Unauffällig erfolgreich

Der Wiener Architekt Josef Weichenberger plant mit der Wohnbebauung ParkPeak im Village im Dritten eine der Landmarks im neuen Wiener Stadtquartier. Weitere herausragende Projekte sind in Planung.

Der in Salzburg geborene Wiener Architekt Josef Weichenberger (57) ist ein Unscheinbarer. Dennoch ist er zusammen mit seinen Kollegen Thaler Thaler und HNP architects mit dem Wettbewerbsgewinn der ambitionierten Wohnbebauung im Village im Dritten einmal mehr ins Licht der Fachöffentlichkeit geraten. Was in der 20-jährigen Geschichte seines Büros nicht so oft passiert, weil er nicht die Öffentlichkeit sucht. Publizität haben dafür seine Bauten gefunden, beispielsweise die Revitalisierung des ehemaligen Philips-Hauses, das heute PhilsPlace heißt. Diese Architektur-Ikone von Architekt Karl Schwanzer und dem Statiker Robert Krapfenbauer hat Weichenberger auf den neun Regelgeschoßen mit 135 Apartments ausgestattet. Sie sind zwischen 30 m² und 46 m² groß, wurden als Vorsorgewohnungen geschaffen und werden mit hotelähnlicher Infrastruktur tage- bis monatsweise voll möbliert vermietet. Das Projekt wurde 2018 übergeben und hat den Fiabci Prix d’Excellence Austria gewonnen.

Bisher größter Auftrag: AQ1

Nicht umsonst merkt Josef Weichenberger im Gespräch mit Building Times an, Konversionsprojekte gehörten zu seinen Lieblingsprojekten. Von denen das nächste bereits in Planung ist, nämlich das AQ1 Althan Quartier, das Refurbishment des Franz-Josefs-Bahnhofs im neunten Wiener Gemeindebezirk in einer Projekt-Arge mit Delugan Meissl Associated Architects. Das ist übrigens der bisher größte Auftrag für Weichenbergers Büro, das 2002 gegründet wurde. Mit der Umgestaltung des Althan Quartiers ist beabsichtigt neues Leben in den Franz-Josefs-Bahnhof zu bringen, wodurch der Stadtteil mehr Aufenthalts- und damit mehr Lebensqualität gewinnen soll. „Die Neuplanung schafft mit einer Passage Durchlässigkeit, einen weitläufigen Hochpark mit Grünflächen und ein Trägergeschoß zwischen diesem und der Bahn. Dazu wird das Bürogebäude architektonisch aufgewertet, neue Freiflächen werden geschaffen und der Julius-Tandler-Platz wird durch die neue Optik und die verstärkte Zugänglichkeit deutlich attraktiver“, wird in der Projektbeschreibung angekündigt.

Mit Wohnbauten begonnen

Weichenberger hat von 1983 bis 1990 in Innsbruck Architektur studiert und war von 1989 bis 2002 Projektpartner bei Coop Himmelb(l)au in Wien und Lyon. „Ich habe dort Wohnbauten gemacht, drei größere Projekte mitgenommen und für Coop fertiggemacht. Dann habe ich den ersten Wettbewerb gewonnen, in einer Arge mit Room8 architects, einen Wohnbau in der Wiener Sensengasse, den Campus Sensengasse“, berichtet der Architekt. Er war zuerst Vertragsassistent an der Angewandten bei seinem Büro-Chef Wolf. D. Prix und von 1998 bis 2012 Lehrbeauftragter am Institut für Hochbau und Entwerfen der TU Wien. „Das Aufhören hat sich durch einen Professoren-Wechsel so ergeben, ich könnte mir für die Zukunft eine neue Lehrtätigkeit aber durchaus vorstellen. Auch wenn sie zeitaufwändig ist, was im Augenblick nicht geht“.

Wettbewerbe als Wegbeleiter

Weichenberger kommt auf das Thema „Wettbewerbe“ zurück, denn „sie begleiten uns durch die gesamte Karriere. Wir machen zwischen zwei und vier Wettbewerbe pro Jahr und arbeiten mit einem großen Team vier bis sechs Wochen an jedem einzelnen. Wir investieren sehr viel in einen Wettbewerb, bringen unser gesamtes Wissen und Knowhow ein und schauen sehr genau hin, wo wir uns engagieren“, berichtet Weichenberger. Er schätzt möglichst genau ab, bei welchem Wettbewerb die Chancen seines Büros aufgrund seiner Stärken am besten stehen könnten, und hat deshalb auch „eine gute Trefferquote“. Er sei selbst oft in Jurys und sehe daher, dass die herkömmlichen Architekten-Wettbewerbe „wahrscheinlich verbesserungsfähig sind. Vielleicht durch eine begrenzte Teilnehmerzahl. Ein Rezept liegt aber nicht auf dem Tisch“, meint der Planer.

Highlight Village im Dritten

„Wir sind sehr, sehr stolz darauf, auf diesem besonderen Bauplatz zu bauen. Denn das Projekt ParkPeak auf dem Baufeld 11A zählt gemeinsam mit ParkSide auf dem Baufeld 2 aufgrund von Lage und Höhe zu den wichtigsten Landmarks im neuen Village im Dritten“, sagt Weichenberger. „Das ist ein Leuchtturm-Projekt für die Klima-Resilienz des Bauens. Hier können wir sehr viele Themen, die für uns wichtig sind, sehr gut abbilden. Das ist das Highlight unserer bisherigen Geschichte“.

Zusammen mit dem Green Deal der EU ergebe das klimaresiliente Bauen „einen gewaltigen Motor für künftige Projekte. Das bringt so etwas wie einen Pionierschub für uns und die Kollegenschaft“, freut sich Weichenberger, und will „in Zukunft vorzugsweise Projekte realisieren“ – ein „nur“ korrigiert er rasch – „bei denen die benötigte Energie zu großen Teilen am eigenen Bauplatz erzeugt wird.“ Und genau das ist ja die Absicht des Energiekonzeptes für das Village im Dritten. Konkret plant Weichenberger dort 68 Wohnungen mit einer Bruttogeschoßfläche von 7.688 m² und einer Nutzfläche von 6.284 m². Wobei „besonderes Augenmerk auf die Ausrichtung und Orientierung der Wohnungen in den umliegenden Quartiersraum gelegt wird“, heißt es in der Projektbeschreibung, die von drei Town-Häusern mit direkten Zugängen über die Eigengärten ausgeht. In den Eckwohnungen beispielsweise werden die Wohnküchen und deren großzügigen Freiräume ausschließlich an die Eckbereiche gelegt, wichtig ist den Planern auch die starke vertikale Proportionierung.

Licht-Skulptur „Sungate“

Der Haupteingang werde im Erdgeschoß des hohen Teils liegen, welcher der Parkpromenade zugewandt ist. Dieser „führt in einen attraktiven, zweigeschoßigen Eingangsbereich und eine Lichtinstallation formt einen bis in den Außenbereich wirksamen Anziehungspunkt“, kündigen die Planer an. Diese Licht-Skulptur heißt „Sungate“, stammt vom Wiener Lichtkünstler Friedrich Biedermann und wurde von ihm und seiner Frau Andrea Graser und ihrem Studio Okular realisiert. Biedermann denkt auch daran, eine Bilderserie von Sungate zu schaffen und den Wohnungs-Nutzern zum Kauf anzubieten. „So streut ‚Sungate‘ in die Wohnungen und vernetzt sich“, hofft der Lichtkünstler. Für Josef Weichenberger ergibt sich mit diesem Akt von „Kunst am Bau“ schlechthin eine ideale Symbiose zwischen Beruf und Privat: „Ich bin sehr an Kunst interessiert, vor allem an skulpturaler, und arbeite auch selbst skulptural“. Wenig überraschend also, dass er gelegentlich auch mit Biedermann und Graser gemeinsam bei Aktionen auftritt, etwa bei „Draft – Psychogramme einer Idee“ im Wiener Künstlerhaus, sich aber auch als „leidenschaftlichen Museumsbesucher“ bezeichnet und als „frankophilen Menschen, der seine Freizeit sehr viel in Frankreich verbringt“.

Verantwortung für die Gesellschaft

Er wolle das gar nicht trennen, erklärt Weichenberger auf die Doppel-Frage, was Architektur für ihn, bzw. die Gesellschaft bedeute. „Wir müssen bei jedem Projekt die Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, damit künftige Generationen ein besseres Umfeld vorfinden, als wir es haben“, postuliert der zweifache Vater. „Nachhaltigkeit im Umgang mit den Ressourcen erfordert Intelligenz in der Auswahl der verwendeten Materialien und kritischer Umgang mit dem Abriss von bestehenden Gebäuden im Sinne des Potenzials eines eventuell zweiten und/ oder dritten Lebenszyklus“, hat Weichenberger jüngst in einem Statement festgehalten. 15 Mitarbeiter hat die DI Josef Weichenberger ZT GmbH, deren Alleingesellschafter der Namensgeber ist. Im Augenblick sucht er aber aufgrund der aktuellen Auftragsfülle ArchitektInnen, auch für die Projektleitung. Rund 1,5 Millionen Euro betrage der Jahresumsatz bisher, berichtet der Architekt und bezeichnet die Auftragslage als „sehr zufriedenstellend“. Er sei Optimist und sehe die Dinge sehr positiv. Kein Wunder, angesichts dessen, was sein Büro derzeit sonst noch alles in Planung hat, neben dem AQ1 und dem Village: Beispielweise einen Bau mit rund 250 Wohnungen in Vösendorf oder ein Radiologisches Zentrum in einem Spital in Burkina Faso. „Das läuft in einem Europäischen Förderprogramm, wird von der EU kofinanziert und steht vor Baubeginn“. Aber auch das Abundance Gate in der Wiener Breitenfurter Straße, das Start-ups aus der Biotechnologie Labor- und Büroflächen in variabler Größe samt passender Infrastruktur zur Miete anbieten wird. Dass das Hotel TUI Blue Schruns zeitgleich mit dem Beginn des Lockdowns abgeschlossen wurde, rundet das Bild vollends ab.

Lieber im Atelier

Zur aktuellen Covid-Situation samt dem vierten Lockdown gibt sich Weichenberger eher entspannt: „Wir haben gelernt, mit der Pandemie umzugehen. Wir sind alle geimpft, aber jetzt haben wir eine andere Situation. In erster Linie ist mir wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Wir haben ein großes Büro und können den 2-m-Abstand einhalten. Viele Mitarbeiter sind lieber im Atelier als im Homeoffice, weil wir sehr stark im Gespräch miteinander sind und Teamarbeit im Office besser funktioniert“. Homeoffice-Betrieb bedeute vor allem Verarbeitung des Informationsflusses, „ganz wichtig ist aber der kontinuierliche Austausch untereinander“.

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