Elektroanlagen für China

Das junge Unternehmen EAS Elektroanlagen-Sicherheitstechnik aus dem Mostviertel zeigt, wie man mit Sicherheitstechnik rasch selbst bis nach China kommt.

Von Euratsfeld (NÖ) über Novosibirsk nach China. Martin Krenn, Geschäftsführer der EAS Elektroanlagen-Sicherheitstechnik GmbH, lebt vor, wie europäisches Know-how selbst in China reüssieren kann. Normalerweise läuft es ja heutzutage so, dass es kaum eine Sparte gibt, in der nicht günstige Technologie aus Asien stammt oder dort gefertigt wird. Doch in diesem Fall werden gleich ganze Produktionsgebäude nach China exportiert. Das erste asiatische Projekt – ein komplettes Krankenhaus – landete vorerst noch etwas näher im eisigen Novosibirsk. Mit europäischen Partnern – darunter das Modulbauunternehmen ADK Modulraum GmbH in Deutschland – wurde 2011 ein Krankenhaus mit einer Nutzfläche von rund 18.000 Quadratmetern und 100 Betten nach Novosibirsk geliefert. „Damals trat man an mich heran, ob ich nicht die kompletten Elektroinstallationen machen wolle“, erinnert sich Krenn. Er legte schließlich das Angebot für ein befreundetes Unternehmen und übernahm selbst den Part der Sicherheitstechnik. In diesem Bereich hat die EAS besonderes Know-how. Novosibirsk war das erste „Modulbau“-Projekt. „Hinsichtlich Planung und Ausführung war das schon eine Herausforderung“, so Krenn. Das Krankenhaus wurde in 367 einzelnen Modulen großteils schon in einer Montagehalle in Deutschland vormontiert. Dabei gab es einige Fragen zu lösen. Wie teilt man etwa die einzelnen Bauteile hinsichtlich Verkabelung auf, was kann man in der Fabrik machen, was muss vor Ort noch erledigt werden? Das erforderte einige Planungsarbeit. Dann galt es noch, die Montage vor Ort zu klären. „Bei diesem Projekt waren wir selbst nur für die Inbetriebnahme der sicherheitstechnischen Einrichtungen vor Ort verantwortlich“, so Krenn. In China stand auch die Vorort-Montage am Programm.

Das Mostviertler Unternehmen EAS Elektroanlagen-Sicherheitstechnik wurde 2010 gegründet. Freilich hatten die Gründer schon lange zuvor Erfahrung gesammelt und sich einen guten Ruf erarbeitet. So konnte sich die EAS rasch in Bereichen wie klassische Elektroinstallationen, die Montage von Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Kommunikationstechnik und besonders auch Sicherheitstechnik etablieren. Heute erwirtschaften die 37 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von rund vier Millionen Euro.

Mit den Erfahrungen aus Novosibirsk und weiteren  Projekten ging es auf nach China. Im Reisegepäck mit dabei waren gleich ganze Produktionsgebäude für die Pharmaindustrie. So stand in den Jahren 2015/2016 das Projekt KUBio JHL Biotech in Wuhan am Programm, 2016 startete das Projekt KUBio Pfizer in Hangzhou und heuer wurde Anfang März eine Fabrik für das Unternehmen BeiGene nach  Guangzhou geliefert. „In China waren wir ja auch für die Vorortmontagen verantwortlich. Die größte Herausforderung war hierbei, geeignete Subunternehmen zu finden“, so Krenn.

Das meiste – auch die sicherheitstechnischen Einrichtungen – wurde aber schon so gut wie möglich im Werk im deutschen Neresheim montiert, dann nach China verschifft und dort endmontiert, programmiert und in Betrieb genommen. Mittlerweile kann die EAS zahlreiche Referenzprojekte im Inland vorweisen, wie etwa das Abfalllogistikzentrum Pfaffenau der MA48 in Wien Simmering oder das TZT Technologiezentrum Tulln, aber auch im Ausland, wie etwa die Jugendpsychiatrie Kirchberg in Luxemburg, ein Hotel im russischen Woronesh, Viessmann Paris, die Tropenklinik Tübingen in Deutschland samt einer PV-Anlage mit 99kWp oder ein Dienstleistungszentrum Lenting, Deutschland, inklusive 142kWp PV-Anlage. „Jüngst haben wir es auch nach Pakistan geschafft“, so Krenn. Da geht es um ein Botschaftsprojekt in Islamabad, wo aber die Vorschriften des Botschaftsstaates gelten. Die oft sehr unterschiedlichen behördlichen Auflagen machen es freilich bei Auslandsprojekten nicht immer leicht. Das betrifft besonders die nötigen Zertifizierungen. Deshalb setzt die EAS international besonders auf Produkte, die weltweit zertifiziert sind, wie etwa von Honeywell, in Europa wird öfters auf Telenot gesetzt. Ein wichtiges Thema für Krenn ist auch die Gewinnung guter Fachkräfte. Mit der Publizität spannender Projekte hofft er nicht zuletzt auch, gute Lehrlinge gewinnen zu können. „Von den 15 Lehrlingen, die wir bislang schon ausbilden konnten, sind nun zehn in unserer Firma tätig“, so Martin Krenn, der davon überzeugt ist, gute Mitarbeiter besser selbst auszubilden.

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