Engie am Scheideweg

Die Strategen von Engie in Paris haben große Pläne für die Gebäudetechnik-Sparte. Und die erwecken prompt auch hierzulande Lust auf mehr.  

Der französische Energieversorgungsriese Engie möchte seine Struktur vereinfachen. Seit Herbst 2020 steht so gut wie fest, dass die Sparte Costumer Solutions vom großen Ganzen abgespalten werden soll. Diese neue Einheit, in der grob betrachtet die Sparten Anlagenbau, Service und Betriebsführung gebündelt werden sollen, ist trotz Abspaltung noch immer eine Größe für sich: Das neue Konglomerat wird einen Umsatz von rund 13 bis 14 Milliarden Euro umfassen, rund 74.000 Mitarbeiter haben und veräußert werden. Die Engie Gebäudetechnik Österreich wird Teil dieser neuen Struktur. Langgedienten Engie-Österreich-Mitarbeitern steht also nach mehreren Namenswechseln ein Eigentümerwechsel bevor.  Ob und in welchem Zeithorizont der Eigentümerwechsel über die Bühne geht, lässt sich derzeit schwer abschätzen.

Strabag: „Engie würde passen“

Fest steht, dass allein schon die Wahrscheinlichkeit einer Ausgliederung potenzielle Interessenten auf den Plan ruft. „Das Unternehmen würde in unsere Akquisitionsstrategie passen“, erklärt etwa die Unternehmenssprecherin der Strabag SE auf Anfrage. Ob es Gespräche gibt, verrät sie freilich nicht. Spekulationen in der Branche gehen jedenfalls genau in diese Richtung, was seine Gründe hat. Alle großen Baufirmen haben eine ausgeprägte Sehnsucht nach Gebäudetechnik. Die Strabag hat anders als der potente Mitbewerber Porr in Sachen Gebäudetechnik hierzulande vergleichsweise wenig davon. Zwar gibt es in der Tochterfirma Baumeister Böhm eine Unit Gebäudetechnik, für die richtig großen Bauvorhaben fehlt aber die Größe und Vielfalt einer Ortner-Gruppe, die sich als Hauptaktionär der Porr quasi nebenbei einen umsatzstarken, aber margenschwachen Baukonzern leistet.

Entschieden wird in Paris

„An diesem Gerücht ist nichts dran“, sagt dazu er Engie Österreich Geschäftsführer Jörg Heißenberger angesprochen auf die Strabag-Avancen. Und er verweist darauf, dass die Entscheidungen ganz anderswo fallen, nämlich in Paris. Dort hat auch der fünftgrößte Baukonzern Europas Bouygues seinen Sitz. Das dortige Management hat mit dem Verkauf von Alstom-Aktien gutes Geld in die Kasse gebracht, wie der französische Börsendienst Capital berichtet. Und man liebäugelt mit Teilen der Vermögenswerte von Engie.  Bouygues ziele auf komplementäre Regionen ab, insbesondere in Skandinavien, Deutschland und Nordamerika, so die Botschaft.

Wie auch immer das große Monopoli in Paris um den Verkauf der Costumer Solutions ausgeht, es ist Geduld angesagt. Ein potenzieller neuer Eigentümer werde in der ersten Phase wenig Augenmerk auf die vergleichsweise kleine Engie Österreich legen, meinen Szenekenner. Sie rechnen deshalb nicht damit, dass – wenn überhaupt – vor Ende nächsten Jahres eine Entscheidung in Österreich anstehen könnte. Dazu kommt, dass es dem Vernehmen nach, mehrere Interessenten für die heimische Engie geben soll.

 

 

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