Schule setzt auf klinkerarmen Beton
Die Porr errichtet Österreichs größtes PPP-Hochbauprojekt mit klinkerarmem CEM-II/C-Zement.
Auf der Baustelle des Zentralberufsschulgebäudes (ZBG) in der Wiener Seestadt Aspern kommt CO2-reduzierter Beton erstmals im industriellen Großmaßstab zum Einsatz. Das Vorhaben markiert mit einem Projektvolumen von rund 200 Millionen Euro das aktuell größte Public-Private-Partnership-Hochbauprojekt der Republik. Für das primäre Tragwerk fließen insgesamt rund 38.000 Kubikmeter Ortbeton in das Bildungszentrum. Die bauausführende Arbeitsgemeinschaft setzt dabei flächendeckend auf Zement der Type CEM II/C mit einem Klinkeranteil von lediglich 50 bis 64 Prozent.
Signifikante CO2-Einsparung im Rohbau
Der reduzierte Klinkeranteil verringert die gebundene graue Energie des Baustoffs spürbar, ohne Abstriche bei Verarbeitbarkeit, Festigkeit und Dauerhaftigkeit zu fordern. Bis Ende Juli 2026 wurden im Rohbau bereits 36.000 Kubikmeter des Spezialbetons eingebaut. Im direkten Vergleich zum ÖBV-Referenzbeton entspricht das einer Einsparung von 58 Prozent beziehungsweise rund 5.000 Tonnen CO2. „Mit den CEM-II/C-Zementen stellt unsere Industrie einen wichtigen Hebel für die Dekarbonisierung des Bauens zur Verfügung“, betont Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) und Vorstand von Beton Dialog Österreich.
Baukonzern bestätigt praxistaugliche Verarbeitung
Auch auf Seiten der Bauausführung durch die ARGE aus Porr AG und Apleona Austria GmbH verzeichnet man stabile Abläufe im eng getakteten Bauprogramm. „Ressourcenschonendes Bauen mit CO2-reduzierten Baustoffen ist eines der Kernthemen der Porr“, erklärt Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr AG. Punktuelle Optimierungen der Betonrezeptur ermöglichten eine zuverlässige Verarbeitung auf der Baustelle. „Wir konnten ihn mit Anpassungen an der Rezeptur genauso zuverlässig verarbeiten wie herkömmlichen Zement, ohne Kompromisse bei der Qualität“, bekräftigt Strauss das baupraktische Resultat.
Neue Maßstäbe für 7.500 Auszubildende
Der Bildungscampus bündelt ab September 2028 sieben bisherige Wiener Berufsschulstandorte auf 49.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und 29.000 Quadratmetern Nutzfläche. Die Struktur ist für den Durchlauf von jährlich bis zu 7.500 Schülern sowie 350 Mitarbeitenden ausgelegt. Für die Stadt Wien setzt das Großvorhaben neue Standards im pädagogischen Hochbau. „Die moderne und interdisziplinäre Raumgestaltung mit Geschäften, Werkstätten und vielen weiteren speziellen Unterrichtsräumen ermöglicht uns, Schülerinnen und Schüler individuell auf ihre künftigen Fachrichtungen vorzubereiten“, hält Andrea Trattnig, Leiterin der Magistratsabteilung Schulen (MA 56), fest.
Realitätsnahe Lernwelten und offene Raumkonzepte
Architektonisch gliedert sich der Komplex in ein 26 Meter hohes Hauptgebäude mit fünf Obergeschossen und ein zweigeschossiges Werkstattgebäude. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss bilden den gemeinsamen Funktionssockel für Praxisräume, Handelssimulationen und Werkstätten. Eine zentrale zweigeschossige „Mall“ verbindet als multifunktionaler Gemeinschaftsraum sämtliche Gebäudeflügel, während Lichtschächte und Freiluftterrassen für eine hohe Aufenthaltsqualität sorgen. „Die Unterrichtsräume sind als realitätsnahe Arbeitswelten gestaltet, um die Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf ihre Berufe vorzubereiten“, erläutert Peter Mitterer von Kronaus Mitterer Architekten ZT GmbH den Entwurfsansatz.
Geothermie und Photovoltaik sichern emissionsarmen Betrieb
Das technische Gebäudekonzept minimiert den Einsatz fossiler Energieträger nahezu vollständig. Ein Erdsondenfeld mit 140 Bohrungen bildet das Rückgrat der Geothermie-Versorgung und speist die Niedertemperatursysteme für Heizung und sommerliche Kühlung. Baulicher Sonnenschutz, selektives Isolierglas und kontrollierte Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung dämpfen thermische Spitzenlasten. Auf den Flachdächern erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 470 kWp elektrische Energie direkt für den Eigenbedarf. Für Planer und institutionelle Bauherren demonstriert das ZBG Aspern eindrücklich, dass die konsequente Dekarbonisierung im großvolumigen Hochbau bereits heute technisch und wirtschaftlich realisierbar ist.
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