Gebündeltes Ingenieurwissen

Eines der größten Ingenieurbüros Österreichs, FCP Fritsch, Chiari & Partner, rechnet mit einer fünf- bis zehnprozentigen Umsatzsteigerung im kommenden Jahr – dank seiner breiten Aufstellung.

Gleich zwei personelle Abgänge meldete die FCP Fritsch, Chiari & Partner Ziviltechniker GmbH Anfang Oktober: Einerseits hat Gesellschafter Walter Nemeth die Geschäftsführung zurückgelegt, er wird die Firma mit Jahresende verlassen. Andererseits hat sich Ulrich Eder, der bislang Prokurist und Gesellschafter war, selbstständig gemacht. Die Anteile beider Herren wurden, wie es der Gesellschaftsvertrag vorsieht, aufgegriffen, erläutert Wolf-Dietrich Denk die Veränderungen. Er ist geschäftsführender Gesellschafter und seit 21 Jahren bei FCP, er kam gleich nach dem Studium ins Büro. Schon im Juni hatte es den Tod von Peter Fritsch (82) zu betrauern gegeben, der 1972 zusammen mit Gerd Chiari (81) das Ingenieurbüro von Kurt Wenzel übernommen und in die FCP ZT GmbH umgewandelt hatte. Heute verfügt die Ingenieurfirma nicht nur über eine breite Eigentümerstruktur von mehr als zehn Gesellschaftern, sondern über ein noch breiteres Portfolio.

Eine sehr grobe Gliederung zeigt, dass Hochbau und Tiefbau „ähnlich große Bereiche sind“, wie Denk ausführt, wobei zum Tiefbau auch der Brücken- und der Verkehrswegebau gehören. In beiden gebe es planende Bereiche, sowie steuernde, begleitende und überwachende Kontrolle, diversifiziert Denk weiter, wozu noch Spezialbereiche kämen, etwa „Geotechnik, Structural Modeling und der eigene Bereich Erdbebenberechnung“.

Es gibt bei FCP nichts, was es nicht gibt

Arbeits-Schwerpunkte sind BIM, Infrastruktur, Brücken-, Hoch-, Industrie- und Tiefbau, wofür es eine ganze Reihe von Competence Centern gibt, von der Akustik, Baudynamik, Bauphysik und Messtechnik über Asset Management & Brücken-Monitoring, Ausschreibung & Kostenermittlung, Baukoordination, Bauwerksmonitoring, Eisenbahnwesen, Hochbauplanung, Örtliche Bauaufsicht, Projektmanagement und Begleitende Kontrolle, Technische Gebäudeausrüstung und Verkehrsplanung. Fast ist man versucht zu sagen, dass es nichts gibt, was es bei FCP nicht gibt.

Dass das „Konstruieren die ganz, ganz Hohe Schule, die Königsdisziplin“ sei, wie Peter Resch von werkraum ingenieure in Building Times (4/2021) erklärt hat, will Wolf-Dietrich Denk so nicht gelten lassen: „Unsere Projekte sind dermaßen komplex, dass sie auch Hohe Schule sind, da gehören ja auch Projektsteuerung und Bauphysik dazu, oder die hohen Geschwindigkeiten bei Eisenbahnen mit allen ihren Auswirkungen“.

35 Millionen Euro Gruppenumsatz

Derzeit läuft es gut bei FCP mit der Zentrale Wien, Büros in Schwarzach (V), Berlin und Essen. Denk rechnet mit einer „moderaten Umsatzsteigerung“ von fünf bis zehn Prozent für das kommende Jahr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte dieser in der Gruppe mit 350 MitarbeiterInnen rund 35 Millionen Euro betragen. „Aktuell sind es 365 MitarbeiterInnen – wir haben in der Pandemie noch MitarbeiterInnen aufgenommen. Vor zehn Jahren waren es noch 200 Beschäftigte“. Zahlen, die einer Erläuterung bedürfen, denn zur Gruppe zählt auch die VCE Vienna Consulting Engineers ZT GmbH, „mit gleicher Geschäftsführer-Struktur und unterschiedlichen Gesellschaftern“, wie Denk erläutert. „Das war früher keine Ziviltechniker-Gesellschaft, ist dann aber stark in die Forschung gegangen und für internationale Projekte angesiedelt“. Diese VCE trägt rund 30 Prozent zum Gruppenumsatz bei.

Auslastung für nächstes Halbjahr gesichert

„Für das nächste halbe Jahr haben wir die Auslastung sicher, das ist ein Vorteil der breiten Aufstellung. Das ist eine Stärke von FCP“, ist Denk zufrieden, „und wir streben auch eine hohe Flexibilität der MitarbeiterInnen an, damit sie auch in anderen als ihren Stammbereichen eingesetzt werden können“.

Langzeit-Aufträge wie das englische Eisenbahnprojekt High Speed 2, das zusammen mit der Porr abgewickelt wird und eine Geschwindigkeit von 360 km/h zulassen soll, tragen überdies zu einem halbwegs ruhigen Auslastungs-Kissen bei. „Das gibt uns Dauerbeschäftigung“.

Zur aktuellen Situation – das Video-Interview wurde unmittelbar vor Inkrafttreten des vierten Lockdowns geführt – meint der Geschäftsführer, dass diese „schon in gewissen Bereichen angespannt ist. Projekte werden verzögert, Projekte werden aus vielen Gründen auf Hold gestellt und dann haben wir das Thema UVP für die Berresgasse“.

Die MitarbeiterInnen hätten die Möglichkeit zur Telearbeit, im Büro würden alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten und ein sehr großer Teil der Beschäftigten sei geimpft. „Für die Teamarbeit ist es aber schon ein Hindernis. Wir haben auch Projekte mit großen Teams und da sind schnelle Meetings notwendig“, räumt der FCP-Geschäftsführer ein.

U4-Station, Alte Post, Brücke und Klinikum

Zu den aktuell sichtbaren Arbeiten von FCP zählen in Wien die U4-Station Pilgramgasse, die Revitalisierung der Alten Post in der Postgasse, die in Zukunft ein Hotel, Wohnungen, Büros und ein Fitnesscenter beherbergen soll, und die Heiligenstädter Brücke. Dort wurde am 31. Oktober das Hauptfeld der Stahl-Beton-Verbundbrücke mit einer Spannweite von 62 m eingehoben.

Schließlich gibt es noch die seit 2008 laufenden Arbeiten im Universitätsklinikum St. Pölten, wo aktuell das Haus D auf dem Programm steht. „Bei den Umbauarbeiten handelt es sich zum Großteil um Provisorien“, heißt es im Projektbericht. Was in der aktuellen Situation nicht überrascht, doch selbst die genaue Nutzung des Neubaus Haus D scheint aus pandemischer Sicht derzeit noch nicht gesichert, sind doch Klinik-Kapazitäten derzeit überaus gefragt.

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