Ein Drittel der Dämmstoffe mangelhaft
Die EU-Marktüberwachung deckt gravierende Mängel bei Wärmeschutz und Brandsicherheit auf.
Effiziente Dämmstoffe bilden das Fundament für die energetische Optimierung des Gebäudesektors und die Reduktion von CO2-Emissionen. Eine breit angelegte Kontrollaktion europäischer Marktüberwachungsbehörden zeichnet nun jedoch ein ernüchterndes Bild der Produktqualität. Im Rahmen der Prüfkampagne „Gemeinsame Maßnahmen zur Konformität von Produkten 2025“ verfehlte rund ein Drittel der geprüften Baustoffe die deklarierten Leistungswerte. Für Architekten und Fachplaner verdeutlicht die Erhebung das latente Risiko nicht eingehaltener Planungskennwerte.
Untersuchung im europäischen Binnenmarkt
Die Aufsichtsorgane zogen insgesamt 106 Materialproben in 14 Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Schweden und Italien. Der Einkauf erfolgte über den stationären Fachhandel, digitale Vertriebskanäle sowie direkt ab Werk. Untersucht wurden sechs etablierte Dämmstoffarten: EPS, XPS, Mineralwolle, Schaumglas, Holzwolle und Holzfaser. Im Fokus der akkreditierten Laboranalysen standen der Wärmedurchlasswiderstand, die Nenndicke sowie das Brandverhalten der Materialien.
Wärmeleitfähigkeit verfehlt Vorgaben
Bei der Überprüfung des Wärmedurchlasswiderstands stellten die Prüfer signifikante Abweichungen fest. Von 97 getesteten Proben verfehlten 31 Stück – was einer Quote von 32 Prozent entspricht – die behördlichen und herstellerseitigen Vorgaben. Vielfach blieb die tatsächliche Dämmwirkung hinter den Spezifikationen zurück, teils unterschritten die Chargen zudem die angegebene Materialstärke. Für die Praxis bedeutet dies eine spürbare Abweichung zwischen berechneter Energiebilanz und realer Gebäudeperformance.
Brandschutzklassen nicht eingehalten
Besonders kritisch stufen die Experten die Defizite beim Brandschutz ein. Von 81 untersuchten Proben hielten elf Produkte (14 Prozent) der angegebenen Brandverhaltensklasse nicht stand. Auffällig zeigte sich die Fehlerquote bei der brennbaren Klasse E, bei der 15 Prozent der Muster durchfielen. In der als nicht brennbar deklarierten Klasse A2 scheiterten sogar beide getesteten Produkte. Bei einer fehlerhaften Klassifizierung droht im Ernstfall eine schnellere Brandausbreitung als statisch und brandschutztechnisch kalkuliert.
Behördliche Konsequenzen und Verkaufsverbote
Neben den bauphysikalischen Werten beanstandeten die Prüfer formelle Nachweise: Bei 64 Prozent der Proben fehlten vollständige CE-Kennzeichnungen oder die gesetzlich vorgeschriebene Leistungserklärung. Infolgedessen stuften die Behörden zwei Proben als hohes und vier als ernstes Risiko ein, sprachen ein Verkaufsverbot aus und nahmen sieben Fabrikate vollständig vom Markt. „Marktüberwachungskampagnen tragen zum Verbraucherschutz bei und stellen sicher, dass seriöse Unternehmen nicht von Wettbewerbern unterboten werden, deren Produkte die angegebenen Leistungsmerkmale nicht erfüllen“, betonte Vanessa Capurso von der EU-Generaldirektion Binnenmarkt.
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