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Breiter Aufgestellt

Josef und Marius Moser

Architekt Josef Moser war rund ein Jahrzehnt lang massiv in den Neubau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) involviert. Seit dem Eintritt seines Sohnes Marius ist der Klinikbau nicht mehr alles.
Mit der Planung der neuen Radiologie in Graz (s. S. 42) haben die Wiener Moser Architects wieder eine klassische Arbeit abgeliefert. Und dennoch wird betont, dass seit dem Eintritt von Moser-Sohn Marius das Büro breiter aufgestellt ist. Heute machen die Planungen für Bauten im Gesundheitswesen rund zwei Drittel des Auftragsvolumens aus, früher war es mehr. „Ich bin mehr oder weniger im Krankenhaus-Bau aufgewachsen“, sagt Marius Moser im Gespräch mit Building Times. „Durch den Eintritt von Marius sind wir jetzt breiter aufgestellt, das muss man schon sagen“, bestätigt Josef Moser.

Der um 30 Jahre ältere Senior Josef Moser, der seit 1970 selbstständig ist und zehn Jahre lang Planungschef beim Wiener AKH war, wurde davon stark geprägt, genauso wie die Firmengeschichte. Die Planungen für Krankenhausbauten in Sibirien mit 500 Betten, Uganda und Buenos Aires haben ihn über Europa hinaus bekannt werden lassen.

Nach Projektleitungen bei Marchart, Moebius & Partner sowie Praktika bei Walter Grohe und Sepp Frank hat Marius Moser 1997 die Ziviltechnikerprüfung abgelegt und im Jahr 2000 in der Partnerschaft mit Vater Josef Moser die „Moser Architekten“ gegründet, an denen er 51 Prozent hält, und „von Großprojekten bis zu kleinen Aufträgen alles macht“. Durch mehrere weitere Gründungen ist daraus bis heute eine ganze Firmengruppe entstanden. Als wesentlichste Neugründung wird die „Moser Health Care Consulting Engineers GmbH“ bezeichnet. „Sie beschäftigt sich primär mit der Planung von Medizintechnik und ist vor allem im Ausland sehr gefragt. Wir machen weitaus mehr als nur die Architektur“, hält Marius Moser fest.

Moser Architekten hat knapp mehr als 100 Beschäftigte, von denen zwei Drittel eine langjährige Stammmannschaft sind, „rund 70 haben wir schon über sehr, sehr viele Jahre“, sagt Moser. Die kommen aus rund 20 Ländern und sprechen ca. 20 Sprachen. „In manchen Ecken des Büros wird Spanisch gesprochen, in manchen Englisch. Die Sitzordnung ist so angelegt, dass ältere, erfahrene Mitarbeiter:innen mit jungen zusammengesetzt werden, die neue Ideen mitbringen. So herrscht immer wieder frischer Wind“. Bei den Geschlechtern herrscht ungefähr Parität.

Rund 12 Millionen Euro Umsatz

Im Vorjahr haben Moser Architekten rund zwölf Millionen Euro Umsatz erzielt, für heuer erwarten sie „eine Spur weniger“. Die Wohnbauflaute hätte das Büro auch gespürt, mache aber inzwischen rund ein Drittel des Umsatzes in der Hotellerie und im großvolumigen Wohnbau, beispielsweise für die Bundespensionskasse. „Wir fokussieren uns auf andere Sparten“. Es habe allerdings Ausfälle gegeben, „weil es die Firmen schlicht und einfach nicht mehr gibt. Wir brauchen aber keine Kredite und auch keinen Überziehungsrahmen“, sagt Marius Moser.

Während Josef Moser am Rand von Wien einen an einem Steilhang gelegenen Rohbau übernommen hat, an dem er viele Umbauten vornehmen musste, wohnt Marius in einem selbst geplanten Haus, wozu er meint: „Es ist sehr, sehr schwierig, für sich selbst zu planen. Ich habe mir sehr, sehr viel Zeit genommen und im Laufe der Zeit immer mehr reduziert. Dann habe ich die Küche als erstes beauftragt“.

Als Projektentwickler alles selbst gemacht

Auf die Frage nach seinem liebsten Projekt gibt Marius Moser eine einigermaßen überraschende Antwort: „Ich wollte bei einem Projekt für alles verantwortlich sein, also die Finanzierung, die Entwicklung des Projektes, die Standortsuche und die Planung. Das haben wir dann als Generalunternehmer in einer eigenen Projektgesellschaft gebaut und auch eine Betriebsgesellschaft gegründet. Das wurde das Hotel Mooons am Wiener Hauptbahnhof. Dort haben wir alles gemacht und mit Gewinn an einen deutschen Fonds verkauft“.

Just am Tag des Interviews wurden am Universitäts-Forschungscampus des AKH Wien die Moser-Planungen „Eric Kandel Institut – Zentrum für Präzisionsmedizin“ und das „Zentrum für Translationale Medizin“ eröffnet. In Linz wird „das derzeit größte Projekt des Büros Moser umgesetzt, die Realisierung des Masterplans für die Barmherzigen Schwestern in Linz. Das bestehende Krankenhaus wird um- und ausgebaut, dazu kommt ein Neubau. Das ist auch ein logistisches Problem“, erklärt der Architekt, „einerseits bei laufendem Betrieb, und andererseits, weil das Krankenhaus im Zentrum von Linz liegt“. Das Projekt ist 300 Millionen Euro schwer.

Architektur-Wettbewerbe spielen für das Büro eine große Rolle, „weil die meisten unserer Projekte von der Öffentlichen Hand realisiert und daher ausgeschrieben werden müssen“, sagt Moser. Soeben hat sein Büro in Deutschland zwei Wettbewerbe gewonnen: „An einem Projekt in Sigmaringen wird schon gearbeitet“.

Ein Gefängnis in Moldawien zu planen, wurde an Moser Architekten bereits herangetragen, von diesen aber abgelehnt. Was sie ebenfalls nicht machen, sind Projekte bei denen ein Verlust absehbar ist, oder Projekte, „bei denen der Auftraggeber nicht passt“.

TGA-Anforderungen viel höher

Seit der Jahrtausend-Wende seien die Anforderungen in der Medizin-, der Haus- und der Elektrotechnik viel höher geworden, das gehe aber hin bis zu Büro- und Wohnbauten. Die Gestaltung nimmt einen kleineren Anteil ein, überdies seien die „Vorgaben des Auftraggebers vom Anfang bis zum Ende einzuhalten“, hat Marius Moser festgestellt.

In der Gebäudetechnik seien die Anforderungen gestiegen, auch weil sich die Energiekosten keiner mehr leisten könne, weshalb Photovoltaik, Wärmepumpen und Tiefensonden stark an Bedeutung gewännen. „Allerdings sind die Auftraggeber durchaus bereit, dafür auch ein Budget aufzubringen. Deutlich zunehmend wird in Life-Cycles gedacht, das ist viel entscheidender als die Investition. Die Auftraggeber sind daher durchaus bereit, in höherer Qualität zu bauen.

Schlechte Architektur liegt für Architekt Marius Moser dann vor, wenn die Anforderungen des Auftraggebers nicht erfüllt werden und stadtplanerisch dann, wenn keine Einbindung in das Umfeld erfolgt. „Ich habe Architektur deshalb studiert, weil mich deren enorm breites Spektrum fasziniert hat. Man ist nicht nur Gestalter, sondern das Bauwerk muss auch funktional durch Qualität überzeugen und alle Anforderungen erfüllen“. 

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 23. Oktober 2026 - zuletzt bearbeitet am 23. Oktober 2026


HC
AutorHannes Ch. Steinmann
Tags
Projekt
Büro
Planung
Josef Moser
Marius Moser
AKH

Unternehmen

UnternehmenMoser Architekten
Standort
buildingTIMES
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