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Holzbau im Geschosswohnbau halbiert CO₂-Emissionen

Eine Untersuchung der Technischen Universität Wien zeigt neue Wege zur Dekarbonisierung auf

Die Wahl der Primärkonstruktion bestimmt maßgeblich die Klimabilanz eines Gebäudes in der CO2-intensiven Errichtungsphase, der sogenannten grauen Energie. Wie aus der Forschungsstudie „reduce – CO₂-Einsparpotenzial durch verstärkten Einsatz von Holz im Geschosswohnungsbau“ der TU Wien hervorgeht, lässt sich durch den Einsatz von Holz- und Holzhybridbauweisen das Treibhauspotenzial im Vergleich zur konventionellen Stahlbetonbauweise im Durchschnitt um etwa die Hälfte reduzieren. Für die wissenschaftliche Untersuchung wurden 18 reale, mehrgeschossige Wohnbauprojekte in Österreich analysiert und jeweils einem funktionell gleichwertigen, virtuellen Zwilling in alternativer Bauweise gegenübergestellt. Die Ergebnisse bescheinigen der Holzbauweise ein durchschnittliches Einsparungspotenzial von 204 Kilogramm CO₂-Äquivalenten pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche (BGF) über alle untersuchten Projekte hinweg.

Bei der detaillierten Betrachtung nach Gebäudeklassen (GK) differenzieren sich die CO₂-Minderungspotenziale aufgrund der baulichen Komplexität und statischer sowie brandschutztechnischer Zusatzanforderungen. In der Gebäudeklasse 3 liegt der durchschnittliche Einspareffekt bei rund 236 Kilogramm CO₂-Äquivalenten pro Quadratmeter BGF, während er in der Gebäudeklasse 4 auf 218 Kilogramm und in der Gebäudeklasse 5 auf 160 Kilogramm sinkt. Trotz dieses degressiven Verlaufs bei zunehmender Gebäudehöhe bleibt der substantielle Klimavorteil auch im großvolumigen, urbanen Sektor bestehen. Ein Wohngebäude mit einer BGF von 5.000 Quadratmetern spart beziehungsweise speichert durch eine Holz- oder Holzhybridkonstruktion rund 1.000 Tonnen CO₂-Äquivalente, was rechnerisch der Emissionsmenge einer Erdumrundung per Pkw von 125 Personen entspricht. Die ökologische Hebelwirkung basiert auf der doppelten Dynamik der Substitution emissionsintensiver Baustoffe und der langfristigen Kohlenstoffspeicherung im verbauten Holz, bei der ein Kubikmeter des Rohstoffs der Atmosphäre rund eine Tonne CO₂ entzieht.

Für die TGA- und Architekturplanung liefert die Studie der TU Wien die Erkenntnis, dass die größten Einsparungseffekte in den Bauteilen mit den größten Materialmengen – insbesondere in den Geschossdecken – sowie bei stark gegliederten Baukörpern in der Gebäudehülle erzielt werden. Auf nationaler Ebene prognostiziert die Untersuchung eine enorme Hebelwirkung für die Dekarbonisierungsstrategie Österreichs: Würde der Marktanteil des mehrgeschossigen Holzwohnbaus alle fünf Jahre um lediglich zwei Prozentpunkte steigen, könnte sich das jährliche CO₂-Einsparungspotenzial bis zum Jahr 2050 auf rund elf Prozent Marktanteil gegenüber heute vervierfachen. Angesichts kommender gesetzlicher Rahmenbedingungen für Gebäudeökobilanzen und zukünftiger CO₂-Grenzwerte im Bauwesen entwickeln sich vermiedene Emissionen zudem zu einem handfesten ökonomischen Faktor, der für eine durchschnittliche Familienwohnung langfristig einem finanziellen Gegenwert von mehreren Tausend Euro an eingesparten CO₂-Kosten entspricht.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 15. Juni 2026 - zuletzt bearbeitet am 15. Juni 2026


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