Ab(-wärme) in die Kaverne

Die unterirdische Speicherung von sommerlicher Überschuss-Abwärme im Stadtgebiet von Graz ist möglich, wurde an der TU Graz festgestellt. Kavernen würden damit neue Fernwärme-Möglichkeiten eröffnen.

Spätestens seit der Diskussion um BIG Solar, ein riesiges oberirdisches Speicherbecken, in dem solare Wärme gespeichert werden sollte, geht in Grazer Energie-Fachkreisen die Diskussion um, wie man allenfalls sommerliche Wärme im Stadtgebiet zur Nutzung in der kalten Jahreszeit speichern kann. Um BIG Solar ist es seit der Insolvenz des Betreibers Solid im Juni 2019 still geworden, auch wenn die Energie Steiermark damals das Projekt weiterführen wollte. Die Debatte ist deshalb jedoch nicht verebbt.

„Schon damals, also vor zwei, drei Jahren, haben wir uns die Frage gestellt, warum man in Anbetracht der beschränkten oberirdischen Platzverhältnisse und der Platzsuche für BIG Solar nicht in den Untergrund geht“, berichtet Franz Georg Pikl im Gespräch mit Building Times. Der Assistent am Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU Graz hat erst vor zweieinhalb Jahren für Aufsehen unter Fachleuten gesorgt, als er eine Hybrid-Lösung für ein Heißwasser-Pumpspeicherkraftwerk vorgestellt hat.

Jetzt präsentiert er exklusiv in Building Times eine noch unveröffentlichte Vorstudie der TU Graz, die ohne Auftraggeber und ohne Forschungsförderung entstanden ist: „Wir sind am Institut unentgeltlich aus fachlichem Interesse unterwegs, arbeiten mehr oder minder in der Freizeit und mit Studierenden“, schickt Pikl voraus, wohl auch deshalb, um sich vom SFG-Projekt CityStore abzugrenzen, dessen Abschlussbericht unter AIT-Führung zeitgleich vorgestellt wurde und sich nur äußerst bescheiden und sehr theoretisch mit den Wärmespeicher-Möglichkeiten in Graz beschäftigt hat. Die Hauptproblematik sei ja, dass man so große Wassermengen an der Oberfläche gar nicht unterbringen könne, sagt Pikl. „Wir haben unter meiner Leitung ein Kavernensystem für die saisonale Wärmespeicherung im Plabutsch modelliert“, berichtet er. „Es geht dabei um die Frage, ob es möglich wäre, mehrere Millionen Kubikmeter Wasservolumen, konkret geht es um fünf Millionen Kubikmeter, zur saisonalen Wärmespeicherung für die klimafreundliche, ökologische Fernwärmeversorgung der Stadt Graz unterirdisch zu speichern. Das Ergebnis: Ja, es ist möglich, fünf Millionen Kubikmeter Wasser unterzubringen, das ist überhaupt kein Problem“. Und zwar östlich der beiden Tunnelröhren der Asfinag Richtung Stadt, was idealerweise nahe an der Papierfabrik Sappi liegt, die schon jetzt die Stadt mit industrieller Abwärme versorgt.

Damit erspare man sich beispielweise Grundstückskosten, die bei BIG Solar zwischen 200 Euro und 220 Euro gelegen seien, sagt der Kavernen-Entwickler, gegenüber einem Erdbecken hätten Kavernen eine längere Lebensdauer und man erspare sich auch die künstliche Wärmedämmung, denn das Gebirge sei die Isolation. „Außerdem heizt das Heißwasser auch das umgebende Gebirge auf, sodass ich es ebenfalls als Speicher nutzen kann. Trotzdem kommt man im saisonalen Zyklus auf 90 Grad bis 95 Grad“.

Kavernen seien sehr schnell herstellbar, die Technologie sei mit der NÖT (Neue Österreichische Tunnelbaumethode) bekannt und bewährt und man könne zu jeder Tages- und Nachtzeit daran arbeiten – ganz anders als bei einem Erdbecken, sagt Pikl. In Schweden, verweist Pikl auf ein Beispiel, funktioniere seit 40 Jahren ein unterirdischer Heißwasserspeicher, der während der Erdölkrise entstanden sei, und teilweise einen Wirkungsgrad von 95 Prozent erreiche. Nur kenne ihn hierzulande niemand. Wohlan – die öffentliche Diskussion ist eröffnet, denn derzeit werden die Studien-Ergebnisse nur intern mit der Grazer Energieagentur diskutiert.

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