Bauaufschwung trifft Kapazitätsgrenzen
Studie zu deutschem Markt zeigt: Die Nachfrage steigt, doch Personal und Ressourcen bremsen Projekte aus.
Der deutsche Bausektor verzeichnet laut der großangelegten Studie „Neues Bauen“ von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners in Kooperation mit dem „BaustoffMarkt“ eine spürbar anziehende Nachfrage. Für die zweite Ausgabe der Untersuchung wurden zwischen November 2025 und Januar 2026 insgesamt 433 Expert:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu Trends, Herausforderungen und Strategien befragt. Das Ergebnis zeigt eine deutliche Trendwende: Nach zwei Jahren schwacher Nachfrage blickt die Branche wieder optimistisch in die Zukunft und erwartet für die Jahre 2026 und 2027 ein durchschnittliches Umsatzwachstum von mehr als 7 Prozent.
Optimistische Prognosen nach der Flaute
Besonders stark fällt die Erwartungshaltung am Anfang der Wertschöpfungskette aus. Hier rechnen Bauträger, Planer und Bauunternehmen sogar mit einem Umsatzplus von bis zu 10 Prozent. Doch während die Auftragsbücher sich füllen, werden die Voraussetzungen für dieses Wachstum zunehmend fragiler. Zentrale Kapazitäten wachsen nicht im gleichen Tempo mit der Nachfrage mit. Als wichtigste Bremsfaktoren identifiziert die Untersuchung den akuten Fachkräftemangel, begrenzte materielle Ressourcen sowie eine langsame Umsetzung in Planung und Ausführung.
Wachstumsbremsen trotz voller Auftragsbücher
Zusätzlich belasten strukturelle Probleme wie bürokratische Hürden und steigende technische Anforderungen die Branche. Zwar versprechen politische Impulse wie der sogenannte „Bauturbo“ oder das „Sondervermögen Infrastruktur“ ein zusätzliches Umsatzpotenzial von rund 16 Prozent, doch die Experten sind skeptisch bezüglich der zeitlichen Umsetzung: Die Mehrheit der Unternehmen sieht hier keine kurzfristige Entlastung, da sich diese Maßnahmen voraussichtlich erst ab dem Jahr 2027 spürbar auswirken werden.
Politische Impulse mit Verzögerungseffekt
In der Summe erhöht das das Risiko, dass Projekte später starten, länger dauern oder teurer werden und damit der Aufschwung an Dynamik verliert. Für Bauunternehmen, Projektentwickler und öffentliche Auftraggeber verschärft sich damit die operative Lage zusehends. Steigende Auslastung trifft auf Engpässe entlang der gesamten Kette, wodurch Termin- und Kostenrisiken zunehmen und die verlässliche Abwicklung komplexer Vorhaben schwieriger wird. Ein entscheidender Faktor für den künftigen Erfolg scheint dabei die strategische Weitsicht zu sein: Laut Studie haben derzeit nur 45 Prozent der Unternehmen ein fundiertes Verständnis der relevanten Branchentrends, was eine klare Trennung zwischen wachstumsstarken Playern und schwächeren Wettbewerbern erwarten lässt.
Das Angebot als künftiger Flaschenhals
Die Studie beschreibt damit eine Situation, in der die Marktnachfrage zwar wächst, der Engpass aber zunehmend auf der Angebotsseite liegt. Ob der Aufschwung nachhaltig bleibt, hängt demnach wesentlich davon ab, wie schnell zusätzliche Kapazitäten aufgebaut, Prozesse beschleunigt und bürokratische Blockaden gelöst werden können.

