicklung im Bestand
Diese Einschätzung wird von der Lüftungsbranche weitgehend geteilt. Christian Schuch, geschäftsführender Gesellschafter Schako, beziffert das Marktpotenzial der HLK-Branche auf „rund 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro jährlich (HLK gesamt, inkl. Service und Sanierung)“. Die zentralen Treiber seien dabei klar definiert: „steigende Anforderungen an Energieeffizienz (EU-Taxonomie, ESG), zunehmende Bedeutung der Innenraumluftqualität (IAQ), Sanierungsdruck im Bestand sowie regulatorische Vorgaben (z. B. Hygiene, Komfort, CO2-Reduktion)“.

Auch 2025 war in diesem Segment differenziert. „Das Jahr 2025 war insgesamt solide, aber differenziert“, so Schuch. Während der Wohnbau rückläufig war, entwickelten sich andere Bereiche stabil: „Das Projektgeschäft im Neubau war teilweise rückläufig (insbesondere im Wohnbau), stabile bis steigende Nachfrage gab es im Nicht-Wohnbau (Gastro, Retail, Infrastruktur)“. Besonders dynamisch zeigte sich der Bestand: „Sanierungsprojekte und energetische Optimierungen deutlich im Aufwind.“ Für 2026 formuliert Schuch einen klar strukturierten Ausblick: „Wir sind verhalten optimistisch in das Jahr 2026 gestartet.“ Der Markt bleibe herausfordernd, aber chancenreich: „Der Fokus liegt auf Marge, Effizienz und gezieltem Wachstum“ sowie auf „zunehmender Nachfrage nach Systemlösungen statt Einzelprodukten“. Das größte Potenzial liegt eindeutig im Bestand: „In Sanierung / Bestand liegt der größte Hebel durch Energieeinsparung und CO2-Reduktion.“

Auch technologisch zeigt sich ein einheitlicher Trend über alle Segmente hinweg. Schuch beschreibt diesen Wandel klar: „Die Entwicklung geht eindeutig in Richtung ganzheitliche Systemlösungen (nicht mehr Einzelkomponenten), Energieeffizienz und Betriebskostenoptimierung, Innenraumluftqualität (IAQ) als Gesundheitsfaktor, Digitalisierung / BIM / intelligente Auslegungstools sowie unsichtbare Integration der Technik in Architektur.“ Prägnant fasst er diese Entwicklung zusammen: „Die Zukunft gehört Systemen, die man nicht sieht – aber deutlich spürt.“

Ergänzend dazu zeigt Schuch anhand konkreter Lösungen, wie sich diese Entwicklung technisch manifestiert. Hochinduktive Luftauslässe würden „als Dirigenten der Innenraumluft“ fungieren und eine gleichmäßige Luftverteilung ohne Komfortverluste ermöglichen. In Kombination mit Fan-Coil-Systemen entstehe so eine „besonders hochwertige Systemlösung für anspruchsvolle Anwendungen – insbesondere im Hotelbereich“.

 „Es bleibt anspruchsvoll, besonders in der Sanierung sehen wir derzeit das größte Potenzial.“ - Markus Traunfellner, GF Helios

Der Markt stabilisiert sich
Auch bei Helios zeigt sich ein ähnliches Bild. Markus Traunfellner, Geschäftsleiter Helios, beschreibt den Markt als weiterhin anspruchsvoll, aber stabilisierend: „Aus unserer Sicht bleibt der österreichische Lüftungsmarkt 2026 anspruchsvoll, zeigt aber erste Anzeichen einer Stabilisierung.“ Besonders im Bestand sieht er die größten Chancen: „Besonders in der Sanierung sehen wir derzeit das größte Potenzial.“

Für Helios war 2025 „ein solides Jahr in einem schwierigen Marktumfeld“. Die Nachfrage war differenziert: „Während der klassische Wohnungsneubau unter Druck stand, nahm das Interesse an kompakten, nachrüstbaren und planerisch einfach umsetzbaren Lüftungslösungen zu.“ Für 2026 erwartet das Unternehmen „keinen Boom, aber eine stabile Entwicklung mit leichtem Aufwind“. Technologisch geht der Trend klar in Richtung Effizienz und Kompaktheit: „kompakte Geräte, hohe Wärmerückgewinnung, bedarfsgeführte Regelung, einfache Inbetriebnahme und wirtschaftliche Integration auch in beengten Einbausituationen.“

Der EFH Bereich zieht an
Gerade bei Einfamilienhäusern konnte Pluggit im letzten Jahr punkten. Jochen Sattelberger, Vertriebsleiter Pluggit Österreich & CEE, meint dazu: „Wir konnten vom raschen Anziehen des EFH Bereiches profitieren und daher ein erfreuliches Wachstum mitnehmen, wohl aber mit dem kleinen Wermutstropfen, dass der Anstieg im EFH Neubau von einem niedrigeren Niveau gestartet ist. Der Ausstattungsgrad der EFH mit KWL dürfte aber wohl gestiegen sein, was sich auch positiv auf unser Wachstum ebenso ausgewirkt hat. Zusätzliche Produkte im Einzelraumlüfterangebot aber auch Produkte aus dem Abluftbereich haben dann die positive Entwicklung im letzten Jahr beflügelt.“ Für 2026 zeigt er sich angesichts der aktuellen Weltlage skeptisch. „Wir sind mit sehr positiven Erwartungen an den weiteren Aufwärtstrend im Neubau, beginnendes Greifen der EPBD und Anpassungen in der OIB6 in das Jahr 2026 gegangen und daraus resultierendem weiteren Umsatzzuwachs. Dazu ein neues Außenwandgerät, der PluggCompact sollte in einem wachstumstechnisch hervorragendem Ausgang 2026 münden. Heute müssen wir dies wohl etwas vorsichtiger beurteilen, angesichts der weltpolitischen Lage im fernen Osten mit großem Potenzial in einer neuen und nachhaltigen wirtschaftlichen Krise den Niederschlag zu finden.“
Anders als viele Mitbewerber setzt Pluggit auch 2026 auf den Neubau, im Speziellen von Einfamilienhäusern. Das größere Volumen sieht Sattelberger volumenseitig aber im Projektgeschäft. „Der mehrgeschoßige gewerbliche Wohnbau wird auch angesichts unseres aktuellen Produktportfolios definitiv an Bedeutung gewinnen, ist aber Träger in Bezug auf Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

 „Der Markt für Wohnraumlüftung bleibt attraktiv, auch wenn sich die Nachfrage stark verschoben hat.“ - Gernot Pichler, GF Pichlerluft

Was zählt, ist die Qualität
Gernot Pichler, Geschäftsführer Pichler Lufttechnik, bestätigt diese strukturelle Verschiebung im Wohnraumlüftungsmarkt besonders deutlich. „Der österreichische Markt für Wohnraumlüftung bleibt aus unserer Sicht attraktiv, auch wenn sich die Nachfrage derzeit stark verschoben hat.“ Hintergrund ist die Entwicklung im Neubau: „Faktisch ist der Neubau zuletzt deutlich zurückgegangen: Laut WKO wurden 2024 rund 36.690 Wohneinheiten fertiggestellt, für 2025 wurden zuletzt etwa 26.800 Wohneinheiten prognostiziert, für 2026 rund 24.400.“ Daraus ergibt sich eine klare Konsequenz: „Aus unternehmerischer Sicht liegt genau darin das eigentliche Marktpotenzial: weniger im kurzfristigen Neubauvolumen, sondern stärker in der Sanierung, Nachrüstung und im qualitätsorientierten Wohnbau.“

2025 war auch hier ein Jahr der Verschiebung: „2025 war für uns ein Jahr mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen, je nach Segment.“ Für 2026 bleibt der Ausblick vorsichtig stabil: „Wir sind mit vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2026 gestartet.“ Entscheidend wird die Qualität der Lösungen: „nicht der reine Mengenmarkt entscheidet, sondern die Qualität des Angebots.“ Das größte Potenzial sieht auch Pichler in der Sanierung. „Der Grund ist einfach: Der Neubau ist in Österreich aktuell schwach, während der Gebäudebestand groß ist und energetisch wie technisch weiterentwickelt werden muss. Gerade deshalb wird die kontrollierte Lüftung im Bestand wichtiger – vor allem dort, wo Gebäudehüllen dichter werden und Themen wie Feuchteschutz, Schimmelvermeidung und Raumluftqualität stärker in den Vordergrund rücken.“ Innerhalb der einzelnen Segmente liegt für Pichler der Fokus auf dem Projektgeschäft und bei gewerblichen bzw. professionellen Auftraggebern, also dort, wo mit Planer:innen, Installateur:innen, Bauträger:innen oder Gebäudebetreiber:innen frühzeitig abgestimmt wird. Auch im privaten Bereich bleibe der Markt interessant, insbesondere bei hochwertigen Sanierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern, so Gernot Pichler.
Wie für viele andere Marktteilnehmer:innen liegt die technologische Zukunft auch für Gernot Pichler in Gesamtsystemen: „Technisch geht der Trend klar in Richtung höhere Effizienz, bessere Regelung und stärkere Systemintegration. Wohnraumlüftung sollte heute ein fester Bestandteil moderner Haustechnik sein. Eine Wohnraumlüftung ist überall dort sinnvoll, wo hygienische Luftverhältnisse, der Abtransport von CO2, Feuchtigkeit und Schadstoffen sowie Schutz vor Lärm von außen eine Rolle spielen. Ein weiterer klarer Trend ist die wirtschaftliche Bewertung über den Betrieb: Im gewerblichen Bereich gewinnen förderfähige Effizienzlösungen an Bedeutung.“ In der Umsetzung bedeutet dies mehr Wärmerückgewinnung, leisere und kompaktere Geräte, bedarfsgeführte Regelung, einfachere Einbindung in Sanierungen und mehr Vernetzung mit anderen Systemen wie Wärmepumpe, Gebäudeautomation und Energiemanagement.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Rahmenbedingungen oft kurzfristig und unvorhersehbar verändern.“ - Jürgen Merkle, GF Livento

Hin zu adaptiven Systemen
Eine zusätzliche Perspektive bringt Jürgen Merkle, Geschäftsleiter Livento, ein, der vor allem die Unsicherheiten des Marktes betont. „Die Fragen zur Marktentwicklung, zu konkreten Zahlen und Erwartungen lassen sich aktuell nur sehr eingeschränkt und kaum realistisch beantworten.“ Er verweist auf volatile Rahmenbedingungen: „Die vergangenen Jahre – und auch die aktuelle Situation – haben gezeigt, dass sich Rahmenbedingungen oft kurzfristig und teils unvorhersehbar verändern.“ Gleichzeitig sieht er politische Verantwortung: „Ein wesentlicher Treiber sind dabei politische Rahmenbedingungen – hier sehen wir klar auch die Politik in der Verantwortung.“

Technologisch zeichnet sich jedoch auch in diesem Segment eine klare Richtung ab. „Automatisierung und intelligente Steuerung werden zunehmend zum Standard“, so Merkle. Systeme entwickeln sich zunehmend autonom: „Moderne Geräte reagieren nicht mehr nur auf manuelle Einstellungen, sondern erfassen über Luftqualitätssensoren selbstständig Parameter wie CO2, Feuchtigkeit oder Mischgase und passen den Luftaustausch entsprechend an.“ Langfristig sieht er eine Entwicklung hin zu adaptiven Systemen: „Die Entwicklung geht in Richtung mehr Komfort, Effizienz und Nutzerfreundlichkeit – ohne dass die Anwenderin bzw. der Anwender sich aktiv darum kümmern muss.“

Über alle Branchen hinweg ergibt sich damit ein konsistentes Gesamtbild: Der österreichische Markt bleibt langfristig wachstumsstark, wird jedoch zunehmend durch Sanierung, Effizienzsteigerung, Systemintegration und Digitalisierung geprägt. Der Neubau verliert relativ an Bedeutung, während intelligente, vernetzte und energieoptimierte Gesamtlösungen zu zentralen Wettbewerbstreibern werden.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. Juli 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. Juli 2026


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AutorBarbara Fürst
Tags
Sanierung
Neubau
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