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Belohnter Weitblick

Markt & Macher

Herz feiert heuer 130 Jahre Firmenjubiläum. Die globale Ausrichtung und das Management der Gruppe mit Bodenhaftung sorgen für Stabilität. Für den Fortbestand wurde eine gemeinnützige Stiftung eingerichtet.
Es war ein schönes Stück Arbeit, doch die 36 Jahre haben sich gelohnt. Der Unternehmer Gerhard Glinzerer hat die 1989 vor dem Aus stehende Firma Herz übernommen und daraus eine Paradegruppe der heimischen Gebäudetechnik geschmiedet. Die Gruppe zählt heute rund 3.200 Beschäftigte, die in 44 Produktionsstätten und 50 Tochterunternehmen in Summe 2025 einen Jahresumsatz von 575 Millionen Euro erwirtschafteten.
Heuer ist ein Jubiläumsjahr, Herz zelebriert sein 130-jähriges Bestehen. Begonnen hat die Geschichte einst mit Armaturen, Apparaten und Metallwaren, später kamen große und kleine Biomasseanlagen, Wärmepumpen und mit Hirsch Servo wurden ein Big-Player für Dämmstoffe und Verpackungen integriert. Herz-Produkte und Lösungen sind inzwischen weltweit in Gebäuden verbaut – von der Mirny-Station in der Antarktis bis zum Burj Khalifa in Dubai. Richtig wichtig geworden sind in den vergangenen Jahrzehnten die Länder Ost- und Südosteuropas und der Nahe Osten. Die breite geografische Aufstellung der Gruppe sei ein wichtiger Vorteil. Man sei nicht von einem einzelnen Markt abhängig und wenn sich die Konjunktur in einem Land abschwäche, können andere Regionen das ausgleichen, so der aus einem steirischen Dorf stammende Geschäftsführer. „Diese internationale Diversifizierung gibt uns Stabilität und eröffnet gleichzeitig neue Wachstumschancen“, betont Glinzerer, der in seiner Freizeit Kajak fährt oder am Gashebel einer Motocross-Maschine dreht.

Glinzerer ist Unternehmer aus Leidenschaft und wohl deshalb noch lange nicht bereit für den Ruhestand. Vorgesorgt hat Glinzerer, der heuer seinen 72. Geburtstag feiert, dennoch. Und auch dafür hat sich der zielstrebige und weltoffene Steirer etwas Besonderes ausgedacht. Glinzerer hat die von ihm aufgebaute Unternehmensgruppe in eine gemeinnützige Stiftung überführt, was hierzulande in dieser Größenordnung ein absolutes Unikum darstellt. Gefördert werden soll über die Stiftung die Ausbildung im Bereich Gebäudetechnik, die Glinzerer ein spezielles Anliegen ist. In seiner Funktion als Stiftungsvorstand nimmt er weiterhin eine zentrale und richtungsweisende Rolle ein. Ans Aufhören denkt er nämlich nicht, das würde auch nicht zu ihm passen, sein Lebenswerk in fremde Hände zu geben. So lange er gesund sei, spricht aus seiner Sicht nichts dagegen noch ein paar Jahre am Ball zu bleiben. Die Vorbereitungen für die künftige Führung der Gruppe seien aber dennoch am Laufen.

Im Building Times-Gespräch spricht Gerhard Glinzerer über die Zukunft der Industrie in Österreich, den Aufstieg Chinas, die Bedeutung Osteuropas für sein Unternehmen und die Herausforderungen einer Branche, die zwischen Innovation, Fachkräftemangel und steigenden Kosten steht.

Interview: Gerhard Glinzerer

Building Times: Herr Dr. Glinzerer, Sie haben Ihre Anteile im Vorjahr nach 36 Jahren an eine gemeinnützige Stiftung übertragen. Wie groß ist der Trennungsschmerz?

Glinzerer: Eigentlich gibt es keinen Trennungsschmerz. Im täglichen Ablauf hat sich für mich kaum etwas verändert. Ich halte weiterhin Anteile an der Holding und verfüge nach wie vor über die Mehrheit der Stimmrechte. Die Stiftung ist zudem so gestaltet, dass Kontinuität gewährleistet ist. Ich bin weiterhin aktiv und viel unterwegs – Deutschland, Serbien, Polen, Ägypten, Emirate, …. Es läuft also im Grunde wie bisher.

BT: Wann wird die Stiftung erstmals Projekte fördern?

Glinzerer: Mit dem Abschluss des laufenden Wirtschaftsjahres wird erstmals eine Dividende an die Stiftung ausgeschüttet. Im Herbst wollen wir die ersten Projekte unterstützen. Ein Schwerpunkt wird sicher im Bildungsbereich liegen, insbesondere bei den HTLs. Dort gibt es oft weniger finanzielle Spielräume als an Berufsschulen. Aber grundsätzlich kann jeder mit einer guten Idee auf uns zukommen.

BT: Sie sind mit Ihrem Unternehmen in vielen Ländern aktiv. Wo liegen heute die wichtigsten Märkte?
Glinzerer: Unser Schwerpunkt liegt ganz klar in Osteuropa. Wir sind von Estland und Lettland bis Bulgarien präsent, dazu kommen die Länder des ehemaligen Jugoslawien und Zentralasien mit Kasachstan oder Usbekistan. In vielen dieser Märkte sind wir seit Jahrzehnten mit eigenen Gesellschaften, Lagern und Mitarbeitern vertreten. Das ist ein großer Vorteil, weil wir die Kunden vor Ort betreuen und schnell reagieren können. Daneben gewinnen die Emirate und der arabische Raum zunehmend an Bedeutung.

BT: Wie stark wirkt sich der Krieg im Nahen Osten auf das Geschäft dort aus?

Glinzerer: Es belastet uns vor allem beim Transport und es gibt eine gewisse Verunsicherung und Zurückhaltung. Insgesamt sehen wir dort aber ein starkes Wachstum, vor allem im Bereich Kühlung und Kaltwasseranwendungen. Auch Länder wie Indien, die Philippinen oder Teile Ostafrikas entwickeln sich sehr positiv.

BT: Und wie sieht es mit Westeuropa aus?

Glinzerer: Westeuropa ist ein schwieriger Markt mit etablierten Strukturen und einem starken Wettbewerb. Neue Marken oder zusätzliche Produkte in den Großhandel zu bringen, ist nicht einfach. Oft geht es dabei gar nicht um den Preis, sondern um langjährige Beziehungen und eingespielte Systeme.

BT: Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs und Europas?

Glinzerer: Ich betrachte die Entwicklung mit Sorge. Der Staatsanteil an der Wirtschaft wird größer, Industrie wandert ab und das ist gerade für einen Industriestandort wie Österreich gefährlich. Industriearbeitsplätze schaffen Einkommen und ziehen viele andere Dienstleistungen nach sich. Der Tourismus allein wird uns nicht retten.

BT: Österreich gilt mittlerweile als teurer Produktionsstandort. Wie bewerten Sie die Situation?

Glinzerer: Österreich ist ein sehr teurer Standort geworden. Vor allem die Energiepreise hat man nicht rechtzeitig eingefangen – eine historische Dummheit. Gleichzeitig lassen sich massiv gestiegene Kosten vor allem im Export nicht so einfach weitergeben.

BT: Wie viel vom Gesamtumsatz der Gruppe kommt noch aus Österreich?

Glinzerer: Da liegen wir bei rund 10 bis 15 Prozent.

BT: Das heißt, wenn die Förderung gekürzt wird, hält sich der Schmerz in Grenzen?

Glinzerer: Unsere breite geografische Aufstellung ist ein wichtiger Vorteil, da wir nicht von einem einzelnen Markt abhängig sind. Wenn sich die Konjunktur in einem Land abschwächt, können andere Regionen das ausgleichen. Diese internationale Diversifizierung gibt uns Stabilität und eröffnet gleichzeitig neue Wachstumschancen.

BT: China übernimmt in vielen Zukunftstechnologien die Führung. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Glinzerer: Die Dynamik der Chinesen ist beeindruckend. Das kann man bewundern oder es kann einen beunruhigen. Insgesamt ist China auf einem sehr guten Weg, wirtschaftlich eine Führungsrolle einzunehmen. Europa dagegen beschäftigt sich oft zu sehr mit sich selbst.
BT: Wie lange werden Wärmepumpen noch in Europa produziert?

Glinzerer: Das ist schwer vorherzusagen. Für uns sind Wärmepumpen allerdings nicht das zentrale Geschäft. Im Bereich Armaturen und Gebäudetechnik spielen Beratung, Service und Ersatzteilversorgung eine große Rolle. Deshalb sehe ich hier die europäische Produktion noch nicht unmittelbar gefährdet.

BT: Wie entwickelt sich das Geschäft in Zeiten der Baukrise?

Glinzerer: Das hängt stark vom Bereich ab. Der Kesselmarkt ist schwieriger geworden, dort haben wir Kapazitäten angepasst. In anderen Bereichen läuft es sehr gut. Renovierung und Sanierung werden immer wichtiger. In einigen Ländern macht die Sanierung bereits den Großteil des Geschäfts aus.
BT: Sie fördern künftig die Ausbildung in der Gebäudetechnik. Wo sehen Sie Defizite?

Glinzerer: Das Ausbildungsniveau in Osteuropa ist teilweise höher als bei uns. Dort gibt es seit Jahren Studiengänge für Gebäudetechnik. In Österreich ist dieses Fachgebiet an den Universitäten eher unterrepräsentiert. Dabei wird die Gebäudetechnik immer wichtiger.

BT: KI und Digitalisierung sind omnipräsent und verändern auch die Gebäudetechnik. Ist Herz fit in diesen Dingen oder gibt es Nachholbedarf?

Glinzerer: Wir modernisieren selbstverständlich in diese Richtung. Rein produktseitig gibt es einen entsprechenden Ergänzungsbedarf nach Oben, weshalb wir auch jedes Jahr eine Reihe von neuen Produkten auf den Markt bringen. Die Frage ist eher, ob diese Produkte am Ende auch beim typischen Installateur ankommen.

BT: Ist Österreich technikfeindlich?

Glinzerer: Zurückhaltend würde ich sagen. In anderen Ländern dieser Welt schaut die Sache wieder ganz anders aus. Das sehen wir aufgrund der technischen Kompetenz unserer Kollegenschaft in Osteuropa.

BT: Sie selbst sind kein Techniker. Wie gelingt es dennoch, Innovation im Unternehmen voranzutreiben?

Glinzerer: Na,ja, schon als 16-Jähriger habe ich an meinem Puch-Moped herumgeschraubt und mir dadurch ein gewisses technisches Grundverständnis angeeignet (lacht). Für unsere Produkte haben wir aber hervorragende Leute in der Entwicklung – aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedensten Hintergründen. Außerdem sind wir nahe am Markt, sprechen mit Planern, beobachten die Mitbewerber und entwickeln kontinuierlich neue Produkte. Innovation entsteht im Austausch.

BT: Sie werden im Juli 72 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?

Glinzerer: Es braucht einen Nachfolger, keine Frage. Dieser Übergang wird ein bis zwei Jahre dauern. Aber solange die Gesundheit mitspielt, bin ich noch da. Ich fahre Kajak, mache Hard Enduro-Touren und bin aktiv. Ich möchte allerdings nicht bis 90 Unternehmer sein. In zwei oder drei Jahren sollte der Übergang abgeschlossen sein.

BT: Kajakfahren und Enduro mit über 70 – woher kommt diese Energie?

Glinzerer: Vielleicht daher, dass ich deutlich an Gewicht abgenommen habe. Ich fühle mich fit und habe Freude an Bewegung. Solange das so bleibt, sehe ich keinen Grund, damit aufzuhören. Nach dem letzten Enduro-Wochenende in Istrien bei 35 °C erscheint mir das Kajak auf der Salza und im Herbst auf der Soca in Slowenien allerdings immer attraktiver (lacht).

© Cachalot Media House GmbH - Veröffentlicht am 29. Juli 2026 - zuletzt bearbeitet am 29. Juli 2026


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AutorFranz Artner
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