Server-Abwärme temperiert Badewasser
Thermische Energie aus KI-Rechenprozessen speist künftig die Beckenwassererwärmung im Stubaital.
Künstliche Intelligenz treibt den Bedarf an Rechenleistung massiv voran, während kommunale Freizeitbetriebe kontinuierlich thermische Energie benötigen. Das Tiroler Unternehmen Serwas Technologies verknüpft beide Sektoren und bindet wassergekühlte Serveranlagen direkt in die Gebäudetechnik des Freizeitcenters StuBay in Telfes ein. Die Inbetriebnahme der ersten Anlage ist noch für das Jahr 2026 terminiert. Für Planer und Betreiber markiert das Projekt eine praxistaugliche Symbiose aus digitaler Infrastruktur und dezentraler Wärmeversorgung.
Direkte Wärmeeinkopplung ohne Wärmepumpe
Das technische Konzept basiert auf einer von Serwas entwickelten Flüssigkeitskühlung, die Nutzwärme mit Vorlauftemperaturen von bis zu 70 Grad Celsius bereitstellt. Dieser Temperaturbereich ermöglicht die direkte Einspeisung in bestehende Heizkreisläufe, ohne dass energetisch aufwendige Nachverdichtungen über zusätzliche Wärmepumpen erforderlich sind. Serwas betreibt die Serverinfrastruktur in Eigenregie und vermietet die Kapazitäten an externe Unternehmen für rechenintensive KI-Anwendungen. Die anfallende Verlustwärme wird dadurch vollständig in den Wärmekreislauf des Freizeitbads transferiert.
„Wir wollen Rechenleistung dort aufbauen, wo die entstehende Wärme direkt gebraucht wird“, betont Timo Berkmann, Mitgründer von Serwas Technologies. Gerade Schwimmbäder seien für die dezentrale Platzierung von Servern prädestiniert, da sie ganzjährig eine konstant hohe thermische Grundlast aufweisen. „Unser Ziel ist es, Rechenzentren zu schaffen, die nicht nur rechnen, sondern gleichzeitig Gebäude beheizen“, führt Berkmann weiter aus.
Skalierbare TGA-Integration im Stubaital
Die Umsetzung in Telfes folgt auf ein Pilotprojekt in einem Innsbrucker Hallenbad, in dem das Modell bereits erfolgreich im Realbetrieb erprobt wurde. Gemeinsam mit den beteiligten Fachplanern und Ausführungsbetrieben bereitet das Unternehmen derzeit die Schnittstellen zur bauseitigen TGA-Infrastruktur vor. Die thermische Leistung soll die bestehende Heizanlage des StuBay entlasten und mittelfristig einen substanziellen Beitrag zur Grundlastabdeckung leisten. Das Gesamtsystem ist modular aufgebaut, sodass die Serverleistung bei steigendem Wärmebedarf schrittweise aufgestockt werden kann.
Wachstumskapital für dezentrale Rechenzentren
Um den Ausbau des Netzes voranzutreiben, hat sich Serwas im ersten Closing einer aktuellen Finanzierungsrunde rund 300.000 Euro frisches Kapital gesichert. Die Runde wird von der Investorengruppe Gateway Ventures angeführt, ergänzt durch Business Angels des Pioneers Club sowie das MCI Innsbruck. Parallel dazu läuft eine Crowdinvesting-Kampagne auf der Plattform Rockets, über die sich Privatinvestoren ab einer Schwelle von 250 Euro beteiligen können. Die Mittel fließen unmittelbar in die technische Weiterentwicklung und die Erschließung weiterer kommunaler Liegenschaften.
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