Die Fassaden-Erbin

Doris Hummer, Geschäftsführerin und Eigentümerin der Domico Dach-, Wand- und Fassadensysteme GmbH ist eine der wenigen Frauen mit voller Verantwortung im Baugeschäft. Sie setzt mit Erfolg fort, was ihr Vater begonnen hat.

Am 20. September wurde zum 11. Mal der Architekturpreis Domigius vergeben. Mit diesem Preis gibt der Fassaden-, Wand und Deckenproduzent Domico jenen Planern eine Bühne, die hauseigene Produkte zu spektakulären Skulpturen des öffentlichen Raums formen. Und das tun Architekten, Dachdecker, Spengler und Hallenbauer schon ziemlich lang. Vor zwei Jahren feierte Domico sein 40. Firmenjubiläum, zum Geburtstag schenkte sich der Familienbetrieb eine neue Zentrale am Firmenhauptsitz in Vöcklamarkt. Das weit in den Himmel ragende Bauwerk, dessen Fassade fast gänzlich aus der hauseigenen Produktion stammt, ist ein selbstbewusstes Statement, was ganz dem Selbstverständnis der Familie entspricht. Und es ist ein Signal dafür, dass man weiterhin mehr vorhat. In den letzten 40 Jahren sei kein Jahr vergangen, in dem nicht ins Unternehmen investiert wurde. Der Bau sei ein Meilenstein und ein Geschenk an Kunden und Mitarbeiter.

Gegründet wurde Domico 1978 vom Technischen Zeichner Josef Hummer. Das Unternehmen hat sich im Lauf der Jahrzehnte einen Fixplatz in Sachen Metallfassaden und Dächern erarbeitet. Und das nicht nur hierzulande, sondern auch im benachbarten Ausland, wohin Domico rund 60 Prozent seiner Produktion verkauft. Oft sind es nur einfache Industriehallen, Lager, Gewerbebauten oder soziale Wohnbauten, die mit Metallelementen aus eigener Produktion errichtet werden. Herausragend sind dagegen jene Projekte, wie das Laborgebäude der TU Graz, der Wasserturm von Pirach, oder das Gebäude der Ovesco Endoscopy AG, die zuletzt den Domigius erhalten haben. Dahinter stehen Architekten, wie Giselbrecht + Partner, Metaraum und brüderl Architektur.

Vier Werke

Rund 130 Mitarbeiter fertigen in drei Werken und einer Produktion in Tschechien die Metallteile, mit denen Domico im Geschäftsjahr 2019/20 einen Umsatz von rund 41 Millionen Euro erzielte. Geleitet wird das Unternehmen von Doris Hummer und Bernhard Reichl, der auch für die IT verantwortlich zeichnet. Und natürlich vom Vater, der, wie in Familienfirmen üblich, das Loslassen in vielen Schritten vollzieht.

Eindeutig das Sagen hat aber die blonde Frau, die nebenbei als Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich fungiert. Vor ihrem Einstieg ins väterliche Unternehmen hat sie ihr eigenes Ding gemacht – ein Unternehmen für Mystery Shopping, das weiterhin besteht und dessen Team demnächst den 20. Geburtstag feiert. Später leitete Doris Hummer bei Domico die Bereiche Personal und Marketing. Und sie agierte in den Jahren 2009 bis 2015 als Landesrätin für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Frauen und Jugend in der OÖ-Landesregierung. Danach war Hummer noch zwei Jahre Landtagsabgeordnete. Aktuell ist sie Präsidentin der Wirtschaftskammer OÖ. Als solche stellt sie fest, dass es in den letzten Wochen und Monaten Versäumnisse beim Aufbau der Testinfrastruktur und der Impfüberzeugungsarbeit gegeben hat.

Corona hat übrigens auch bei Domico die Feierlaune etwas getrübt. Im Vorjahr wurden einige geplante Projekte verschoben, berichtet die studierte Volkswirtschafterin und Mutter eines Sohnes. Dazu kommen die in vielen Branchen inzwischen üblichen Troubles mit Zulieferern und Preiserhöhungen, wie Hummer im Interview sagt. Das Gespräch fand wenige Tage vor dem Inkrafttreten des 4. Lockdowns statt. Die Produktion ist derzeit voll ausgelastet, und der Trend hin zu höherwertigen Hallen, Wänden und Dächern sei klar zu erkennen, so Hummer. Auch den Boom in Sachen Photovoltaik spüre man ganz eindeutig. Domico hat zuletzt so viele Solarhalterungen verkauft wie nie zuvor. Und privat? Die Unternehmerin spielt nicht Golf, fliegt kein Segelflugzeug und widmet die verbleibende Zeit lieber der Familie. Den Herd beherrscht allerdings ihr Mann, der gerne kocht.

INTERVIEW: Doris Humer

„Selbstverständlich Probleme“

Doris Hummer über die Mühen des Einkaufs, gewaltige Preissteigerungen, erhebliche Projektverzögerungen und den Boom bei Solarklemmen.

Building Times: Ihr Unternehmen produziert Dach- und Fassadensysteme. In welchem Segment sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Doris Humer: Wir wachsen erfreulicherweise in allen Bereichen. Unsere Element-Dach und –Hallen Produktion sowie der Fassadenbereich sind dabei die wichtigsten zwei Sparten.

Building Times: Domico verarbeitet an vier Standorten rund 20.000 Tonnen Metall. Wie sehr wirken sich die gestiegenen Rohstoffpreise auf die fertigen Fassaden aus?

Doris Humer: Massiv. Dieses Jahr mussten wir mit Preissteigerungen von 100% kämpfen, dazu kamen noch die zusätzlichen Verschiebungen und Verknappungen. Auf der Einkaufsseite war es ein wirklich mühsames Jahr.

Building Times: Gab es im Zuge der Pandemie Lieferprobleme bei Zulieferern?

Doris Humer: Selbstverständlich gab es diese auch bei unseren Zulieferern. Aber wir haben großteils Lieferanten, mit denen wir seit Jahrzehnten zusammenarbeiten und wo wir uns aufeinander verlassen können.

Building Times: Derzeit wird immens viel gebaut. Ist die Produktion voll ausgelastet?

Doris Humer: Ja – erfreulicherweise.

Building Times: Wie verlief 2020 und wie wird 2021? Oder anders gefragt: Hat Corona eine Delle verursacht oder mehr Geschäft?

Doris Humer: 2020 mussten wir leider erhebliche Verschiebungen im Fassadenbereich verzeichnen. D.h. die Auftragsbücher waren zwar voll, aber wir durften nicht zu den vereinbarten Terminen liefern.

Building Times: Wie verteilt sich der Umsatz auf die einzelnen Segmente?

Doris Humer: Wohnbau, Gewerbebau, Fassade/Dach/Decken. Unser wichtigster Bereich ist der Gewerbe- und Industriebau. Aber der soziale Wohnbau ist in Österreich auch ein wichtiger Bereich für die Planum-Fassade. Ein hochwertiges Produkt mit kaum Wartungsbedarf und besten bauphysikalischen Werten.

Building Times: Wie hoch ist der Exportanteil von Domico?

Doris Humer: Rund 60 Prozent.

Building Times: Nachhaltigkeit und Energieeffizienz werden medial sehr gehypt. Macht sich das auch in Umsätzen mit Lösungen für Energiegewinnung bemerkbar?

Doris Humer: Wir haben noch nie so viele Solarklemmen verkauft wie heuer. Und der Trend zu energieeffizienten, nachhaltigen Gebäuden spielt uns in die Karten. Da wir in unserer Produktphilosophie schon immer auf verbundstofffreie Produkte gesetzt haben, die aus 100% recyclingfähigen Materialen bestehen. Aber auch die soziale Nachhaltigkeit wird bei unseren Produkten mitgedacht, vor allem in puncto Schallschutz erreichen unsere Produkte Topwerte.

Building Times: Wird insgesamt mehr Wert auf höherwertige Lösungen mit besserer Dämmung gelegt?

Doris Humer: Ich bin davon überzeugt, dass vor allem im großflächigen Industrieund Hallenbau die Zeit der Billigstlösungen bald vorbei ist. Da auch der rechtliche Rahmen hin zu einer Lebenszyklusbetrachtung führen wird. Denn diese Billigsysteme sind am Ende ihrer Laufzeit als Sondermüll zu entsorgen, für unsere sortenrein trennbaren Produkte bekommt man sogar noch Geld (Stahl, Alu).

Building Times: Ihr Unternehmen bietet auch ein Energiedach. Kommen da auch die PV-Komponenten von Domico oder sind diese Dächer nur vorbereitet für ein weiteres Gewerk?

Doris Humer: Bei den PV-Komponenten gibt es keine Einschränkung, aber unser Energiedach liefert als durchdachtes Gesamtsystem die notwendigen Befestigungsmöglichkeiten.

Building Times: Heizung, Kühlung und Stromgewinnung sind bei Teilen Ihrer Produkte integriert. Wie verkaufen sich diese Lösungen? Haben Sie für diese Fassaden spezielle Partner?

Doris Humer: Auch hier sind wir systemoffen, daher kann bei unseren Produkten jederzeit auch nachträglich nachgerüstet werden.

Building Times: Architekt oder Bauherr? Wer entscheidet häufiger, ob Domico zum Zug kommt oder nicht?

Doris Humer: Wichtigster Entscheider ist der Architekt, aber wer einmal als Bauherr mit uns gebaut hat, kommt immer wieder. Was uns sehr freut!

Building Times: Derzeit wird vermehrt in Holz gebaut. Schmälert das eigentlich die Chancen für Metallfassaden?

Doris Humer: Nein, ganz und gar nicht – jeder Werkstoff hat seine Vorteile. Die Holzbauforschung selbst hat in einer wissenschaftlichen Untersuchung einmal festgestellt, dass unser Dachsystem das Beste ist.

Building Times: Welche Rolle spielen Automatisierung und Digitalisierung für Ihr Unternehmen?

Doris Humer: Eine sehr große, wir arbeiten seit drei Jahren sehr intensiv daran, alle unsere Prozesse zu optimieren und mittels Digitalisierung noch effizienter zu machen.

Building Times: Der Facharbeitermangel wird überall beklagt. Wie geht es Ihnen damit?

Doris Humer: Auch für uns ist dieser Arbeitskräftemangel in gewissen Regionen fordernd. Aber da wir selber ausbilden und eine tolle Truppe haben, gelingt es uns immer, Menschen für Domico zu begeistern.

Building Times: Sie haben vor dem Eintritt in das väterliche Unternehmen ein eigenes Marktforschungsunternehmen gegründet. Haben Sie sich damit emanzipiert?

Doris Humer: 2002 hatte ich gemeinsam mit einer Studienkollegin das Ziel, eine damals noch unbekannte Marktforschungsmethode (Mystery Shopping) in Österreich einzuführen. Mich hat die Idee und die Herausforderung fasziniert und das Unternehmen ist bis heute erfolgreich am Markt und nächstes Jahr feiern wir 20 Jahre!

Building Times: Als Präsidentin der Wirtschaftskammer haben Sie einen guten Überblick über die Corona-Situation in OÖ. Hat die Politik seit dem Sommer alles richtig gemacht?

Doris Humer: Im Rückspiegel ist es immer einfach, zu kritisieren, aber ja, es gab Versäumnisse. Testinfrastruktur und Impfüberzeugungsarbeit sind dabei die Wesentlichsten.

Building Times: Wie ist die Stimmung in den Betrieben des Industrielandes OÖ?

Doris Humer: Grundsätzlich gut, da die Auftragsbücher voll sind. Aber Corona hat uns schon wieder voll im Würgegriff und fordert uns neben den Verwerfungen am Arbeits- und Rohstoffmarkt immens.

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