Richtig dunkle Wolken am Bauhimmel

Kriegsfolgen: Deutschlands Bauindustrie rechnet mit baldiger Kurzarbeit. Materialien und Preise fehlen, Aufträge werden storniert. Die Lage hat sich laut Umfrage weiter verschärft.

Die Lage in der Bauwirtschaft hat sich weiter verschärft – das bestätigt eine Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller erklärt: „Mittlerweile ist fast jedes Unternehmen direkt oder indirekt von den Folgen des Krieges in der Ukraine betroffen.“

Die Hauptprobleme: Preissteigerungen und Materiallieferengpässe

Die Unternehmen berichten unisono, dass Materiallieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben. Über 80 Prozent gaben sogar an, dass Lieferanten überhaupt keine Preiszusagen mehr geben würden. Dies führt am Ende zu einem enormen wirtschaftlichen Risiko und Schwierigkeiten bei der Kalkulation neuer Angebote. So ist es bisher gelungen, nur mit rund einem Drittel der Auftraggeber so genannte Preisgleitungen zu vereinbaren, damit die Unternehmen die Risiken nicht allein schultern müssen. In der Konsequenz geben über 30 Prozent der Bauunternehmen keine neuen Angebote mehr ab.

Projekte werden storniert

Doch nicht nur das: Zum Preis-, Material- und Energierisiko kommt auch ein Nachfragerisiko hinzu. Rund 40 Prozent der Auftraggeber stellen Projekte zurück, 30 Prozent der Auftraggeber stornieren sogar Projekte. Verbunden mit den Aussagen eines großen, norddeutschen Verbandes der Wohnungswirtschaft, dass ein deutlicher Rückgang beim Wohnungsneubau zu erwarten sei, ist die Gefahr also reell, dass die Konjunktur in der Bauwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die Folgen wären gravierend. Damit wird auch die Luft dünner, um die baupolitischen Ziele noch zu erreichen. Müllers Resümee: „Die Situation ist absurd. Vor Wochen hat die Branche noch händeringend um Arbeitskräfte geworben, heute müssen wir uns Gedanken machen, wie wir die halten, die wir haben. Wir stellen uns darauf ein, dass Unternehmen bald Kurzarbeit anmelden müssen.“


Einige Ergebnisse Umfrage im Detail:

91 Prozent sind von direkten oder indirekten Auswirkungen betroffen. Davon gaben 84 Prozent an, dass die genannten Probleme stark, bzw. sogar sehr stark ausgeprägt sind.

90 Prozent der Umfrageteilnehmer (nicht der Betroffenen) klagten über Preissteigerungen bei Baumaterial und 80 Prozent über Lieferengpässe

85 Prozent gaben an, dass die Lieferanten nur noch tagesaktuelle Preise geben, 84 Prozent gaben sogar an, dass überhaupt keine Preiszusagen mehr gemacht werden

49 Prozent beklagten Logistikprobleme und 13 Prozent einen Fachkräftemangel wegen fehlender Arbeitskräfte aus den betroffenen Regionen

Umfragezeitraum: 4. bis 7. April 2022. Über 300 Unternehmerinnen und Unternehmer haben teilgenommen, davon beziehen 27 Prozent Baumaterial aus Russland oder aus der Ukraine.

Keine Kommentare

Kommentar schreiben