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Hochgepumpte Vielfalt

Wärmepumpen & Co.

Der Wärmepumpenmarkt ist schon heute vielfältig und umkämpft. Die Herausforderungen der Zukunft werden für die Hersteller nicht weniger. Die Chinesen klopfen energisch an und der Strompreis könnte ambitionierte Businesspläne vereiteln.
Zuerst ganz viel, dann wenig und zwischendurch Null. Die jüngste Geschichte der heimischen Heizungsförderung ist geprägt von Hochs und Tiefs. Weil die Bürger:innen es gewohnt sind, ihre notwendigen Investitionen mit Fördergeld zu finanzieren, schlägt jede Änderung der Förderung voll auf den Markt durch. Heuer endete das Förder-Schlaraffenland für Installateur:innen und Hausbesitzer:innen Anfang Juni. Die Förderung ist ausgelaufen. Erstaunlich und ernüchternd fallen die Verkaufszahlen für Wärmepumpen aus. Im ersten Halbjahr wurden mit knapp 18.000 Stück in Summe 26 Prozent weniger Geräte abgesetzt als 2025, so die Statistik des Verbandes Wärmepumpe Austria. Fast 20 Prozent beträgt das Absatzminus bei Monoblock Luft-Wasser-Wärmepumpen, von denen 9.521 Einheiten verkauft wurden. Die Split-Geräte verloren fast 37 Prozent gegenüber 2025. Etwa 46 Prozent beträgt der Rückgang bei Wasser/Wasser-Wärmepumpen, die mit 124 Einheiten eine Nische darstellen. Mit 14 Prozent Minus am wenigsten getroffen hat die Absatzkrise die Erdreich-Direktverdampfer, die mit 143 Einheiten ebenfalls ein Minderheitenprogramm darstellen. Doch es gibt auch ein Segment, das im ersten Halbjahr kräftig gewachsen ist. Die Zahl der Geräte in der Leistungsklasse 50 bis 100 kW ist von 49 Einheiten im ersten Halbjahr 2025 auf immerhin 83 Stück heuer gestiegen. Genau dorthin steuert Solarfocus mit einer Erweiterung der Produktion, für die Mitte Oktober der Spaten gestochen wird. Künftig soll dort vorrangig eine neue Luftwärmepumpe mit einer Leistung von 35, 70 und 105 kW gebaut werden, die für größere Gebäude, Wohnanlagen sowie gewerbliche und industrielle Anwendungen ausgelegt ist.

Generell gilt, wenn der Absatz stockt, geraten auch die Preise unter Druck. Nicht selten wird argumentiert, dass die hohe Förderung der Vergangenheit zu überhöhten Rechnungen geführt hätte. Wie viel ein Heizungstausch tatsächlich kostet, hängt von vielen Faktoren ab. Der Verband Wärmepumpe Austria veranschlagt die Kosten für ein Einfamilienhaus zwischen 15.000 und 40.000 Euro. Nachdem der Fördertopf für heuer bereits leer ist und die Zahl der Anbieter groß ist, scheint es nun einen Sog nach unten zu geben.

Der Preisdruck steigt

Bei der Wiener Heizcool GmbH gibt es gegenwärtig eine R-290-Maschine von LG, Vaillant, Panasonic mit 9 kW fix fertig montiert um 18.500 Euro. Eine 18-kW-Wärmepumpe um 18.990 Euro bietet die HSH Hainzl Systemheizung GmbH aus Traiskirchen. Inkludiert im Preis ist ein Gerät des tschechischen Herstellers Acond, ein Boiler sowie die Montage und Inbetriebnahme der Anlage und bei Bedarf die Entsorgung einer alten Heizung. Auch bei Nibe Österreich gibt es aktuell einen Sommerbonus von tausend Euro für ausgewählte Modelle. Durchforstet man die einschlägigen Websites findet man einige Schnäppchen – auch solche für deren Montage man sich selbst umschauen muss.

Unabhängig davon, wie sich die Förderungen in der Zukunft entwickeln,es ist absehbar, dass der Preiskampf sich verschärfen wird. Und das nicht nur in Österreich, sondern europaweit. Dafür sorgen nicht zuletzt chinesische Hersteller, die sich zunehmend in Europa positionieren. Manche auf leisen Sohlen, andere mit vielversprechenden Ankündigungen. Eben erst hat Fox ESS in einer Kooperation mit dem Kölner Unternehmen Vamo den Eintritt in den deutschen Markt angekündigt. Der Anspruch ist hoch. Gemeinsam will bei man bei Qualität, Installation und Service deutsche und europäische Platzhirsche übertreffen. Erklärtes Ziel ist es, die Preis- und Wettbewerbsdynamik im deutschen Markt spürbar zu verändern.

Zahlreiche andere chinesische Hersteller haben ihre Duftmarken bereits gesetzt, wie ein Blick in das Mitgliedsverzeichnis von Wärmepumpe Austria zeigt. Dort finden sich zudem auch einige Hersteller aus Osteuropa, die den deutschen, österreichischen und schwedischen Platzhirschen das Leben nicht leichter machen. Dazu kommen traditionsreiche italienische Fabriken und als Exoten auch spanische Anbieter.

Insgesamt listet der Verband 69 Firmen auf, die hierzulande mit Wärmepumpen im Geschäft sind. Die großen Marken sind sehr präsent, manche von ihnen machen inzwischen TV-Werbung, wie die zur BWT-Gruppe gehörende Best Heating Technology (Windhager). Deren Eigentümer Andreas Weißenbacher hat Großes vor und will Windhager-Maschinen künftig weltweit vermarkten. Bei Carrier-Viessmann wird in diesen Tagen über den Einstieg als Großsponsor bei Bayern München beraten – ein Deal mit einem Volumen von 250 Millionen Euro. Zahlreiche andere Traditions-Hersteller, wie Vaillant, Nibe, Ochsner, Stiebel Eltron und idM, um nur einige zu nennen, setzen auf die intensive Umgarnung der Handwerker:innen, die im Idealfall nah an den Kund:innen sind. Auch über den Sanitär-Großhandel werden Wärmepumpen verkauft, so richtig hochgeknallt ist diese dort aber nicht, was wohl daran liegt, dass die Installation und Einbindung ins Energiesystem sich nicht über die Rampe verkauft, wie eine Armatur oder ein Abwasserrohr. Viele Kund:innen sind gut informiert und damit anspruchsvoll, sie wollen ein Gegenüber, das plant, installiert, die Inbetriebnahme erledigt und im Bedarfsfall auch nachjustiert. Eine Anforderung, die den klassischen Installateur nicht selten überfordert, wenn die Routine für die Einbindung von Photovoltaik, Speicher & Co. fehlt.

Polen als Drehkreuz

Die Komplexität der Integration in haustechnische Gesamtsysteme hat eine Reihe von Betrieben hervorgebracht, die sich als Wärmepumpen-Spezialisten positioniert haben. Ganz abgesehen vom Sonderfall der Firma heizma, die sich mit der digitalen Auftragsabwicklung einen Namen gemacht hat, gibt es regional agierende Installateur:innen, die vermehrt auch auf eigene Marken setzen.
Einen speziellen Zugang zum heimischen Markt wählt die polnische Sunex-Gruppe. Sie erzeugt seit rund 20 Jahren Pumpengruppen, Speicher und hat mit Nexus eine eigene Wärmepumpen-Marke. 2023 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro, in den Jahren danach deutlich weniger. Im Eigentum der Gruppe steht auch der Installateur Krobath mit sechs Standorten in der Steiermark, NÖ und dem Burgenland. Auch der deutsche Installationsbetrieb Drolsbach mit rund zwanzig Mitarbeitern gehört zu Sunex. Und in Ennsdorf (OÖ) ist die Gloobi Handels GmbH angesiedelt. Dabei handelt es sich um einen Großhandel, der seit zwei Jahren Sunex-Produkte und vieles mehr online vertreibt. Als Chef fungiert dort Alfons Schinagl. Er ist auch Inhaber der Firma SA-Energie, die sich mit rund 20 Beschäftigten der Konzeption und Installation von Heizungsanlagen widmet.

Einen ähnlichen Zugang zum Markt hat die Grabner Haustechnik GmbH aus Linz. Das Installationsunternehmen hat eine eigene Wärmepumpe und Geräte des italienischen Herstellers Bongioanni im Programm. Wo die fünf Modelle der Grabner-Geräte gefertigt werden, ist nicht ersichtlich. Ähnlich verhält es sich bei der Rockenbauer Wärmepumpen GmbH aus Hollabrunn. Sie vertreibt Geräte der Marke „Rock“. Drei Viertel des Unternehmens hält Ernst Seifried, er ist auch Inhaber der gleichnamigen Installationsunternehmens, das mit knapp 50 Mitarbeiter:innen den Markt bearbeitet. Viele Jahre hat Seifried Heliotherm-Geräte verbaut, er war einer der ersten zertifizierten Wärmepumpen-Installateure Österreichs und verweist auf mehr als 3.000 Installationen. Woher die Rock-Geräte kommen und wie es aktuell läuft, mag Seifried nicht verraten, eine Anfrage von Building Times blieb jedenfalls unbeantwortet.

Auf Geräte der beiden schwedischen Hersteller CTC und Aira setzt die Bauer Wärmepumpen GmbH aus Hofstetten (NÖ). Das Unternehmen wurde in den 1970er-Jahren gegründet und ist ein vergleichsweise kleiner Player. Aira hat seinen Stammsitz in Schweden, produziert wird in Polen. Das wirtschaftsstarke Land ist insgesamt zu einem der wichtigsten europäischen Produktionsstandorte für Heiztechnik geworden. Dort logiert auch die zur Hargassner-Gruppe gehörende HAT Heiztechnik, die Wärmepumpen und Pelletsklessel erzeugt. Mit der Übernahme der Mehrheit an HT Heiztechnik durch die österreichische Branchengröße gelangt die polnische Fertigungstechnologie direkt in den österreichischen Fachvertrieb. Weitere Anbieter sind FoxAir und Galmet, die primär im B2B-Bereich über spezialisierte Kälte- und Heizungsgroßhändler vertreiben. Entscheidend für Österreich ist: für die Inanspruchnahme der österreichischen Förderungen (z. B. „Raus aus Öl und Gas“) muss die Wärmepumpe in der offiziellen EHPA-Liste bzw. Förderdatenbank für effiziente Wärmepumpen gelistet sein.

Die großen Chinesen

Mit der Förderung nicht so genau nehmen es die chinesischen Hersteller. Sie fertigen zu Kosten, die es ermöglichen, auch ohne Fördergeld zu punkten. Deutlich sichtbar gemacht hat sich etwa Midea auf der jüngsten Energiesparmesse. Dort war das Salzburger Unternehmen Avancetec als Midea-Großhändler präsent. Inzwischen vertreiben auch andere Akteure, wie Pichler Luft, Midea-Geräte. Und mit dem polnischen Midea-Partner Zymetric mit Niederlassung in Teesdorf (NÖ) ist der Hersteller seit Mai 2026 auch im Osten Österreichs positioniert. Dazu kommt, dass der Riese aus Südchina als OEM-Hersteller zudem für europäische Marken, wie zum Beispiel für Bosch, fertigt. 2025 erzielte die Gruppe mit mehr als 190.000 Beschäftigten einem Umsatz von 54,8 Milliarden Euro. Das europäische Entwicklungszentrum hat seinen Sitz in Stuttgart. Auch beim Sponsoring greifen die Chinesen ins Volle. Seit Herbst des Vorjahres ist Midea Hauptsponsor des FC Barcelona. Nur zur Einordnung: Der größte österreichische Hersteller von Heizungswärmepumpen leistet sich Helge Payer als Markenbotschafter und ist Hauptsponsor des finnischen Skisprungteams. Allein das zeigt die Relationen, mit denen die heimischen Hersteller mittelfristig konfrontiert sind. Apropos Sponsoring: Viessmann verhandelt gerade mit Bayern München über die Übernahme von 25 Prozent. Zugleich wird eine neue Geräteserie präsentiert, die leichter und dem Vernehmen nach kostentechnisch optimiert wurde. Die Strateg:innen in Allendorf und US reagieren damit wohl auf die kommenden Gegebenheiten auf dem Markt.

Gree etwa ist einer der weltweit größten Klimagerätehersteller und hat mit der Marke Versati auch Wärmepumpen im Programm. Der Vertrieb in Österreich erfolgt über den eigenen Generalimporteur (Gree GmbH in St. Margarethen/Raab) für den lokalen Fachhandel. Hisense bietet seine Luft-Wasser-Wärmepumpen über die eigene Niederlassung, die Hisense Gorenje Austria GmbH am österreichischen Markt an. Der Multi Haier wiederum verkauft über ein Netz von Kälte- und Klimatechnik-Partnern in Österreich eigene Monoblock- und Split-Wärmepumpen. Dazu kommen noch Anbieter wie Sprsun und Amitime, die hierzulande importierend oder als OEM-Hersteller tätig sind.

Kleine große Riesen

Noch ist der Anteil an chinesischen Produkten am heimischen und europäischen Markt überschaubar. Fünf Hersteller aus China haben momentan bei den Gütesiegeln der EHPA (European Heat Pump Association) einen Anteil von 0,017 Prozent. Von 628 Einheiten mit Gütesiegeln sind nur elf von chinesischen Herstellern, erklärt dazu Richard Freimüller, Obmann von Wärmepumpe Austria. In der heimischen GET-Datenbank der förderfähigen Geräte ist mit Zealux derzeit ein deklarierter chinesischer Hersteller vertreten.

Ein Freifahrtsschein für die Zukunft ist das aber nicht, wie Freimüller betont. „Das kann sich ändern, wenn der europäische Markt explodiert“, sagt er und verrät auch gleich, wie man sich vor chinesischen Geräten schützen könnte. Er überlegt die Einführung einer Reparaturgarantie und diskutiert dieses Thema mit Fachkolleg:innen aus Deutschland und der Schweiz.

Nicht gelöst werden kann mit solchen Abschottungs-Eingriffen die Stromfrage der Zukunft. Wenn Rechenzentren künftig Unmengen an elektrischer Energie absaugen, ist absehbar, dass der Strompreis steigt. Besonders dann, wenn der Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Netzkapazitäten nicht in dem Tempo ausgebaut wird, wie das notwendig wäre. Davon wiederum könnten am Ende die Hersteller von Pelletsheizungen profitieren, denn heizen muss man in unseren Breiten trotz Klimawandel noch immer.

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 23. September 2026 - zuletzt bearbeitet am 23. September 2026


FA
AutorFranz Artner
Tags
Wärmepumpen
Förderung
Richard Freimüller
Obmann Wärmepumpe Austria
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