Einsam statt gemeinsam

Bei den Energie-Gemeinschaften tut sich sehr wenig. Und daran sind nicht nur die verspäteten Tarif-Verordnungen schuld.

Es ist sehr zu hoffen, dass sich „Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften“ irgendwann einmal erneuern können. Aber dazu müssten sie erst einmal gegründet werden – und daran hapert es derzeit ganz gewaltig.

Das Erneuerbaren Ausbau-Gesetz (EAG) und damit auch die eigens gegründete „Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften im Klima- und Energiefonds“ unterscheiden zwischen Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) und Bürgerenergiegemeinschaften (BEG), die Unterschiedliches können und dürfen: EEGs dürfen Strom, Wärme oder Gas aus erneuerbaren Quellen erzeugen, speichern, verbrauchen und verkaufen und sind auf den „Nahbereich“ beschränkt. Für BEGs gilt ähnliches, eingeschränkt jedoch auf Strom und nicht limitiert auf Erneuerbare. Die Koordinationsstelle meldete Anfang November „vorerst 13 Pilotprojekte“, die von ihr unterstützt werden, mit bis zu 25.000 Euro. „Herausforderungen beim Aufbau und in der ersten Betriebsphase sollen rasch erkannt und gemeinsam gelöst werden. Die dabei gewonnenen Erfahrungen helfen nachfolgenden Initiativen bei der Gründung, heißt es bei der Koordinationsstelle, die unter der Leitung von Eva Dvorak steht. Sie kommt von der m27 Finance GmbH und war davor bei der Stadt Wien beschäftigt.

Praktiker reiten vor

Die zu „gewinnenden Erfahrungen“ wollten einige wenige Praktiker gar nicht erst abwarten und wagten den Alleingang. Schon am 4. Oktober hieß es beispielsweise: „Heute nimmt mit der EEG Gänserndorf die erste Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft Österreichs ihren Betrieb auf. Es ist die erste von mehreren EEGs in ganz Österreich, die der gemeinnützige Verein ‚e-Gemeinschaft.at‘ gegründet hat, bzw. gründen wird“.

Aus Vorchdorf (OÖ) wurde Mitte November gemeldet, dass sich die erste EGG Oberösterreichs in Form des Vereins „Laudachtaler Energiegemeinschaft“ bilde und in Salzburg wollte der Unternehmer und NET-Eigentümer Franz Schweighofer schon Mitte Oktober vor der Umsetzung „der ersten kleinen Energiegemeinschaften in Salzburg“ stehen. Für die Steiermark meldete inzwischen die Energie Steiermark, dass Haushalte durch „Insel-Handel“ von Sonnenstrom jährlich bis zu 500 Euro sparen könnten, was in der südsteirischen Gemeinde Heimschuh demonstriert worden sei. Nur eine Absichtserklärung ist hingegen die angekündigte Projektpartnerschaft zwischen der Supermarktkette Unimarkt und dem FH Technikum.

Gemessen an den großen Erwartungen und dem vergoldeten Vorschusslorbeer für die EEGs ist das recht bescheiden, oder: Wie Stromerzeugung an einem windstillen Regentag. Mit dem Inkrafttreten der nötigen Verordnungen für die anzuwendenden Tarife erst am 1. November allein kann das nicht erklärt werden. Doch das EAG ist zwar beschlossen, aber noch immer nicht in Kraft – weil sich die Republik in Beihilfenfragen auf eine Auseinandersetzung mit der EU-Kommission eingelassen hat.

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