Der Fernwärme-Kaiser

Jakob Edler, steirischer Fern- und Abwärmespezialist, landet mit der Abwärme-Auskoppelung von Smurfit Kappa in Nettingsdorf, seinen nächsten großen Coup. Der größte private Fernwärme-Versorger Österreichs langt kräftig zu.

Ein Mann hat viel zu tun. „Ich bin gerade zur Papierfabrik in Nettingsdorf unterwegs, wo wir ab Oktober bereits die ersten Fernwärmeleitungen verlegen“, berichtet Jakob Edler. Er ist Chef der Bioenergie-Familiengruppe, dem größten privaten Fernwärme-Versorger Österreichs. In einer ersten Ausbaustufe sollen bereits ab Herbst 2022 rund 5.000 Haushalte angeschlossen werden. „Wir werden Nettingsdorf, Ansfelden und Haid versorgen, sowohl Industrie und Gewerbe als auch den Geschoßwohnbau und auch alle Gebäude der Gemeinde“, sagt Edler. Insgesamt werden rund 15 km FW-Leitungen verlegt werden. „Der Betrieb der Nettingsdorfer, die Wellpappe-Rohpapiere aus je zur Hälfte Altpapier und Restholz erzeugt, ist derartig boomend, dass die Abwärme-Auskoppelung geradezu ideal ist. Wir haben mehrere Quellen zur Auskoppelung, die Hauptquelle wird aber die Eindampfanlage sein und wir können bis zu 25 MW auskoppeln“, berichtet Edler. In Summe investiert die Bioenergie in Nettingsdorf „etwas mehr als 15 Millionen Euro“.

Sappi-Lieferungen ausgebaut

Auch die Abwärme-Auskoppelung aus der Papierfabrik Sappi im steirischen Gratkorn „läuft sehr gut“, sagt der Fernwärme- Kaiser, der seit November 2017 industrielle Abwärme aus Gratkorn ins Grazer Fernwärmenetz der Energie Graz liefert, womit er damals für einiges Aufsehen gesorgt hatte, weil die Energie Graz und Sappi ohne Edler nicht zusammengekommen waren. „Wir haben mit der Energie Graz eine Erweiterung vereinbart und werden die Liefermenge von 25 MW auf 40 MW steigern. Dafür werden wir eine Absorptions-Wärmepumpe mit 7,2 MW für das Restkondensat einbauen, dessen Temperatur von 58 Grad auf 93 Grad angehoben wird und das sonst weggekühlt werden müsste und in die Kläranlage ginge. Also gleich ein doppelter Nutzen“ – und 50.000 Tonnen CO2-Einsparung. Schon im Mai sei der Vertrag abgeschlossen, statt 150.000 MWh 190.000 MWh zu liefern „und 2022 werden es insgesamt 205.000 MWH sein, von denen 15.000 MWh an Kunden in Gratkorn gehen“. Das Investment hier beziffert Jakob Edler mit knapp zehn Millionen Euro.

Köflach in Betrieb, Lebring folgt

Trotz der Pandemie ist das Heizwerk Nord in Köflach schon im März plangemäß in Betrieb gegangen, das zweite der Bioenergie-Gruppe an ihrem Stammsitz, eine mit Biomasse betriebene Kraft-Wärme-Kopplung, die im November eröffnet wird und 15 MW Fernwärme und 3 MW Strom liefert. 13,5 Millionen Euro hat die Bioenergie-Gruppe dafür investiert. Das bestehende Biomasse-Werk produziert neun MW Wärme und zwei MW Strom. Der Eröffnungen damit noch nicht genug, denn Ende September ist im Industriegebiet Lebring in der Südsteiermark ein Biomasse-Heizkraftwerk mit vier MW Leistung in Betrieb gegangen, das 3,8 Millionen Euro gekostet hat. Wie macht das der Edler? Stellt sich die Frage, wie macht das der Edler? Weil er ins Risiko geht? „Nein“, sagt der Firmengruppen-Chef. „Viele Biomasse-Werke sind sehr in Schieflage. In Oberösterreich gibt es jede Menge zu kaufen und in Niederösterreich wurden 40 bereits übernommen. Wir machen das Fernwärme-Geschäft seit 25 Jahren und haben uns das notwendige Knowhow aufgebaut. Unseren Familienbetrieb gibt es schon seit 1874 und ich bin die sechste Generation. Als wir, vor dem Holzboom, unser traditionelles Sägewerk in Köflach trotzdem stillgelegt haben, um uns ganz auf die Fernwärme zu konzentrieren, hat mein Vater ganz schön zu knabbern gehabt. Jetzt gibt es einen Boom – aber jene, die den befeuern, machen die Fehler, die wir vor 15 Jahren gemacht haben“, skizziert Jakob Edler die aktuelle Situation und liefert die Erklärung für seine Performance. „Wir haben für die Fernheizwerke ein Baukastensystem entwickelt mit vier Baugrößen, mit denen wir den ganzen Markt abdecken können. Die sind bis auf die letzte Schraube gleich. Für die Fernwärme haben wir eine eigene Planungsabteilung mit 30 MitarbeiterInnen“. Im Vorjahr hat die Bioenergie-Gruppe mit ihren 80 Beschäftigten „die Pandemie schon gespürt“ und nicht ganz 51 Millionen Euro Umsatz erzielt, heuer sollen es ca. zehn Prozent mehr werden. „Dieses Jahr werden wir 55 Millionen Euro erreichen“, so viel steht laut Jakob Edler bereits fest.

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