Allianz für Grünes Gas

Gasthermen-Ersatz kostet viele Milliarden Euro. Gaswirtschaft, Installateure und die Immobilienwirtschaft fordern deshalb Bekenntnis und Bau von Biogasanlagen.

Die Energiewende und der damit verbundene Umbau der Heizsysteme kostet Geld. Unrealistisch viel Geld, wie Johannes Wild Berufsgruppensprecher der Immobilienverwalter in der Wirtschaftskammer meint. Nach seinen Berechnungen kostet das Ersetzen einer Gasheizung durch eine Niedrigtemperaturheizung rund 1.250 Euro pro Quadratmeter. Für eine 60 m2 Wohnung würden damit rund 75.000 Euro anfallen. Hochgerechnet auf eine Million Haushalte sind das 75 Milliarden Euro. „Das wäre weder Mietern noch Vermietern zumutbar, betont Wild. Zudem würden die Heizgeräte und Handwerker fehlen, glaubt er.

Letzteres sieht der Innungsmeister der Installateure Michael Mattes nicht ganz so wild. Wenn Heizungen auch im Winter getauscht würden, ließen sich schon viele Umbauten realisieren, so Mattes. Er setzt sich trotzdem gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft und der Gaslobby dafür ein Grünes Gas zu forcieren. Weil die Infrastruktur schon da ist und sich rund 50 Prozent des heimischen Gasbedarfs mit Biogas, also CO2-neutral abdecken ließe. Das ist das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2019. „Österreich verfügt über ein Gaspotenzial primär auf Rohstoffbasis von bis zu vier Milliarden Kubikmeter“, sagt Christioph Strasser von der Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH.

Fehlende Voraussetzungen für Grünes Gas

Das aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, die es hierzulande nicht gibt. Weder gibt es ein politisches Bekenntnis zu Grünem Gas, noch gibt es die rund hundert Großanlagen, die es für die Produktion bräuchte. Und bei den Rohstoffen gibt es auch ein paar Unsicherheiten, geht die Studie doch davon aus, dass die heimische Holzwirtschaft weiterhin wächst und reichlich Abfälle anfallen. Nachdem die Holz-Großlieferanten Russland und die Ukraine derzeit enorm schwächeln, eine eher kühne Annahme.

Mini-Anlagen in Betrieb

Dass Biogas einen Teil der künftigen Versorgung abdecken könnte, ist dennoch realistisch. In Dänemark beträgt der Anteil von Biogas rund 12 Prozent, in Deutschland immerhin 1,2 Prozent, hierzulande gerade einmal 0,15 %. „Es braucht Rahmenbedingungen damit solche Anlagen wirtschaftlich betrieben werden können“, beton Strasser. Den Gaspreis der Vergangenheit wird man aber selbst mit Millionen von Förderungen nie erreichen. Der liegt im Fall von Biogas bei rund 10 Cent pro kWh, so Strasser.

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