IKK mit neuem Dach

Soeben hat die IKK Group, eines der größten österreichischen Ingenieurbüros, das neue Headquarter in der Grazer Reininghausstraße bezogen. Die Covid-Auswirkungen dürften überwunden sein.

Ziemlich genau drei Jahre nach dem Verkauf der IKK-Gruppe an die Schweizer BKW AG haben die jetzt unter IKK Group firmierenden Ingenieure ihr neues Headquarter in der Grazer Reininghausstraße 78 feierlich eröffnet. Mit Ansprachen und katholischem wie evangelischem Segen und vielem mehr. Nach dem neuen Firmendach jetzt also auch ein neues gebautes Dach. Das sei eine einmalige Chance gewesen, die einen nur einmal im Leben erreiche, hatte IKK Hälfte-Eigentümer Georg Kriebernegg anlässlich des Verkaufs zu Building Times gemeint und gleichzeitig angekündigt, den Verkaufserlös in den neuen Standort fließen lassen zu wollen. Das haben er und sein Partner Bernhard Kaufmann auch getan, und den nördlichen Teil des Großkomplexes in der Reininghausstraße (siehe Seite 40) erworben, und zwar über ihre gemeinsame Firma K2 Immo GmbH. Samt Grundstück, Planung und Errichtung habe das neue Dach ca. 13,5 Millionen Euro gekostet, inklusive Einrichtung „liegen wir bei 15 Millionen Euro“, erläutert Kriebernegg im Gespräch mit Building Times. „Das war am alten Standort in der Mariatroster Straße genauso, dass das Haus unser Eigentum war“. Gehörten zum Zeitpunkt des Verkaufs die IKK Engineering GmbH, die TBH Ingenieur GmbH und Hydroconsult GmbH zur Gruppe, so sind seither die Daninger + Partner Engineering GmbH (Industriebau) sowie die Witrisal GmbH (Bahn-Planungen) dazugekommen und alle an der neuen Adresse Reininghausstraße 78 angesiedelt, so wie als Mieter auch die Trafility GmbH, die mehrheitlich ebenfalls Kaufmann und Kriebernegg gehört. Auch die Ein-Mann-Firma Kaufmann & Partner ZT KG hat klarerweise hier ihren Sitz.

„Sicher unter den fünf Größten“

Im September des Vorjahres habe der Umzug begonnen, „kurz vor Weihnachten waren dann alle da“, berichtet Kaufmann. Etwa 180 Mitarbeiter habe die Gruppe derzeit, der Großteil davon sei in Graz stationiert, weitere Standorte seien Wien, Wels und Pinkafeld, wo das TBH die Nähe zur FH nutze. In den öffentlichen Bereichen des Gebäudes, primär im Atrium und auf den Gängen, herrscht Maskenpflicht, die beim Building Times-Besuch tatsächlich gelebt wird.

Als „österreichweit führender Komplettanbieter im Baudienstleistungsbereich“ bezeichneten sich die Gastgeber in der Einladung zur Eröffnungsfeier, im Interview wird dieser Anspruch jedoch relativiert: „Wir sind sicher unter den fünf größten Ingenieurbüros Österreichs angesiedelt“, so Kaufmann und Kriebernegg unisono, und nennen auf Nachfrage die ILF (Innsbruck), die ATP (Innsbruck) und die iC consulenten Ziviltechniker GesmbH (Wien) als größere Firmen, merken jedoch an, dass „die iC consulenten eigentlich eine Marketing-Gemeinschaft mit einem eigenen Konzept sind“.

Ohne Ziviltechniker-Gesetz

Ingenieurbüro deshalb, weil sie schon vor dem Verkauf „aus dem Ziviltechniker-Gesetz ausgetreten sind, weil unsere Aktivitäten nach dem ZT-Gesetz nicht gehen“. Als Personen hätten sie ihre ZT-Befugnisse behalten, hätten aber als Firmen Gewerbescheine als planende Baumeister, für Elektro- und Haustechnik, Kulturtechnik, etc. Das ZTG (Ziviltechniker-Gesetz) ist laut Kaufmann „krank“, für Kriebernegg ist es „protektionistisch“ und bringe nur Einschränkungen und keine Vorteile. „Wir sind aber komplett dem freien Wettbewerb ausgesetzt“. Bei großen Ausschreibungen spiele das aber überhaupt keine Rolle, denn „beispielsweise ÖBB oder Asfinag dürfen ja gar nicht einschränken“.

„Jetzt schaut es sehr gut aus“

Nach dem Rekordjahr 2019 seien die Lockdowns 2020 gekommen und „heuer haben wir im ersten Halbjahr die Covid-Auswirkungen voll zu spüren bekommen, das war sehr schwierig“, berichtet Kriebernegg. Sehr stark betroffen sei Daninger gewesen, aber jetzt kämen die Aufträge herein. „Auftragsmäßig geht es der IKK aktuell sehr gut“, erläutert Kaufmann, „jetzt schaut es sehr gut aus“. Weshalb für heuer ein Gruppen-Umsatz von 18,5 Millionen Euro budgetiert ist. Eine Größe, die deshalb an Wert gewinnt, weil darin, laut Kaufmann, „ein verhältnismäßig geringer, unter zehn Prozent, Fremdleistungsanteil enthalten ist“.

Zu den laufenden Aufträgen gehört beispielsweise die Planung des Quartiers 4 auf den nahen Reininghausgründen oder auch Projekte für die kommende Koralmbahn, und der Campus für die Militärakademie in Wiener Neustadt. Der soll übrigens in Holzbauweise errichtet werden.

Hohe Eigenständigkeit

Das Verhältnis zur Eigentümerin, der Schweizerischen BKW Engineering, sei von hoher unternehmerischer Eigenständigkeit geprägt, betont Kriebernegg, „wie bei der Übernahme versprochen. Die haben ein klares wirtschaftliches Konzept und einmal im Monat gibt es ein Gespräch, bei dem die wirtschaftlichen Kennzahlen besprochen werden“. Darüber hinaus gebe es viele Netzwerk-Aktivitäten, derzeit vor allem BIM.

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