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Fossilfreier Zimmer-Service
Projekte & Visionen
Ein 70er-Jahre-Pflegeheim wird zum Hotel und dafür rundum erneuert sowie klimafit gemacht. Die Caritas investiert rund 22 Millionen Euro in ein Vorzeigeprojekt, das mehrere Dimensionen der Nachhaltigkeit bedient.
Es ist ein schönes Projekt, es ist ein gutes Projekt und es nützt auch dem Klimaschutz. Beim Umbau eines Hauses aus den 1970er-Jahren in der Wiener Laufbergergasse 12 zum Magdas Hotel Vienna Prater wird demonstriert, dass Social Business, kreislauffähiges Bauen und innovative Haustechnik zusammengehen. Das Haus hat Vergangenheit, es war bis 2014 ein Pflegeheim, das wegen mangelnder Barrierfreiheit seinen Betrieb eingestellt hat. Danach wurde es bis in den Herbst 2022 als Pop-up-Hotel genutzt, nun erfolgt die nächste Nutzungsphase als 3-Stern+-Hotel. Geplant vom Atelier Heiss Architekten wird das Gebäude der Caritas der Erzdiözese Wien saniert und auf einen modernen Standard gebracht. Die Eröffnung des barrierefreien Gartenhotels ist für das Frühjahr 2027 geplant. Ein Teil der künftig rund 45 Beschäftigten hat Fluchterfahrung, womit das Hotel auch der Integration dieser Menschen in den regulären Arbeitsmarkt dient.
Graue Energie nutzen,372 Tonnen CO2 pro Jahr sparen
Der Erhalt der bestehenden Grundstruktur verhindert unnötige Abbruch-Emissionen. Der vollständige Rückbau bis auf die Tragstruktur ermöglichte eine strukturelle Neuplanung des gesamten Hauses. Durch die umfassende thermische Sanierung der Hülle, neue Holz-Alu-Fenster und den vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger spart das Gebäude im Betrieb künftig jährlich 372 Tonnen CO2. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft wird im Interior konsequent gelebt: Zahlreiche Baustoffe und Möbel – von ausgemusterten ÖBB-Kleiderhaken über Mosaike aus Fliesen aus dem Bestand bis hin zu Re-Use-Parkettböden – erhalten durch Upcycling ein zweites Leben. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketing-Gag, sondern bauliche Verantwortung“, betont Gabriela Sonnleitner, Geschäftsführerin von Magdas Social Business. Jetzt, wo das Gröbste auf der Baustelle vorbei ist, ist sie sichtlich stolz: „Wir beweisen, dass man ein komplexes Bestandsobjekt aus den 1970er-Jahren mit all seinen baulichen Defiziten in ein echtes Vorzeigeprojekt verwandeln kann – ökologisch konsequent, wirtschaftlich durchdacht und ein Ort zum Wohlfühlen.“
Altlasten überwunden
Rein baulich ist die Sanierung eine Herkules-Aufgabe, die vom Generalunternehmen Porr Bau GmbH bewältigt wird. „Die Transformation eines alten Pflegeheims in ein offenes, lebendiges Hotel war architektonische Präzisionsarbeit“, erklärt Severa Horner, Partnerin bei Atelier Heiss Architekten. „Wir haben die bestehende Struktur respektiert, aber durch gezielte Entkernung, viel Licht und nachhaltige Materialien einen Ort geschaffen, der atmet und Begegnung fördert.“
An Überraschungen auf der Bestands-Baustelle hat es nämlich nicht gefehlt: Während der Abbrucharbeiten stellte sich heraus, dass historische Bestandspläne fehlerhaft waren. Einige tragende Wände und Unterzüge existierten statisch nicht wie verzeichnet, was kurzfristige statische Gegenmaßnahmen im Bauablauf erforderte. Auch das früher an das Haus angedockte Stiegenhaus wurde entfernt, um den freien Blick in den prächtigen Garten zu realisieren.
Weiters kam viel Asbest zum Vorschein. Im Zuge des Schadstoffrückbaus mussten 48 Tonnen asbesthaltiges Material aus alten Abfluss- und Lüftungsleitungen fachgerecht demontiert und entsorgt werden. Weiters stieß man beim Aushub des großzügigen Gartens auf Betonreste und Bauschutt, die bei der Errichtung des Gebäudes 1975 einfach im Boden vergraben worden waren. Das Material musste kostenintensiv zu Recyclingdeponien verfrachtet werden. Herausgefordert wurden die Planer:innen auch durch schiefe Böden: Die historischen Fußbodenaufbauten schwankten pro Geschoß um bis zu 2 Zentimeter, was aufwendige technische Umplanungen der Fußbodenkonstruktionen mit sich brachte.
Übrigens: Im neuen Haus entstehen drei barrierefreie Zimmer. Damit Gäste diese selbstständig buchen können, werden sie im Buchungssystem als komplett eigene Kategorie geführt – mit detaillierten Angaben zu Maßen, Wendekreisen, bodengleichen Duschen und Haltegriffen.
Fossilfreie Haustechnik
An der Fassade setzt das Hotel auf nachwachsende Holzweichfaserdämmplatten statt erdölbasierter EPS-Dämmung. Nur im Sockelbereich kommt XPS-Dämmung zum Einsatz. Die früher vorhandenen Balkone wurden entfernt, dafür verfügen die Zimmer jeweils über französische Fenster.
In den insgesamt 103 Hotelzimmern kommt ein Klimapaneel der Firma abaton zum Einsatz: Es kühlt und heizt geräuschlos ohne Zugluft und reduziert durch ein Feuchtepuffer-System den Kühlstrombedarf um bis zu 45 Prozent im Vergleich zu konventionellen Kühldecken. Gekühlt wird klimaschonend per Free Cooling über das Wiener Grundwasser. Dazu wurden auf dem Gelände mehrere Grundwasserbrunnen errichtet. Noch nicht in Betrieb, aber schon geliefert sind die Wärmepumpen. Im Keller des Hotels stehen zwei Maschinen von enerblue. Insgesamt besteht das Konzept aus einer Kaskade aus zwei Wasser/Wasser und zwei Luft/Wasser-Wärmepumpen. Ergänzend dazu wird eine 73 kw-peak-Photovoltaikanlage künftig etwa 30 Prozent des Strombedarfs des Hotels liefern. Für die Lüftung kommt ein X-Cube von Trox zum Einsatz, den Fettabscheider für die Küche hat Aco geliefert. Die Spülkästen in den Toiletten sind von Geberit. Installiert wird die Haustechnik von der Ing. Johannes Schneider GmbH, einem Unternehmen der Stolz-Gruppe. Die Haustechnikplanung hat die Mischek Haustechnik GmbH erledigt, die Bauphysik wurde von der B-LAB ZT GmbH beigesteuert. Rein vom Platz her war die nun installierte Gebäudetechnik eine Herausforderung, wie auch der Porr-Bauleiter David Kohlbach erklärt.
Bei der Ausstattung der Zimmer kommt einiges an Recyclingmaterial zum Einsatz. Kreiert wurden die Zimmer vom Berliner Studio Asslinger. Holzplatten, die als Bühne des European Song-Contest im Einsatz waren, wurden in den Werkstätten der Caritas in Betthäupter verwandelt. Terazzo-Platten, die beim Umbau der AK Wien ausgebaut wurden, werden im Hotel erneut verbaut. Auch die Kleiderhaken von ausrangierten ÖBB-Waggons finden im Magdas erneut Verwendung. Die Innenausstattung des Hotels und der Umbau sind mit insgesamt 22 Millionen Euro veranschlagt. Rund 800.000 Euro davon werden über Förderungen lukriert. Firmenspenden werden übrigens nicht verbaut, die Ausschreibung aller Gewerke erfolgte konventionell, wie Sonnleitner betont. Sie ist zuversichtlich, dass das Investment sich im Lauf der Jahre durch den Hotelbetrieb wieder einspielt. Wie viel eine Übernachtung künftig kosten wird, orientiere sich nach dem Markt.
Schlafen bei Magdas
2015 eröffnete in Wien das erste magdas Hotel in einem ehemaligen Pflegewohnhaus am Wiener Prater. Seit Herbst 2022 begrüßt das Hotel seine Gäste in einem ehemaligen Priesterwohnhaus in Wien-Landstraße. Dort stellt man neben der ökologischen auch die soziale Nachhaltigkeit ins Zentrum. Rund 100 Menschen mit Fluchterfahrung haben im Magdas Hotel ihre Karriere begonnen – Menschen, die den Arbeitsmarkt in der Zwischenzeit in anderen Betrieben bereichern. Ab 2027 wird das Magdas im Prater das Konzept um das dann generalsanierte Haus im Prater erweitern.
Graue Energie nutzen,372 Tonnen CO2 pro Jahr sparen
Der Erhalt der bestehenden Grundstruktur verhindert unnötige Abbruch-Emissionen. Der vollständige Rückbau bis auf die Tragstruktur ermöglichte eine strukturelle Neuplanung des gesamten Hauses. Durch die umfassende thermische Sanierung der Hülle, neue Holz-Alu-Fenster und den vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger spart das Gebäude im Betrieb künftig jährlich 372 Tonnen CO2. Auch das Thema Kreislaufwirtschaft wird im Interior konsequent gelebt: Zahlreiche Baustoffe und Möbel – von ausgemusterten ÖBB-Kleiderhaken über Mosaike aus Fliesen aus dem Bestand bis hin zu Re-Use-Parkettböden – erhalten durch Upcycling ein zweites Leben. „Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketing-Gag, sondern bauliche Verantwortung“, betont Gabriela Sonnleitner, Geschäftsführerin von Magdas Social Business. Jetzt, wo das Gröbste auf der Baustelle vorbei ist, ist sie sichtlich stolz: „Wir beweisen, dass man ein komplexes Bestandsobjekt aus den 1970er-Jahren mit all seinen baulichen Defiziten in ein echtes Vorzeigeprojekt verwandeln kann – ökologisch konsequent, wirtschaftlich durchdacht und ein Ort zum Wohlfühlen.“
Altlasten überwunden
Rein baulich ist die Sanierung eine Herkules-Aufgabe, die vom Generalunternehmen Porr Bau GmbH bewältigt wird. „Die Transformation eines alten Pflegeheims in ein offenes, lebendiges Hotel war architektonische Präzisionsarbeit“, erklärt Severa Horner, Partnerin bei Atelier Heiss Architekten. „Wir haben die bestehende Struktur respektiert, aber durch gezielte Entkernung, viel Licht und nachhaltige Materialien einen Ort geschaffen, der atmet und Begegnung fördert.“
An Überraschungen auf der Bestands-Baustelle hat es nämlich nicht gefehlt: Während der Abbrucharbeiten stellte sich heraus, dass historische Bestandspläne fehlerhaft waren. Einige tragende Wände und Unterzüge existierten statisch nicht wie verzeichnet, was kurzfristige statische Gegenmaßnahmen im Bauablauf erforderte. Auch das früher an das Haus angedockte Stiegenhaus wurde entfernt, um den freien Blick in den prächtigen Garten zu realisieren.
Weiters kam viel Asbest zum Vorschein. Im Zuge des Schadstoffrückbaus mussten 48 Tonnen asbesthaltiges Material aus alten Abfluss- und Lüftungsleitungen fachgerecht demontiert und entsorgt werden. Weiters stieß man beim Aushub des großzügigen Gartens auf Betonreste und Bauschutt, die bei der Errichtung des Gebäudes 1975 einfach im Boden vergraben worden waren. Das Material musste kostenintensiv zu Recyclingdeponien verfrachtet werden. Herausgefordert wurden die Planer:innen auch durch schiefe Böden: Die historischen Fußbodenaufbauten schwankten pro Geschoß um bis zu 2 Zentimeter, was aufwendige technische Umplanungen der Fußbodenkonstruktionen mit sich brachte.
Übrigens: Im neuen Haus entstehen drei barrierefreie Zimmer. Damit Gäste diese selbstständig buchen können, werden sie im Buchungssystem als komplett eigene Kategorie geführt – mit detaillierten Angaben zu Maßen, Wendekreisen, bodengleichen Duschen und Haltegriffen.
Fossilfreie Haustechnik
An der Fassade setzt das Hotel auf nachwachsende Holzweichfaserdämmplatten statt erdölbasierter EPS-Dämmung. Nur im Sockelbereich kommt XPS-Dämmung zum Einsatz. Die früher vorhandenen Balkone wurden entfernt, dafür verfügen die Zimmer jeweils über französische Fenster.
In den insgesamt 103 Hotelzimmern kommt ein Klimapaneel der Firma abaton zum Einsatz: Es kühlt und heizt geräuschlos ohne Zugluft und reduziert durch ein Feuchtepuffer-System den Kühlstrombedarf um bis zu 45 Prozent im Vergleich zu konventionellen Kühldecken. Gekühlt wird klimaschonend per Free Cooling über das Wiener Grundwasser. Dazu wurden auf dem Gelände mehrere Grundwasserbrunnen errichtet. Noch nicht in Betrieb, aber schon geliefert sind die Wärmepumpen. Im Keller des Hotels stehen zwei Maschinen von enerblue. Insgesamt besteht das Konzept aus einer Kaskade aus zwei Wasser/Wasser und zwei Luft/Wasser-Wärmepumpen. Ergänzend dazu wird eine 73 kw-peak-Photovoltaikanlage künftig etwa 30 Prozent des Strombedarfs des Hotels liefern. Für die Lüftung kommt ein X-Cube von Trox zum Einsatz, den Fettabscheider für die Küche hat Aco geliefert. Die Spülkästen in den Toiletten sind von Geberit. Installiert wird die Haustechnik von der Ing. Johannes Schneider GmbH, einem Unternehmen der Stolz-Gruppe. Die Haustechnikplanung hat die Mischek Haustechnik GmbH erledigt, die Bauphysik wurde von der B-LAB ZT GmbH beigesteuert. Rein vom Platz her war die nun installierte Gebäudetechnik eine Herausforderung, wie auch der Porr-Bauleiter David Kohlbach erklärt.
Bei der Ausstattung der Zimmer kommt einiges an Recyclingmaterial zum Einsatz. Kreiert wurden die Zimmer vom Berliner Studio Asslinger. Holzplatten, die als Bühne des European Song-Contest im Einsatz waren, wurden in den Werkstätten der Caritas in Betthäupter verwandelt. Terazzo-Platten, die beim Umbau der AK Wien ausgebaut wurden, werden im Hotel erneut verbaut. Auch die Kleiderhaken von ausrangierten ÖBB-Waggons finden im Magdas erneut Verwendung. Die Innenausstattung des Hotels und der Umbau sind mit insgesamt 22 Millionen Euro veranschlagt. Rund 800.000 Euro davon werden über Förderungen lukriert. Firmenspenden werden übrigens nicht verbaut, die Ausschreibung aller Gewerke erfolgte konventionell, wie Sonnleitner betont. Sie ist zuversichtlich, dass das Investment sich im Lauf der Jahre durch den Hotelbetrieb wieder einspielt. Wie viel eine Übernachtung künftig kosten wird, orientiere sich nach dem Markt.
Schlafen bei Magdas
2015 eröffnete in Wien das erste magdas Hotel in einem ehemaligen Pflegewohnhaus am Wiener Prater. Seit Herbst 2022 begrüßt das Hotel seine Gäste in einem ehemaligen Priesterwohnhaus in Wien-Landstraße. Dort stellt man neben der ökologischen auch die soziale Nachhaltigkeit ins Zentrum. Rund 100 Menschen mit Fluchterfahrung haben im Magdas Hotel ihre Karriere begonnen – Menschen, die den Arbeitsmarkt in der Zwischenzeit in anderen Betrieben bereichern. Ab 2027 wird das Magdas im Prater das Konzept um das dann generalsanierte Haus im Prater erweitern.
FA
AutorFranz Artner
Tags
Hotel
Haustechnik
Magdas
Caritas
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