Der europäische Baustoffmarkt steht vor drastischen Veränderungen. Steigende Rohstoff- und Baukosten, instabile Lieferketten sowie die stetig wachsenden Anforderungen an die Nachhaltigkeit und den schonenden Umgang mit Ressourcen fordern die Branche massiv heraus. Vor diesem Hintergrund strukturiert der Baukonzern Strabag sein gesamtes Baustoffgeschäft grundlegend um. Das Unternehmen bündelt die bisher verstreuten Aktivitäten entlang der Materialwertschöpfungskette erstmals strategisch unter einem einzigen Dach. Für Fachplaner und Bauträger signalisiert dieser Schritt eine Konsolidierung von Dienstleistungen und Produkten, die künftig zentral gesteuert werden.
Infrastruktur und internationale Reichweite
Die neu geordnete Organisation agiert international und ist in zwölf europäischen Ländern an insgesamt 319 Standorten aktiv. Das Netzwerk umfasst unter anderem 116 Betonmischanlagen, über 70 Steinbrüche sowie diverse Spezialanlagen für Bitumenemulsionen. Mit rund 3.000 Angestellten werden jährlich enorme Mengen bewegt, darunter etwa drei Millionen Kubikmeter Beton. Das Zusammenspiel aus industrieller Kapazität und regionaler Verankerung soll die Materialverfügbarkeit auch unter schwierigen Rahmenbedingungen absichern. „Unsere breite Aufstellung ermöglicht uns, Baustoffe verlässlich und planbar bereitzustellen“, pointiert Leopold Leonhartsberger, kaufmännischer Unternehmensbereichsleiter der neuen Einheit.
Fokus auf zirkuläre Materialströme
Das Portfolio deckt zentrale Segmente wie Beton, Stein, Kies und Bitumen ab, wird jedoch zunehmend durch alternative Lösungen ergänzt. Die strategische Ausrichtung verschiebt sich dabei spürbar in Richtung Dekarbonisierung und Ressourcenschonung. Das Ziel besteht darin, als integrierte Partnerin funktionierende Kreisläufe von der Rohstoffgewinnung bis zur Wiederverwertung zu etablieren. Für Ingenieure und Architekten gewinnt diese Ausrichtung an Relevanz, da der Einsatz von Sekundärmaterialien und das Recycling im modernen Hoch- und Tiefbau entscheidende Kriterien für die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden und Infrastrukturprojekten darstellen.
Erprobung innovativer Antriebs- und Baustoffe
Die Transformation soll vor allem durch technologieoffene Ansätze im laufenden Betrieb gelingen. In den angeschlossenen Steinbrüchen erprobt das Unternehmen neue, CO2-reduzierte Verfahren, indem Förderbänder zur Energiegewinnung umgenutzt und Anlagen mit Solarstrom betrieben werden. Zudem läuft der Testbetrieb für emissionsfreie Großgeräte wie LKWs und Radlader mittels grünem Wasserstoff. Parallel dazu betreibt die Gruppe in Wien ein Reallabor für Nachhaltiges Bauen. Dort untersuchen Fachleute alternative und nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Schafwolle und Lehm unter realen Bedingungen, um sie gezielt für den breiten Markteinsatz weiterzuentwickeln.