Warten auf 23339

Die diversen CO2-Reduktionsmöglichkeiten bei der Zement- und Betonherstellung sind längst bekannt. Der Praxis-Einsatz von CO2-sparendem Beton scheitert jedoch häufig auch an administrativen Hürden.

Wie man bei der Zementherstellung den CO2-Fußabdruck reduzieren kann, der weltweit nicht weniger als acht Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen ausmacht, und damit in weiterer Folge auch bei der Betonerzeugung, ist bestens bekannt, dennoch scheitert der Einsatz von CO2-reduziertem Beton in der österreichischen Baupraxis häufig auch an einer administrativen Hürde.

Diese heißt Ö-Norm 23339, wird seit zwei Jahren verhandelt, immer wieder eingebremst von manchen Zement- und Betonerzeugern, und stellt auf die Performance des Betons ab, statt auf seine Zusammensetzung. „Derzeit ist noch der Mindest-Betongehalt festgeschrieben“, erläutert Thomas Belazzi, Geschäftsführer der BauXund GmbH im Gespräch mit Building Times. Dass es auch für andere Zusammensetzungen des Betons viele Lösungen gibt, demonstriert, neben anderen, der oberösterreichische Unternehmer Karl Hasenöhrl (s. Seite 51), der etwa Ziegelbruch beimischt. Thomas Belazzi hat nun im einjährigen Forschungsprojekt RCC (Reduced Carbon Concrete) zusammen mit dem Ziviltechniker Thomas Romm, dem BMK, der Wiener MA 20, dem Projektträger Strabag SE, Wopfinger, Mischek Statik, der Materialprüfanstalt Hartl und dem Beton-SV Johann Horvath nachgewiesen, dass die bisher aus Prüfwürfeln von 20 cm mal 20 cm gewonnenen Daten sehr wohl auch für meterlange Bauteile gelten.

Auf der Taborama-Baustelle der Strabag Real Estate im Wiener Nordbahnviertel wurden die entsprechenden Versuche gefahren, um mittels Sensoren festzustellen, „wie sich der RCC-Beton bei großen Bauteilen verhält“. Das betrifft unter anderem das Aushärteverhalten und die -geschwindigkeit, die Festigkeit, etc. Und zwar sowohl im Sommer als auch im Winter.

„Ursprünglich war geplant gewesen, 30 Prozent bis 50 Prozent der Bauteile im Taborama durch RCC-Beton zu ersetzen. Daraus wurde aber nichts, weil die Strabag RE nicht 213 Eigentumswohnungen im 19-stöckigen Wohnhochhaus Taborama nicht-normgerecht übergeben wollte. Bei Eigenbauten ist das ganz was anderes“, berichtet Thomas Belazzi. Und den alternativen Weg über eine „Bautechnische Zulassung“ des OIB wollte der Bauherr nicht beschreiten. „Vielleicht gibt es die 23339 bis Weihnachten?“ gibt sich Chemiker und Schadstoff-Erkunder Belazzi hoffnungsfroh.

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