Erdgas: Versorger promoten, Bund plant Verbot

Ein Land, zwei Geschwindigkeiten: Die Energieversorger promoten den Einsatz von Erdgas. Der Bund plant unterdessen ein Gasheizungsverbot im Neubau ab 2023.

„Haushalte werden durch falsche Versprechen zum Einbau von Gasheizungen verleitet“, zeigt sich Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), empört. „Ungeniert werden auf diversen Websites der Landesenergieversorgungsunternehmen noch der Einbau von Gasheizungen beworben und Erdgas als Sorglos-Energie angepriesen sowie Neukunden von Gasheizungen mit Rabatten gelockt“, so die Lobbyistin. So warben noch letzte Woche die Energie Netze Steiermark mit ‚Heizöl raus, Gas rein!‘, die VKW Vorarlberg mit ‚VKW Erdgas, die natürliche und bequeme Energie. Auf Knopfdruck erhältlich, sehr sparsam und umweltschonend‘, die Energie Burgenland mit ‚Sorglos-Paket Gasheizung, effiziente und kostengünstige Wärmeversorgung‘ oder die Tigas mit Neukundenrabatten für Kunden, die im Jahr 2022 erstmalig Gas beziehen. Dass es sich dabei um Investitionen in ein Auslaufmodell handelt, werde aber nicht erwähnt., so Prechtl-Grundnig.

Landesfürsten sollten warnen

Der Dachverband sieht die Landeshauptleute gefordert. Sie müssten endlich ihre Verantwortung als Eigentümervertreter übernehmen, macht Prechtl-Grundnig deutlich: „Es ist also die Verantwortung der Landeshauptleute als Eigentümervertreter, entschlossen vorzugehen und derartige Werbungen nicht mehr zuzulassen, vielmehr dafür zu sorgen, dass keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden“.
Geht es nach dem EEÖ sollte bei jeder Bewerbung des Gasheizungseinbaus ein Vermerk analog zu den Hinweisen auf Zigarettenverpackungen dabei sein: ‚Warnung Ihres Landeshauptmannes: der Einbau einer Gasheizung ist eine Investition in ein Auslaufmodell. … (…) … Wenden Sie sich an Ihre unabhängige Energieberater*in, damit diese Sie über geeignete klimafreundliche und zukunftsfähige Alternativen berät“.

Land der Berge

Tatsächlich tragen die Bundesländer eine Verantwortung. Sie haben viele Kompetenzen bei der Genehmigung von Energieprojekten in der Hand. Auch die Bauordnungen, die den Wärmemarkt wesentlich steuern, liegen in ihrer Verantwortung. Zudem sind sie meist Mehrheitseigentümer der Landesenergieversorgungsunternehmen. Man darf auf Reaktionen aus den Ländern schon gespannt sein. Ein „Alles richtig gemacht“, wie bei Corona ist denkbar.

Bund plant baldiges Verbot

Unterdessen werden im Umweltressort die Pläne für ein baldiges Verbot von Gasheizungen im Neubau vorbereitet. Ein aktueller Gesetzesentwurf sieht ein Gasheizungsverbot ab 2023 vor, berichtet die „Krone“. Ausnahmen soll es nur für bereits genehmigte Anlagen geben.

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