Zementindustrie fordert mehr Erneuerbare

Die Roadmap der österreichischen Zementindustrie peilt auf CO2-neutrale Produktion an. Das geht aber nur, wenn auch der Ausbau von erneuerbaren Strom und Grüngas gepusht wird.

Mit der Roadmap in Richtung CO2-Neutralität bis 2050 legt die österreichische Zementindustrie die Latte für andere Branchen hoch: Die klimafreundliche Herstellung von klimafitten Zementen wie auch die Speicherfähigkeit von Beton sind die Highlights der Maßnahmen der Roadmap, die sich an der Roadmap der europäischen Zementindustrie und an deren 5-C-Strategie orientieren. „Uns ist bewusst, dass wir als eine der CO2-intensiven Industrien unseren Beitrag leisten müssen – und können. Die Klimaschutzziele von Paris sind für uns verbindlich, diese Verbindlichkeit erwarten wir uns auch von der Politik, die jetzt die Weichen für eine CO2-freie Industrieproduktion in Österreich stellen muss. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine zeigt uns, dass der Ausstieg aus fossiler Energie längst geplant werden hätte müssen. Wir, die österreichische Zement- und Betonbranche, liefern Lösungen. All diese Innovationen für den Klimaschutz sind jedoch massiv davon abhängig, dass wir ausreichend erneuerbaren Strom zur Verfügung haben“, erläutert Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, VÖZ. Die 5-C-Strategie beschreibt die fünf entscheidenden Kategorien, in denen Umstellungen durchgeführt werden und Emissionsreduktionen notwendig sind: Clinker, Cement, Concrete, Construction, Carbonation. Dazu kommt noch die Abscheidung und Nutzung des verbleibenden CO2.

Projekt Carbon2ProductAustria (C2PAT)

Bei der Herstellung von Zement wird Kalkstein bei hohen Temperaturen gebrannt und CO2 aus dem Gestein ausgetrieben, diese so genannte geogene Emission umfasst etwa zwei Drittel des CO2-Ausstoßes. Seit 1990 bereits massiv reduziert hat die österreichische Zementindustrie ihre Emissionen im Zusammenhang mit Brennstoffen. „Doch es geht noch mehr“, ist Spaun überzeugt, „im Sinne der Kreislaufwirtschaft, die ebenso eine fixe Forderung im European Green Deal ist, müssen wir zukünftig CO2 abscheiden und speichern oder weiterverwenden können. Das Projekt Carbon2ProductAustria (C2PAT) wird das erste Projekt sein, in dem unter Verwendung von erneuerbar hergestelltem Wasserstoff aus dem abgeschiedenen CO2 Kunststoffe hergestellt werden.“ Die in der Roadmap angegebenen Emissionsreduktionen resultieren ausschließlich innerhalb der Wertschöpfungskette der Zement- und Betonherstellung. „Deutlich wird dabei aber auch, dass Beton nicht nur der weltweit am meisten eingesetzte Baustoff ist, sondern auch wesentlich zum Klimaschutz beiträgt: Langlebigkeit, Regionalität, Unabhängigkeit von energieintensiven Importen und mit seiner Speicherfähigkeit verbunden mit der Anwendung der Bauteilaktivierung ist Beton die Lösung zum CO2-freien Heizen und Kühlen“, so Spaun.

Auf dem Weg in eine CO2-freie Industrie ist die Politik gefordert, die notwendigen Weichenstellungen vorzunehmen und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen wie z. B. die Sicherstellung von erneuerbarem Strom und grünem Gas oder die erforderliche Infrastruktur. Ein entscheidender Hebel für die Zementindustrie wird es sein, das CO2, das bei der Entsäuerung des Kalksteins entsteht, abzuscheiden und dieses – gedacht in Richtung Kreislaufwirtschaft – künftig als Rohstoff für die Herstellung von z.B. Kunststoffen einzusetzen. Hier gibt es bereits konkrete Pläne der Zementindustrie, diese können jedoch nur mit entsprechender Unterstützung von Politik und Gesellschaft umgesetzt werden.

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